Es war einmal eine Prinzessin

30. August 2007, 16:19 Uhr

Ihr Todestag jährt sich zum zehnten Mal. Das Vermächtnis Lady Dianas: zwei Söhne, ein paar abgelegte Liebhaber und so manche komische Geschichte. Eine Reise zu Männern, die ihr einst ziemlich nahe kamen. Von Ulrike von Bülow und Cornelia Fuchs

Prinzessin Diana - am 31. August jährt sich ihr Todestag zum zehnten Mal©

Der alte Mann aus Ägypten wäre so gern der Schwiegervater der Prinzessin von Wales geworden. Er wurde es nicht, die Prinzessin ist tot, und der alte Ägypter sagt, der Mörder sei jener Mann, der tatsächlich Dianas Schwiegervater war. Mohamed al-Fayed kommt für fünf Minuten ins Zimmer, er trägt einen blauen Anzug mit einer Menge großer Karos, er sagt, er habe nicht viel Zeit, er sei sehr, sehr busy. Und dann sagt er dies: "Der Typ, der den Mord in Auftrag gegeben hat, ist Prinz Philip. Er wuchs übrigens mit einem Nazi auf, seine Tante war mit einem General Hitlers verheiratet."

Es lässt sich anders nicht sagen: Es ist eine bizarre Begegnung an einem bizarren Ort, und bizarr war schon der Weg hierher. Aus Tür Nummer zehn, einem Seiteneingang von Harrods in Knightsbridge, London, trat der Pressesprecher Michael Mann, rieb sich die Hände und geleitete hinein, durch die glitzernde Juwelenabteilung zum Lift, hoch in die zweite Etage, durch den muffeligen Raum mit Orientteppichen zur ägyptischen Rolltreppe, die umgeben ist von Marmor und Pharaobüsten und Säulen aus Sandstein. Hier wolle Mr al-Fayed fotografiert werden, sagte Mr Mann. Es fiel der Satz: "What the Chairman wants, the Chairman gets." Bei Harrods ist nicht der Kunde König, sondern ein Herr, der in England etwa so beliebt ist wie die Türkei in der EU.

Zur Königin der Herzen stilisiert und posthum zur Heiligen erklärt

Mohamed al-Fayed soll sein Vermögen mit Waffengeschäften angehäuft haben. Er hätte so gern die britische Staatsbürgerschaft gehabt, doch er wird hier nur geduldet. Dafür kaufte er sich diesen urbritischen Luxusladen und machte daraus eine Shoppinggruft. Unten gibt es eine Bronzestatue von Diana, der Prinzessin von Wales, und Dodi, dem Kronprinzen der al-Fayeds. Hand in Hand lassen sie einen Albatros fliegen. Die Statue heißt "Innocent Victims", unschuldige Opfer, auf der Gedenktafel steht: "Killed on the 31 August 1997". Zehn Jahre ist es her, dass die weltberühmteste Frau an Dodis Seite in Paris ums Leben kam. Nachdem die beiden Mohamed al-Fayeds Hotel verlassen hatten, das Ritz in Paris, und in seinem Mercedes von seinem angetrunkenen Sicherheitsmann durch die Stadt gefahren worden waren. Zu schnell, viel zu schnell.

Der Verschwörungstheoretiker: Mohamed al-Fayed erzählt bis heute, Diana und sein Sohn Dodi seien ermordet worden©

Jeder, der damals nicht hinter dem Mond lebte, wird sich daran erinnern, welch globale Hysterie Lady Dianas Tod auslöste. Sie hatte sich zur Königin der Herzen stilisiert und wurde posthum zur Heiligen erklärt; zweieinhalb Milliarden Menschen sahen zu, als die Prinzen William und Harry dem Sarg ihrer Mutter folgten, herzzerreißend. Man dachte, es sei das, was die Ermordung John F. Kennedys einst für unsere Eltern gewesen war - dieses kollektive Erlebnis, von dem wir unseren Kindern erzählen werden. Doch dann kamen der 11. September, Kriege, Ereignisse, die wichtiger waren als Dianas Leben und Sterben. Und so wird nun mit TV-Dokumentationen und einem Gottesdienst an eine Frau erinnert, die eher ins Boulevard-Lexikon gehört als in die Geschichtsbücher. Sucht man heute nach ihrem Vermächtnis, wird rasch klar: Sie hinterließ zwei Söhne, ein paar seltsame einstige Liebhaber und so manche komische Geschichte.

"Ihr letzter Sommer war eine Katastrophe"

Der "Princess of Wales Memorial Fund" aber, der ihr karitatives Schaffen am Leben halten wollte, soll begraben werden; 30 Millionen wohltätige Euro gingen im Copyright- Prozess gegen eine US-Firma verloren, die Diana-Püppchen herstellte. Kein großes Krankenhaus, kein Stipendium trägt ihren Namen, nur ein Gedenkbrunnen im Hyde Park, an dem Warnschilder stehen, wegen der Algen - Ausrutschgefahr! Schon ihr Tod war ja so gar nicht standesgemäß; die Mutter des künftigen Königs von Großbritannien starb neben dem Sohn eines ägyptischen Möchtegern-Pharaos, der sie bis heute in trashiges Licht rückt. "Ihr letzter Sommer war eine Katastrophe", sagt Lady Colin Campbell, Autorin des Buches "The Real Diana", beim Tee in London. "Sie lief Gefahr, eine Art royale grafieren", dann sagt er: "Kommen Sie in zehn Minuten in mein Büro", und Katharine guckt so vergnügt wie Zinédine Zidane vor dem finalen Kopfstoß.

Und so sitzt man nun in diesem Zimmer, an der Wand ein altes Foto von Diana, die mit William, noch klein, in einer Loge steht, dahinter der junge Dodi, der sie selig angrinst. Und der alte al-Fayed redet von Prinz Philip, den er für Dianas und Dodis Mörder hält. Er sagt: "Ein Rassist - mein Sohn, Ägypter, dunkle Haut, wäre der Stiefvater des künftigen Königs gewesen, und das ist ... Schreiben Sie über Prinz Philip, ein schlimmer Mann." Katharine kommt ins Zimmer, Harrods- Tüten in der Hand, und sagt: "Danke fürs Kommen!" Eines noch, Mr al-Fayed, Diana und Dodi ... Er unterbricht: "Sie haben sich verliebt. Sie hat unter dieser verdammten Familie gelitten. Charles hat sie als Brutkasten benutzt und war die ganze Zeit mit diesem Dracula zusammen, der aussieht wie ein Krokodil ohne Zähne."

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 35/2007

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KOMMENTARE (3 von 3)
 
hmpff (31.08.2007, 10:11 Uhr)
Was'n das für'n Satz???
>>ihr letzter Sommer war eine Katastrophe", sagt Lady Colin Campbell, Autorin des Buches "The Real Diana", beim Tee in London. "Sie lief Gefahr, eine Art royale grafieren", dann sagt er: "Kommen Sie in zehn Minuten in mein Büro", und Katharine guckt so vergnügt wie Zinédine Zidane vor dem finalen Kopfstoß.
Anemone (31.08.2007, 09:40 Uhr)
Es WAR einmal
Richtig: "Es WAR einmal eine Prinzessin". Ihren Söhnen zuliebe wird dieser Gedenk-Gottesdienst abgehalten. GOTTES-Dienst! GOTT sei Ehre. Nicht den Fans!
Falsch: "Camilla kneift vor Diana-Gottesdienst". Totaler Unsinn!
Camilla braucht keinen "Gedenk"-Gottesdienst! Gut, daß sie ehrlich und mutig ist.
Dav32 (30.08.2007, 21:27 Uhr)
Bitte kaufen sie sich das Comic
... eine kleine Kostprobe bekam man ja heute schon von "Bild"