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Das Katastrophengespräch mit James Franco

Die Teenies, die Kunstszene, die Filmkritiker. Alle himmeln James Franco an. Auch ich. Dann traf ich ihn persönlich.

Von Katharina Link

  James Franco bei der Pressekonferenz von "Every Thing Will be Fine" auf der Berlinale

James Franco bei der Pressekonferenz von "Every Thing Will be Fine" auf der Berlinale

Berlin vergöttert dich, James Franco. Die Berlinale ist ein James-Franco-Film-Fest. Du bist präsenter denn je. Mit 36 Jahren umfasst dein Repertoire bereits mehr als 100 Filme. Das erste Mal bist du mir aufgefallen an der Seite von Sean Penn in "Milk". Doch einer deiner jüngsten Filme: The Interview ist übersät von flachen Witzen und einfachem Penis-Furz-Humor. Ist das dein Ernst? Du wirkst wie ein Vollidiot.

Ich weiß, du siehst dich gern in der Rolle des Alleskönners. Schaffst locker den Spagat zwischen "King of Selfies" und intellektueller Poet, der die renommierte University of Columbia mit einem Master of Fine Arts abschloss. Doch wie funktioniert dieses Phänomen? Blickt dir vielleicht einfach nur niemand genauer hinter die Fassade?

Ich hätte mir diese Frage wohl bis an mein Lebensende gestellt und niemals eine Antwort darauf bekommen. Schließlich kann man sich über niemanden eine Meinung bilden, den man nie getroffen hat, oder? Also musste ich genau das tun: dich treffen.

Verstörende Kunst

Anlässlich der Berlinale haben dein Freund Klaus Biesenbach und du eine Party in dem von Biesenbach gegründeten Ausstellungsort Kunst-Werke gegeben, einer früheren Margarine-Fabrik. Durch einen Zufall ergatterte ich eine der begehrten Einladungen. Der Moment würde also kommen, ich treffe dich.

Eine Frage stellt sich als erstes: Was zum Geier soll ich bloß anziehen? Als ich mich sonntags in einem schwarzen Lederrock und enganliegendem, schwarzen Top auf den Weg mache, fange ich an zu zweifeln. Wird dich das überzeugen? Egal, es gibt für mich nur eine Mission. Ich will ein Selfie mit dir. Für mich natürlich, hauptsächlich aber auch, um es allen ins Gesicht zu drücken. Kaum betrete ich die Hallen, rückt dieses Ziel in weite Ferne. Seit Langem habe ich mich nicht mehr so unwohl gefühlt. Was hast du nur für Leute eingeladen. Der wilde Mix aus Berlins Kunstkennern, It-Girls, "Tatort"-Schauspielern und gebotoxten C-Promis ist so ziemlich das Gegenteil von dem Publikum, das mich normalerweise umgibt. Andächtig betrachten alle eine Video-Installation, die auf mich eher verstörend wirkt.

Cooles Geschlender

Ich nehme mir mein drittes Glas Champagner und suche unauffällig den Raum nach dir ab. Möglichst cool schlendere ich umher, und auf einmal stehst du da. Wäre dies ein Film, würdest du von einem Scheinwerfer angestrahlt werden. James - höchstpersönlich - Franco. Ich gehe auf dich zu, mein Gehirn blockiert, und damit meine Beine ebenfalls. Mission abbrechen, Mission abbrechen.

Doch meine Kollegin Sophie taucht neben mir auf, nimmt mich am Arm und zieht mich zu dir rüber. Auch nicht die feine Art, dich im Gespräch zu unterbrechen, vor allem wenn es sich bei deinem Gesprächspartner, wie uns erst jetzt auffällt, um Wim Wenders handelt. Scheiß drauf, jetzt durchziehen. Sophie fragt dich: "Entschuldigung, kann meine Freundin ein Foto mit dir machen? Sie ist etwas schüchtern". Ich fühle mich zurückversetzt in die fünfte Klasse. Du legst deine Hand tröstend auf meinen Arm und schüttelst mit dem Kopf. "Nein, tut mir leid. Dann wollen hier alle ein Foto."

Allseitige Verwirrung

Ich erstarre. Ich kann mich immer noch retten, geh rückwärts, lauf weg, kriech weg, egal, mach was. Mission abbrechen, Mission abbrechen. Ich ignoriere die Stimme in meinem Kopf. "Hi James Franco. Aha, du bist James Franco. Wow. Ich bin Katharina, ich bin nicht berühmt." Na, das Vorstellen hat ja schon mal super geklappt. Irritiert siehst du mich an und fragst: "Was machst du?". "Ich studiere Literatur an der Uni in Berlin". "Was studierst du?". "Ähm Literatur". Willst du mich verarschen? Jetzt gucke ich irritiert. "So where is your school?", fragst du. Ich verstehe nur cool und antworte superlässig, "Yeah, it's cool". Was? Was war deine Frage? Verwirrung breitet sich aus. Die Frage nach meiner "Schule" lässt dir wohl keine Ruhe, wieso bist du so auf meine Schule fixiert? Was glaubst du, wie alt ich bin? Mir fällt der Skandal mit der 17-Jährigen ein, die du über Instagram zu einem Date überreden wolltest. Du guckst mich nur an und streichelst meinen Arm.

Puh, das nimmt hier aber eine ganz komische Wendung. Ich muss das Gespräch auf etwas anderes lenken. "Ich mache gerade ein Praktikum bei einem Magazin in Berlin." "Und über was schreibst du?" "Meistens über Politik". "Welche Politik?". "Weißt du was Pegida ist?" Du schüttelst den Kopf. Wie zur Hölle komme ich auf den Trichter, mit James Franco über Pegida zu sprechen? Mission abbrechen, Mission abbrechen.

Störende Brüste

Bevor ich etwas sagen kann, schiebt sich eine etwa 1,80 Meter große Frau mit prallen Lippen und riesigen Brüsten zwischen uns. Sie schaut mich angewidert an und drückt ein "Excuuuuuuuse, me" hervor. Dann wendet sie sich zu dir: "James, ich werde jetzt gehen". Und dann hast du dich zu ihr gedreht. Und ich war abgeschrieben. Der Blick zu Sophie verriet mir, dass sie gerade ein ähnlich skurriles Gespräch mit Wim Wenders führte. Um der unangenehmen Situation zu entgehen, verließen wir die Party auf der Stelle.

Am nächsten Tag ein Bild von dir, Biesenbach und Courtney Love auf Instagram mit dem Titel: "Epic night in Berlin".

Epische Nächte

Epic Night? Tatsächlich Franco? Epic Night? Auf dem Weg zur Arbeit denke ich über unsere Begegnung nach. Ich hab tatsächlich mit James Franco gesprochen, aber deine Worte ließen mich völlig kalt. Ich war desillusioniert und enttäuscht. Aber was hatte ich erwartet? Du wirst von deiner Umwelt - oder von dir selbst? - zu diesem intellektuellen Alleskönner gemacht. Bist du wirklich ein so begnadeter Schauspieler wie die Kritiker dich feiern? Ist deine Poesie überhaupt lesenswert? Oder wünscht man sich, dass du alles kannst? Um das Bild, das man von dir hat, zu erhalten. Jeder träumt doch von Mr. Perfect. Ich für meinen Teil habe dich durchschaut Franco. Wenn du mir das Gegenteil beweisen willst, melde dich gern und wir führen unser Gespräch fort.

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