Das ist der Gipfel: Zum Kinostart der Animationskomödie "Lissi und der wilde Kaiser" bat der stern Michael "Bully" Herbig und sein Idol Otto Waalkes zum ersten gemeinsamen Interview. Ein Gespräch über zeitlose Witze, verpuffte Gags, lockere Deutsche und heißen Ramazzotti.

"Hauptsache, die Leute haben Spaß": Michael "Bully" Herbig, 39, und Otto Waalkes, 59© Volker Hinz
Bully: Die erste Single, die ich gekauft habe, dazu stehe ich, war von Dschingis Khan. Und meine erste LP war diese weiße Otto-Platte mit dem gezeichneten Gesicht. Ich saß in der Badewanne und habe die nacherzählt.
Bully: Selbstverständlich. Am liebsten
habe ich sie übrigens auf 45 Umdrehungen
gehört.
Otto: Die habe ich auch auf 45 aufgenommen.
Bully: Und ich kannte die natürlich auswendig.
Alle kannten die auswendig! Jeder
auf dem Schulhof besaß diese Platte. Da
muss ich wohl zehn gewesen sein.
Otto: Die war von 1972.
Bully: Mein Gott, da war ich erst vier!
Otto: Und schon gebadet.
Bully: Dann muss ich die wesentlich später
gekauft haben. Ein paar Gags habe
ich auch überhaupt nicht verstanden. Auf
jeden Fall war die Platte total versaut. Die
schweinischen Witze habe ich dann bei
Oma und Opa erzählt. Die sahen mich
entgeistert an und fragten: Also Junge,
woher hast du denn das? Ich habe gesagt:
Das ist Otto, Otto versaut Hamburg!
Otto: Ich habe nie gebadet. Leute wie Heinz Erhardt, Jerry Lewis, später Gernhardt, Eilert und Knorr, mit denen ich meine Programme geschrieben habe, waren prägend. Ich wollte vor allem Musik machen. Aber die Gags waren stärker.
Bully: Vor allem in der meiner Mutter.
Wenn die zusammenkam, war das immer eine Riesengaudi. Mein Großvater hat am
Tisch mit ein paar Löffeln getrommelt oder
mit der Ziehharmonika aufgespielt. Die
Humorausbildung hat aber auch viel mit
dem Freundeskreis zu tun. Wenn du im
Kindergarten oder der Schule für Dinge
Lacher erntest, selbst wenn du sie anders
gemeint hast.
Otto: Humor hat wohl mit Kompensation
zu tun. Bei mir zu Hause war mein
Vater der Lustigere. Der hat Konflikte mit
meiner Mutter oft einfach weggelacht. Das
hat mich positiv beeinflusst.
Bully: Otto ist schlichtweg ein Phänomen.
Das erste Mal habe ich ihn in einer
Volksmusiksendung erlebt. Otto kam in
diese Riesenhalle mit bestimmt 5000 Leuten
und rief: "Ahhh! Haalloo Echo!" Darauf
der ganze Saal: "Hallo Otto!"
Otto: Logisch, sie hatten mich erkannt.
Bully: Unfassbar! Das funktioniert noch
nach so vielen Jahren. Was aber ganz stark
mit einer Persönlichkeit zusammenhängt,
mit einer Figur, die man mag.
Otto: Ich mache das seit 35 Jahren. Bis
jetzt ist das Verfallsdatum nicht erreicht.
Bully: Es gibt immer wieder Generationen,
die einen Witz noch nicht kennen,
die wachsen ja nach. Einen guten Gag
kannst du also tatsächlich alle 10 bis 20
Jahre wiederholen. Und Otto hat ja damals
wirklich Pionierarbeit geleistet. Keiner ist
zu der Zeit in dieser Dimension solo auf
Tour gegangen.
Bully: Das Tempo. Die Gag-Dichte in
einem Film muss sehr viel höher sein.
Otto: Auf der Bühne ist die Präsenz entscheidend.
Stehe ich zu einem Gag, überträgt
sich das aufs Publikum, meistens.
Komik, die von Tabubrüchen lebt, hält sich
nicht lange. Ich habe auch schon mal den
Drang, eins zu verletzen. Aber auf der Bühne
merkst du schnell: Das war kein Tabu
mehr, jedenfalls nicht für die anderen.
Bully: Das ist alles eine Bauchsache.
Otto: Du willst dich wohlfühlen mit dem,
was du erzählst. Sonst wirst du irgendwann
unglaubwürdig.
Otto: Ich kann nur über die sprechen, die
zu mir kommen. Da sitzen dann drei Generationen,
unterschiedliche Bildungsgänge,
unterschiedliche Einkommensklassen,
unterschiedliche Haarfarben -
und alle freuen sich über dieselben
Scherze. Die Deutschen sind
heute vergnügungssüchtiger.
Bully: Im Ausland ist das noch
nicht ganz angekommen. Wenn
du zum Beispiel in Amerika erzählst,
du bist in Deutschland
Komiker ...
Otto: ... gucken sie dich schräg
an ...
Bully: ... und sagen: Oh, wirklich?
Aber es spricht sich langsam
rum, dass es hier komische
Filme gibt, die sogar erfolgreicher
sind als amerikanische Komödien.
Otto: Mich fragten die Amerikaner
immer: Oh, you come from
Germany? The free part? Do you
have television over there?
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 43/2007