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"Russinnen nehmen sich, was sie wollen"

Chris Helmbrecht organisiert Partys in Moskau. Er hatte zahllose Frauengeschichten und bloggte darüber. Im Interview erzählt er, wie es ist, wenn die Freundin von einem Oligarchen angeflirtet wird.

  Die russische Schickeria beim Feiern in einem edlen Club.

Die russische Schickeria beim Feiern in einem edlen Club.

Herr Helmbrecht, Ihr Buch heißt "Fucking Moskau". Klingt nicht so, als ob Sie Ihre Wahlheimat sonderlich ins Herz geschlossen haben.

Der Titel ist natürlich doppeldeutig. Zu Moskau verbindet mich eine Hassliebe. Das Leben hier ist sehr leidenschaftlich, aber auch anstrengend. Ich muss allerdings zugeben, dass es eine Menge negative Reaktionen nach der Veröffentlichung gab. Vor allem von Russlanddeutschen, die sich von dem Titel beleidigt fühlten. Das tut mir leid.

Sie erzählen bizarre Erlebnisse aus zehn Jahren Nightlife voller Sex, Drogen und Alkohol. Nichts davon erfunden?

Nicht eine Zeile. Ich schwöre es. Und ich habe noch genug Material fürs nächste Buch.

Ist es nicht billig, eine Stadt darauf zu reduzieren?

Moskau ist ein Moloch, eine der härtesten Städte der Welt. Unfreundlich, dreckig, gefährlich. Der Kapitalismus regiert das Leben. Die Menschen arbeiten extrem hart. Und sie feiern extrem. Als ob es kein Morgen gibt. Das Partyleben ist eines der wichtigsten Elemente dieser Stadt.

Nächte mit Sexsklavinnen, Bolschoi-Tänzerinnen werden von Milliardären als Partyhäschen verpflichtet, die Freundin eines Mafiabosses flirtet Sie an ... Klingt alles arg übertrieben.

Im Gegenteil. Ich hab noch untertrieben. Moskau ist so. Besonders in gewissen Kreisen. Die ganzen Bars und Clubs, die ich beschreibe, gibt oder gab es ja wirklich. Ich habe nicht einmal die Namen aller Beteiligten verfremdet.

Und jetzt haben Sie ein paar Freunde und vor allem Freundinnen weniger.

Noch hat sich niemand gemeldet, der sauer ist.

Wenn man Ihnen glaubt, sind die Frauen in Moskau grundsätzlich hemmungslos.

Russinnen nehmen sich, was sie wollen, und sie setzen dafür ihr Aussehen ein. Ich kann daran nichts Schlechtes finden. Es heißt doch immer, die russischen Frauen seien alle viel schöner als die deutschen. Stimmt gar nicht. Sie machen nur mehr aus sich. Die würden nie eine weite Jeans tragen, nur weil's bequemer ist. Sie wissen einfach, dass es nicht schaden kann, eine gute Figur zu haben. Wozu sie also verstecken?

Das Wort Feminismus scheint sich noch nicht nach Russland herumgesprochen zu haben.

Oberflächlich kann man das so sehen. Aber ich garantiere Ihnen: Vor allem hier in Moskau haben die Frauen ihr Leben, ihren Beruf und ihre Männer besser im Griff als so manche deutsche Frauenrechtlerin.

Was macht Sie eigentlich zu so einem Womanizer?

Also ich bin weder extrem groß noch übermäßig athletisch. Und schon gar nicht reich. Es ist wohl der Charme. Und natürlich profitiere ich von den Nachteilen der russischen Männer. Die lassen sich auf die Frauen nicht ein, sind viel zu grob. Im Vergleich dazu bin ich Romantiker.

Sie beschrieben in einer Episode, wie ein berühmter Oligarch Ihnen die Freundin ausspannen wollte.

Sechs Monate zog sich das hin. Ich war ganz schön eingeschüchtert. Man muss sich das mal vorstellen: Da hat es einer der reichsten und mächtigsten Männer der Welt auf deine Frau abgesehen. Und der steht auch noch in dem Ruf, nicht besonders zimperlich zu sein. Am Ende habe ich meinen ganzen Mut aufgebracht und mit ihm gesprochen.

Und wenn er sich jetzt in Ihrem Buch wiederfindet?

Naja, noch geht es mir gut.

Sie sind jetzt 42. Wie lange soll das wilde Sex- und Partyleben noch weitergehen?

Ich habe geheiratet und werde in einem Monat Vater.

Das heißt also, Schluss mit lustig?

Also vorerst ja. Aber gestern Abend habe ich einen Engländer kennengelernt, der auch schon ewig in Moskau lebt. Der ist 62 und lässt es immer noch jedes Wochenende krachen.

Interview: Andreas Albes

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