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26. März 2008, 16:39 Uhr

Ein Präsident im Schatten seiner Gattin

Hofknicks, hochgeschlossenes Kostüm und schüchternes Lächeln: Beim Besuch der britischen Queen gab sich Carla Bruni-Sarkozy denkbar zurückhaltend. Über die jüngst aufgetauchten Aktfotos der Präsidentengattin sprach trotzdem das ganze Land.

Nicht ganz auf Augenhöhe: Carla Bruni-Sarkozy und Königin Elisabeth II.© Kieran Doherty/Reuters

Unter einem "Staatsakt" mag sich Carla Sarkozy etwas anderes vorgestellt haben. Zu ihrem ersten Auslandsbesuch als Frankreichs First Lady wurde sie am Mittwoch von Londoner Zeitungen mit einem Nacktfoto von sich selbst begrüßt. Kein Boulevardblatt verzichtete auf das 15 Jahre alte Aktfoto aus ihren Model-Zeiten. Die Londoner Gespräche von Staatspräsident Nicolas Sarkozy über die Kreditkrise, die EU oder Afghanistan mögen ja wichtig sein, schrieb selbst die seriöse Zeitung "Daily Telegraph", die verschämt nur den Kopf des ansonsten allgegenwärtigen Aktes druckte. Jedoch "wendet sich die Aufmerksamkeit ganz Miss Bruni zu", wie Madame Sarkozy von den Briten immer noch ein wenig spitz genannt wird.

So war es wohl kein Wunder, dass sich beim Empfang des hohen Besuchs aus Paris durch Thronfolger Prinz Charles und seine Gattin Camilla, die Herzogin von Cornwall, auf dem Flughafen Heathrow alle Augen auf die Frau an der Seite des Präsidenten richteten. "Seit Hollywoods Grace Kelly Fürst Rainier von Monaco heiratete, hat die Welt keiner Frau in der frankophonen Szene mehr eine derartig hohe Aufmerksamkeit gewidmet", kommentierte die Zeitung "Daily Mail" und fügte hinzu: "Allerdings war Grace Kelly eine Märchenprinzessin, während Carla Bruni etwas hat, das man 'eine Vergangenheit' nennt."

Dass zur Vergangenheit der gebürtigen Italienerin, die nun mit dem französischen Staatspräsidenten auf Schloss Windsor die Ehrengästesuite bezog, auch die britischen Rockstars Mick Jagger und Eric Clapton gehörten, riefen Londoner Zeitungen mit unverhohlener Ironie in Erinnerung. Doch wie wenig sie damit in Verbindung gebracht werden will, schien Carla Sarkozy vom ersten Moment des Besuchs an deutlich zu machen: Dem Air-France-Airbus in Heathrow entstieg sie in einem hochgeschlossenen grauen Mantelkleid mit einem gleichfarbenen Käppi auf den brünetten Haaren - ähnlich jenem, das Jacqueline Kennedy einst trug: elegant und doch sehr zurückhaltend.

Carla Bruni-Sarkozy spricht fließend Englisch - nicht so ihr Mann

Im Vergleich dazu wirkte das Outfit der Queen - darunter ein altrosafarbener Mantel, ein mit Federn geschmückten Hut und eine dreireihige Perlenkette - beim Empfang der Staatsgäste vor den Toren ihrer Residenz Windsor fast so farbenfroh wie die rotgoldenen Uniformen der Ehrengarde. Die erste Gelegenheit zu einem Gespräch mit Madame Sarkozy, 40, bekam Prinz Philip, der Gatte der Queen, der mit 86 Jahren noch immer zu den charmantesten Männern des Königreichs gehört.

Dass die beiden englisch miteinander sprachen, gilt als sicher, denn die Frau des französischen Präsidenten kann fließend in der Sprache des nördlichen Nachbarn parlieren. Demgegenüber musste Nicolas Sarkozy seinen Englischwortschatz erst noch aufbessern. Für die 81-jährige Königin war die Konversation mit dem 53-jährigen Franzosen zumindest sprachlich völlig problemlos. Sie hatte schon Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac bei dessen erstem Staatsbesuch vor zwölf Jahren mit ihrem makellosen Französisch beeindruckt.

Am Anfang ihres Besuches im britischen Inselkönigreich wirkten Sarkozy und seine Gattin durchaus etwas nervös. Daheim in Frankreich mochte man einst "die royale Familie mit Hilfe der Guillotine abgeschafft" haben, merkte die "Times" an. "Dennoch hat sich Frankreich eine andauernde Begeisterung für die unsrige bewahrt."

Mit dem Besuch bei der Queen will Sarkozy sein Image aufpolieren

Besonders wichtig war daher nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Dominique Moisi vom Institut für Internationale Beziehungen in Paris die Wirkung des Sarkozy-Besuchs auf das Publikum in Frankreich. Vor allem dort wolle der Präsident sein in letzter Zeit durch die öffentliche Zurschaustellung seines Privatlebens angeschlagenes Image aufpolieren. "Er muss nun zeigen, dass er das würdevolle Symbol der Macht Frankreichs ist, so wie die Queen das Symbol der britischen ist."

Dabei kam das alte Nackt-Bild der Präsidentengattin eher ungelegen. Ein Rätsel blieb, warum das Bild ausgerechnet einen Tag vor der Ankunft der Sarkozys durch das Auktionshaus Christie's, das das Foto versteigern will, an die Medien ging. Immerhin ist doch Christie's-Geschäftsführer Viscount David Linley ein Mitglied der königlichen Familie und ein Neffe Ihrer Majestät.

Über den aufgetauchten Akt von Carla Bruni-Sarkozy äußerte sich jetzt auch der Fotograf, Michel Comte, in einem Interview mit der Zeitung "Le Matin". "Ich weiß nicht, wie das Foto an die Auktion gelangt ist", sagte der weltbekannte Modefotograf dem Blatt weiter und erklärte, dass er von Bruni noch viel eindeutigere Bilder besitze. Aus Prinzip verkaufe er aber keine Fotografien von berühmtem Menschen. Comte vermutet, dass er die aus dem Jahr 1993 stammende Aufnahme von Bruni an jemanden verschenkt hat. "Wenn ich mich richtig erinnere, entstand die Aufnahme am Schluss eines Shootings für die italienische Vogue in Paris oder New York", sagte Comte. Er habe mit dem damaligen Topmodel Bruni sechs Jahre lang zusammengearbeitet und Tausende von Bildern gemacht. Als "ein wenig tief" beurteilte Comte den Preis von umgerechnet gut 2500 Euro, mit dem das Bruni-Bild am 10. April bei der Auktion startet.

Thomas Burmeister, Annette Reuther/DPA; AP
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Nuvla (27.03.2008, 07:20 Uhr)
Wenn es "nichts Ehrenrühriges" war,
was Madame Sarkozy in der Vergangenheit "gemacht hat", dann ist es gewiss auch nichts Ehrenrühriges, jetzt darüber zu schreiben oder zu witzeln.
Dewerth (26.03.2008, 19:45 Uhr)
Etwas mehr Respekt bitte...
...gegenüber Frau Bruni. Wenn der Stern schreibt, „Unter einem "Staatsakt" mag sich Carla Sarkozy etwas anderes vorgestellt haben.", geht das für mich unter die Gürtellinie. Frau Bruni ist die Gattin des Staatspräsidenten unseres Nachbarlandes. Wir sollten uns hämische Kommentare verkneifen. Irgendwann ist das nicht mehr lustig, wenn der gleiche Witz zum hundertsten Mal erzählt wird. Was Frau Bruni in der Vergangenheit gemacht hat, ist nichts Ehrenrühriges. Und mit wem sie ins Bett gegangen ist, ist ihre eigenen Sache und interessiert wohl mehr die geifernden Journalisten als die Öffentlichkeit. Kehrt mal wieder zum Journalismus zurück, Stern, das habt ihr bitter nötig!
Elenaor (26.03.2008, 17:50 Uhr)
Bildergallerie
Carla Bruni, hier auf Foto-Aufnahmen aus den 90er Jahren, soll angeblich mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy liiert sein
Es wäre vielleicht mal Zeit die Bildergallerie etwas zu aktualisieren?
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