Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Marilyn Monroe - Die "blonde Venus"

Das Gerücht hält sich hartnäckig, dass sich zwischen der Hollywood-Aphrodite, J.J.K, dem 35. Präsidenten der USA und dessen Bruder und Justizminister eine Affäre voller sexueller Besessenheit abspielte.

Niemand hat Marilyn Monroe derart nüchtern und detailliert beschrieben, wie Thomas Noguchi. "Die Organe sind in normaler Position und Beziehung zueinander", notierte er. Der Körper sei 166 Zentimeter lang und wiege 53 Kilogramm. Das Gewicht ihres Herzens gab er mit 300 Gramm an, das ihres Gehirns mit 1440. An keinem Körperteil und keinem inneren Organ konnte der Pathologe eine "nennenswerte Schädigung" entdecken. Im Magen und im Blut fand er allerdings die Reste von Barbitursäure, Grundstoff vieler Schlaf- und Narkosemittel.

Damit trug der ärztliche Leichenbeschauer von Kalifornien vor 40 Jahren zwar zur wissenschaftlichen Klärung der Ursache des Todes von Marilyn Monroe bei. Doch die Frage "Freitod oder Mord?" konnte Noguchi nicht beantworten. Gerade deshalb ist sein Autopsiebericht, der heutzutage auf Fan-Webpages abrufbar ist, fester Bestandteil eines fast beispiellosen Kults, der in diesem Jahr höchstens noch durch den Rummel um den 25. Todestag von Elvis Presley am 16. August übertroffen wird.

Pilgerfahrt zum Friedhof

In Scharen ziehen wieder Anbeter zu dem kleinen Friedhof im Westwood Village Memorial Park bei Los Angeles, um Blumen vor der schlichten Grabkammer mit der Aufschrift "Marilyn Monroe 1926-1962" niederzulegen. Radiostationen in aller Welt spielen wieder Elton Johns und Pete Seegers Monroe-Balladen. Fernsehsender nehmen einmal mehr "Manche mögen’s heiß" oder "Blondinen bevorzugt" ins Programm. Zweifellos verkörpert Monroes Leben - die moderne Geschichte vom Aschenputtel, das zum Hollywoodstar und Idol der Männerwelt wird - eine Variante des amerikanischen Traums. Doch obendrein halten die offenen Fragen um ihren geheimnisumwitterten Tod den Mythos Marilyn am Leben.

In ungezählten Chatrooms, Talkshows, Artikeln und rechtzeitig wieder aufgelegten Büchern wird vier Jahrzehnte nach dem Tod der "blonden Venus", der "amerikanischen Göttin der Liebe", wie die Schriftstellerin Joyce Carol Oates sie nannte, wieder einmal diskutiert, ob die Monroe nicht Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Dafür werden die drei prominentesten amerikanischen Toten der 60er Jahre wieder für kurze Zeit zu neuem Leben erweckt.

Einsamer Tod der Göttin

Die Schauspielerin war als erste gestorben, in der Nacht zum 5. August 1962, im Schlafzimmer ihrer Wohnung in Brentwood, unweit von Hollywood. Keine 16 Monate später war John F. Kennedy in Dallas einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Und im Frühsommer 1968 hatte ein Attentäter Robert F. Kennedy erschossen - ausgerechnet im Hotel "Ambassador" in Los Angeles, wo die Monroe, als sie 20 war und noch Norma Jean Baker hieß, ihr Debüt als Mannequin für Bademode hatte.

Dass sich einst zwischen diesen drei charismatischen Gestalten des freien Westens - der Hollywood-Aphrodite, dem 35. Präsidenten der USA und dessen Bruder und Justizminister - eine Affäre voller sexueller Besessenheit abspielte, wird immer wieder kolportiert. Auch Oates schlachtet in ihrem vor zwei Jahren erschienen Wälzer "Blond" die angebliche Dreiecksbeziehung bis hin zu frei erfundenen Peinlichkeiten aus. In einer Szene muss die "blonde Darstellerin" den Präsidenten oral bedienen, während der am Telefon Anweisungen zum Vorgehen gegen Fidel Castro gibt. Anschließend fällt Bruder Robert über sie her.

Mord wegen der "Kennedy Boys"

1986 hatte die BBC in einer Aufsehen erregenden Dokumentation die These nahe gelegt, Amerikas Schönheitsgöttin könnte kurz nach einem Abschiedsbesuch Roberts umgebracht worden sein, weil sie das Ende der Affäre mit den "Kennedy Boys" nicht habe stillschweigend hinnehmen wollen. Kurz vor dem 30. Todestag veröffentlichten die beiden amerikanischen Journalisten Peter Brown und Patte Barham mit ihrem Buch "Marilyn - Das Ende wie es wirklich war" neue Indizien für eine Verwicklung der Kennedys und für Vertuschungsversuche des Geheimdienstes CIA.

Nach einer anderen Version soll gar die Mafia für den Tod Monroes verantwortlich gewesen sein. Sie habe den Star umgebracht und Spuren in Richtung der Kennedy-Brüder gelegt, um deren Vorgehen gegen das organisierte Verbrechen zu blockieren. Versuche von Ermittlungsbeamten, den Fall neu aufzurollen, wurden 1981, 1985 und 1992 von Gerichten mit der Begründung unterbunden, es gebe keine ernsthaften Zweifel an einem Selbstmord.

Zu jenen, die nicht an Verschwörungstheorien glauben, gehört auch der Dramatiker Arthur Miller, Monroes dritter und letzter Ehemann. Er beschrieb die gefeierte Diva in seiner Autobiografie als verunsicherte, von Zweifeln an ihren schauspielerischen Fähigkeiten geplagte Frau. Monroe selbst hatte mehrfach beklagt, dass die Filmindustrie sie auf die Rolle des erotischen Dummchens festgelegt und ihr ernste Rollen verweigert habe. Hollywood sei "ein Ort, wo sie dir 1000 Dollar für einen Kuss geben, aber nur 50 Cents für deine Augen."

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools