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23. Oktober 2007, 10:31 Uhr

"Ich stehe noch unter Schock"

Das ist der Gipfel: Zum Kinostart der Animationskomödie "Lissi und der wilde Kaiser" bat der stern Michael "Bully" Herbig und sein Idol Otto Waalkes zum ersten gemeinsamen Interview. Ein Gespräch über zeitlose Witze, verpuffte Gags, lockere Deutsche und heißen Ramazzotti.

"Hauptsache, die Leute haben Spaß": Michael "Bully" Herbig, 39, und Otto Waalkes, 59© Volker Hinz

Bully, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Otto-Moment?

Bully: Die erste Single, die ich gekauft habe, dazu stehe ich, war von Dschingis Khan. Und meine erste LP war diese weiße Otto-Platte mit dem gezeichneten Gesicht. Ich saß in der Badewanne und habe die nacherzählt.

Haben Sie die Platte noch?

Bully: Selbstverständlich. Am liebsten habe ich sie übrigens auf 45 Umdrehungen gehört.
Otto: Die habe ich auch auf 45 aufgenommen.
Bully: Und ich kannte die natürlich auswendig. Alle kannten die auswendig! Jeder auf dem Schulhof besaß diese Platte. Da muss ich wohl zehn gewesen sein.
Otto: Die war von 1972.
Bully: Mein Gott, da war ich erst vier!
Otto: Und schon gebadet.
Bully: Dann muss ich die wesentlich später gekauft haben. Ein paar Gags habe ich auch überhaupt nicht verstanden. Auf jeden Fall war die Platte total versaut. Die schweinischen Witze habe ich dann bei Oma und Opa erzählt. Die sahen mich entgeistert an und fragten: Also Junge, woher hast du denn das? Ich habe gesagt: Das ist Otto, Otto versaut Hamburg!

Wen hat Otto in der Badewanne rezitiert?

Otto: Ich habe nie gebadet. Leute wie Heinz Erhardt, Jerry Lewis, später Gernhardt, Eilert und Knorr, mit denen ich meine Programme geschrieben habe, waren prägend. Ich wollte vor allem Musik machen. Aber die Gags waren stärker.

Wurde in Ihren Familien viel gelacht?

Bully: Vor allem in der meiner Mutter. Wenn die zusammenkam, war das immer eine Riesengaudi. Mein Großvater hat am Tisch mit ein paar Löffeln getrommelt oder mit der Ziehharmonika aufgespielt. Die Humorausbildung hat aber auch viel mit dem Freundeskreis zu tun. Wenn du im Kindergarten oder der Schule für Dinge Lacher erntest, selbst wenn du sie anders gemeint hast.
Otto: Humor hat wohl mit Kompensation zu tun. Bei mir zu Hause war mein Vater der Lustigere. Der hat Konflikte mit meiner Mutter oft einfach weggelacht. Das hat mich positiv beeinflusst.

Warum ist Ottos Humor seit über 30 Jahren so erfolgreich?

Bully: Otto ist schlichtweg ein Phänomen. Das erste Mal habe ich ihn in einer Volksmusiksendung erlebt. Otto kam in diese Riesenhalle mit bestimmt 5000 Leuten und rief: "Ahhh! Haalloo Echo!" Darauf der ganze Saal: "Hallo Otto!"
Otto: Logisch, sie hatten mich erkannt.
Bully: Unfassbar! Das funktioniert noch nach so vielen Jahren. Was aber ganz stark mit einer Persönlichkeit zusammenhängt, mit einer Figur, die man mag.

Ottos Humor ist zeitlos?

Otto: Ich mache das seit 35 Jahren. Bis jetzt ist das Verfallsdatum nicht erreicht.
Bully: Es gibt immer wieder Generationen, die einen Witz noch nicht kennen, die wachsen ja nach. Einen guten Gag kannst du also tatsächlich alle 10 bis 20 Jahre wiederholen. Und Otto hat ja damals wirklich Pionierarbeit geleistet. Keiner ist zu der Zeit in dieser Dimension solo auf Tour gegangen.

Was hat sich seitdem verändert?

Bully: Das Tempo. Die Gag-Dichte in einem Film muss sehr viel höher sein.
Otto: Auf der Bühne ist die Präsenz entscheidend. Stehe ich zu einem Gag, überträgt sich das aufs Publikum, meistens. Komik, die von Tabubrüchen lebt, hält sich nicht lange. Ich habe auch schon mal den Drang, eins zu verletzen. Aber auf der Bühne merkst du schnell: Das war kein Tabu mehr, jedenfalls nicht für die anderen.
Bully: Das ist alles eine Bauchsache.
Otto: Du willst dich wohlfühlen mit dem, was du erzählst. Sonst wirst du irgendwann unglaubwürdig.

Sind die Deutschen heute lockerer?

Otto: Ich kann nur über die sprechen, die zu mir kommen. Da sitzen dann drei Generationen, unterschiedliche Bildungsgänge, unterschiedliche Einkommensklassen, unterschiedliche Haarfarben - und alle freuen sich über dieselben Scherze. Die Deutschen sind heute vergnügungssüchtiger.
Bully: Im Ausland ist das noch nicht ganz angekommen. Wenn du zum Beispiel in Amerika erzählst, du bist in Deutschland Komiker ...
Otto: ... gucken sie dich schräg an ...
Bully: ... und sagen: Oh, wirklich? Aber es spricht sich langsam rum, dass es hier komische Filme gibt, die sogar erfolgreicher sind als amerikanische Komödien.
Otto: Mich fragten die Amerikaner immer: Oh, you come from Germany? The free part? Do you have television over there?

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 43/2007

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