Leiden im Namen der Familie

15. Mai 2013, 13:15 Uhr

Sie selbst wuchs ohne Vater auf, jetzt tut sie alles, um ihre eigene Familie intakt zu halten. Angelina Jolies Entscheidung zur Brustamputation ist auch ein Signal: Ihre Kinder sollen es besser haben. Von Julia Kepenek

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Angelina Jolie mit vier ihrer sechs Kinder am Flughafen von Tokio.©

Respekt. Anerkennung. Stolz. Die Reaktionen auf Angelina Jolies Entscheidung, sich aus Angst vor einer möglichen Krebserkrankung beide Brüste amputieren zu lassen, fallen mehrheitlich positiv aus. Dass ausgerechnet sie, eines der größten Idole und Sexsymbole der Gegewart, sich solch einem drastischen Schritt wählt und dann auch noch öffentlich darüber spricht, gilt als bahnbrechend. Es ist eine mutige Entscheidung Jolies, aber es ist auch ein Signal an ihre Familie: Gerade weil Jolie selbst ohne Vater aufwuchs, versucht sie nun alles, um ihre Familie so lange wie möglich intakt zu halten.

In ihrem Artikel in der "New York Times" dankt Jolie ausdrücklich ihrem Lebensgefährten Brad Pitt, der sie während der Behandlung im "Pink Lotus Breast Center" in Los Angeles "jede Minute untertützt" und trotz der Umstände "immer wieder zum Lachen gebracht" habe. Pitt selbst nennt Jolies Entscheidung "absolut heroisch". "Alles, was ich mir wünsche ist, dass sie ein langes und gesundes Leben mit mir und unseren Kindern hat. Das ist ein glücklicher Tag für unsere ganze Familie", sagte der 49-Jährige der britischen Zeitung "Evening Standard".

Das Schicksal sollte sich nicht wiederholen

Die Kinder - drei adoptierte und drei leibliche - sind es auch, die Angelina Jolie immer wieder ausdrücklich erwähnt. Sie habe oft mit ihnen über ihre Großmutter Marcheline Betrand gesprochen, schreibt Jolie. Sie habe versucht ihnen zu erklären, wie sie starb, im Januar 2007 mit nur 56 Jahren. Da lagen sieben Jahre erfolgloser Kampf gegen den Eierstockkrebs hinter Jolies Mutter. Das drängende Bohren ihrer Kinder, ob sie selbst auch dieses Schicksal erleiden könne, brachte Jolie schließlich zum Nachdenken. Obwohl sie ihnen immer wieder versicherte, sie müssten sich keine Sorgen machen, wusste Jolie um die Gefahr. Ihre Ärzte errechneten ein 87-prozentiges Krebsrisiko, weil sie das Gen BRCA1 in sich trägt.

Es ist diese Angst, dass ihre Kinder das gleiche Schicksal erleiden müssen wie sie selbst, nämlich ihre Mutter in jungen Jahren sterben zu sehen, die Jolie zum Schritt der Brustamputation trieb. Es sei keine leichte Entscheidung gewesen, bekennt Jolie, aber die richtige. "Ich kann meinen Kindern nun sagen, dass sie keine Angst haben müssen, ihre Mutter an den Krebs zu verlieren", schreibt Jolie in der "New York Times". Während der Behandlung habe sie versucht das Familienleben so normal wie möglich weiterlaufen zu lassen. Zum Valentinstag gab es Geschenke, an Ostern wurden Eier gesucht. Für die Kinder sei sie weiterhin einfach nur "Mommy", so, wie sie immer war, nur mit ein paar kleinen Narben am Körper.

Gerade weil Jolie selbst ohne Vater aufwuchs, versucht sie nun alles, um ihre Familie so lange wie möglich intakt zu halten. Das Verhältnis zu Jon Voight gilt seit jeher als schwierig, weil er die Familie verließ als Jolie noch ein Baby war. Ihre Mutter musste sie und den älteren Bruder James allein groß ziehen. Die Situation eskaliert, als Voight 2001 öffentlich über Jolies psychische Probleme spricht. Die Versöhnung zwischen Vater und Tochter findet erst nach dem Tod Marcheline Bertrands statt.

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Angelina Jolie mit ihrem Lebensgefährten Brad Pitt und dessen Eltern Bill und Jane bei einer Filmpremiere in New York.©

Zu Jolies Familie gehören heute nicht nur ihr Vater und ihr Bruder, der die Entscheidung seiner Schwester als "aufopferungsvoll" lobt, sondern auch Jane und Bill Pitt, die Eltern von Brad Pitt. "Wir sind so stolz auf Angie", sagte Jane Pitt dem Internetportal "people.com". "Das bedeutet wahnsinng viel für unsere Familie, insbesondere für unsere Enkelkinder. Wir lieben Angelina aus tiefstem Herzen."

Das war nicht immer so. Als Pitt sich 2004 während der Dreharbeiten zu "Mr. und Mrs. Smith" in Angelina Jolie verliebt, reagieren seine Eltern kühl. Jolies wilde Vergangenheit - Drogen, Sexspielchen, öffentliche Küsse mit ihrem Bruder - ist den Pitts ein Dorn im Auge. Sie halten stattdessen Kontakt zu ihrer früheren Schwiegertochter Jennifer Aniston, von der Brad Pitt im Oktober 2005 geschieden wurde.

Jolies Vater wusste nichts von der Amputation

Doch Jolie ändert sich. Drogenexzesse und freizügige Auftritte gehören der Vergangenheit an. Die Familie steht jetzt für Jolie an erster Stelle. Pitts Familie, so scheint es, sogar mehr als ihre eigene. Denn ihr Vater Jon Voight erfährt auch erst durch den "New York Times"-Artikel von der Brustamputation seiner Tochter. Und das, obwohl sich beide noch am Wochenende zuvor trafen. Voight hegt trotzdem keinen Groll. "Ich war wie alle anderen überrascht, bin aber tief bewegt über die Art und Weise, wie sie damit umgegangen ist", sagte der 74-Jährige der "New York Daily News". Und weiter: "Meine Liebe und Bewunderung für meine Tochter lässt sich nicht in Worte fassen."

Ihre Familie, so viel steht fest, unterstützt Angelina Jolie bedingungslos. Für sie hat Jolie die monatelange Prozedur über sich ergehen lassen. Ohne sie wäre dieser Schritt nicht möglich gewesen.

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