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Die Lady und ihre Braut - erste gleichgeschlechtliche Adels-Ehe

Von geadelten Popstars kennt man das schon länger, nun gibt es im britischen Hochadel erstmalig eine gleichgeschlechtliche Eheschließung. Lady Anna Gordon will ihre Lebensgefährtin Sarah Chesney heiraten.

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Im "Telegraph" gaben Lady Anna Gordon, Tocher des 7. Marquis von Aberdeen und seiner Frau Joanna, und ihre gleichaltrige Lebensgefährtin Sarah McChesney ihre Verlobung bekannt.

Diese Verlobung war selbst der altehrwürdigen konservativen Londoner Tageszeitung "The Times" eine dicke Schlagzeile wert: im Inselkönigreich hat zum ersten Mal im Britischen Hochadel ein Paar mit zwei Bräuten sein Aufgebot bestellt. Die 28-jährige Lady Anna Gordon, Tocher des 7. Marquis von Aberdeen und seiner Frau Joanna, möchte noch in diesem Jahr ihre gleichaltrige Lebensgefährtin Sarah McChesney heiraten.

Gleichgeschlechtliche gab es in Großbritannien und sonst auf der Welt natürlich schon immer, nur fand sie bis vor einigen Jahrzehnten meist im Geheimen statt, da sie von Gesellschaft und Kirche geächtet war. Homosexuelle Beziehungen waren bis ins 20. Jahrhundert hinein auch in vielen europäischen Ländern noch unter Strafe gestellt, so im Vereinigten Königreich bis 1967. Interessanterweise betraf das aber nicht die Liebe unter Frauen: Es ist überliefert, dass Queen Victoria, die 1885 das Gesetz zur Strafverfolgung jeglicher gleichgeschlechtlicher Kontakte unterschreiben sollte, es auf männliche Homosexualität eingrenzen ließ mit der schlichten Begründung, Frauen täten so etwas nicht.

Inzwischen sind nicht nur gleichgeschlechtlichliche Beziehungen gesellschaftlich und rechtlich anerkannt, inzwischen sind in vielen Ländern auch Eheschließungen möglich. Eine der ersten und wohl berühmtesten Verbindungen dieser Art in Großbritannien war sicher diejenige von Pop-Ikone Elton John mit seinem Mann David Furnish 2014, im Jahr des Inkraftretens des entsprechenden Gesetzes. 

Lady Anna stammt aus einer der ältesten und angesehensten Familien Schottlands, dem Gordon-Clan, dessen Vorfahren schon mit William dem Eroberer 1066 auf die Insel kamen. Die Familie stellte in der Vergangenheit unter anderem einen britischen Premierminister und einen Generalgouverneur von Kanada. Bürgerlich berufstätig ist die adelige Braut allerdings auch, passenderweise für die Stiftung von Prinz Charles „The Princes Trust“ zur Ausbildungsförderung benachteiligter Jugendlicher, als Projektmanagerin. Partnerin Sarah arbeitet in der Spielebranche.

 

Als Skandal wird diese Hochzeit in ihrer Familie und ihrem Freundeskreis allerdings nicht empfunden, auch wenn die jungen Frauen eine Vorreiterrolle spielen: Der britische Adel war Homosexualität gegenüber immer durchaus aufgeschlossen, über die Jahrhunderte gab es natürlich auch in seinen Reihen immer wieder Mitglieder, die dem eigenen Geschlecht oder auch beiden Geschlechtern zugeneigt waren. Ein prominentes Beispiel ist der lange verstorbene Vater des jetzigen Herzogs von Kent und Onkel von Königin Elisabeth II., Prinz George, Herzog von Kent, der im Laufe seines Lebens diverse homoerotische Beziehungen unterhielt, unter anderem mit dem Bühnenstar und Autor Noel Coward (später Sir Noel Coward, der Bruder seines langjährigen Liebhabers, König GeorgeVI., adelte ihn 1942 wegen seiner Verdienste um die Unterhaltung der Truppen im 2. Weltkrieg).

1934 heiratete Prinz George dann allerdings ganz standesgemäß Prinzessin Marina von Griechenland, um die nötigen Erben hervorbringen zu können, führte seine Affäre mit Coward aber weiter. Allerdings waren diese Hintergründe in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts nur dem direkten Umfeld bekannt, das äußerst diskret mit diesem Wissen umging. 

Zum Glück für das junge Paar Anna und Sarah haben sich die Zeiten inzwischen radikal geändert, sogar die Erbgesetze sind angepaßt worden, sodass im Falle eines früheren Ablebens der wohlhabenden Lady Anna ihre Witwe Sarah genauso vom Erbe profitieren könnte, wie ein klassischer Witwer.

Nur eine Ungerechtigkeit bleibt: Sarah kann von Ihrer künftigen Gattin keinen Adelstitel übernehmen. Wäre Lady Anna ein Bräutigam zum Beispiel mit Namen Lord John Gordon, dürfte sich Sarah künftig "Lady John Gordon" nennen, so wird sie schlicht Mrs. Gordon bzw. bleibt Ms. Chesney, falls sie ihren Geburtsnamen behält. Das wird de mehelichen Glück aber bestimmt keinen Abbruch tun ...

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