Als Kind musste sie sich die Regeln fürs Leben selbst aufstellen. So ist aus ihr eine begnadete Autodidaktin geworden: Als Schauspielerin, Musikproduzentin, Event-Managerin.

Cosma Hagen: »Ich bin eher ein ruhiger Typ. Aber eben kein kleines Püppchen.«© York Christoph Riccius
Die meisten Menschen werden ja nur einmal geboren. Muss es dann ausgerechnet als Tochter von Nina Hagen sein? Wäre so eine Kindheit essbar, würde sie vermutlich wie Schokolade mit Chilischoten schmecken oder wie Currywurst in Kokosmilch. Nach irgendeiner bittersüßen Mischung jedenfalls.
Als Tochter von Nina Hagen kriegt man gleich mal einen Namen wie Cosma Shiva, dazu die Verkündigung, man sei der »neue Messias« und sehe aus »wie von einem anderen Planeten«. Hört später als Sechsjährige, dass Kinder vom Benehmenbeibringen Blutkrebs kriegen. Schläft auch mal neben den Riesenlautsprechern auf Mamas Konzertbühne. Sieht Penis- und Arsch-Graffiti an den Wänden zu Hause, daneben Buddha-Bildchen, darunter Matratzenlager. Und dazwischen Iroquois, den damaligen Liebhaber der Mutter und nur elf Jahre älter als das Kind Cosma, ausdauernd Bier saufen, pupsen, rülpsen und fernglotzen. Kann nachlesen, dass der eigene Vater laut Mutter bloß »Samensieger« war, ein Musiker und Junkie, ein »ganz schwacher Mensch, der wie ein Zombie dahinvegetiert« und 1988 an Aids stirbt. Macht Kurzvisiten in 14, 15 oder mehr Schulen in halb so vielen Jahren, dafür in einem halben Dutzend Ländern, in Paris, London, Amsterdam, Los Angeles, auf Ibiza und Jamaika - wenn man nicht gerade mit Mama und ihrer Punk-Band auf Tour ist. Ein Leben im Stakkato.