Niemand verkörperte den Traum von Freiheit und Erfolg mit so viel Charme wie die Kennedys. Erstmals ist nun die weltgrößte Privatsammlung von Fotos und persönlichen Gegenständen des Clans in Berlin zu sehen.

Die Ausstellung zeigt bisher unbekannte Bilder von John F. und Jackie Kennedy wie hier beim Bummel durch Boston, 1954© Orlando Suero
Die Hermès-Tasche aus schwarzem Krokoleder trug John F. Kennedy immer bei sich, auch am 22. November 1963, als er in Dallas erschossen wurde. Danach war die Tasche jahrzehntelang verschwunden und tauchte erst im März 1998 bei einer Auktion in New York wieder auf. Ihr Wert war unschätzbar, sodass im Katalog kein Preis genannt wurde. Kennedys Kinder John F. junior und Caroline schlugen Alarm; sie wollten das geschichtsträchtige Stück, an dem ihr Vater besonders hing und in dem er auch an seinem letzten Tag alle wichtigen Dokumente trug, unbedingt haben. Doch es wurde für 700.000 Dollar versteigert und hat seither versteckt in einem Tresor gelegen.
Nun ist die elegante, ein Mal reparierte Aktentasche erstmals öffentlich zu sehen - in Berlin. Kennedy hatte sie Anfang der fünfziger Jahre in England gekauft, sie ist an den Ecken leicht angestoßen, kurzum: ein Schatz. Die spektakuläre Ausstellung "The Kennedys", die ab 19. Juni in den Räumen der Fotogalerie Camerawork gezeigt wird, präsentiert neben der Tasche noch andere, nie zuvor gezeigte Objekte aus dem Besitz des Clans, dazu rund 600 ebenfalls kaum bekannte Fotos. Weshalb die Kennedy-Memorabilien zuerst in Deutschland und nicht in den USA zu sehen sind, ist eine lange Geschichte, über die der Aufsichtsratsvorsitzende der Camerawork AG, Clemens J. Vedder, gern schweigt - ganz nach Jackies Motto: "Lass die Leute rätseln, dann vergessen sie dich nie."
Einige der Exponate gehören Camerawork, der einzigen Aktiengesellschaft der Welt, die mit Fotografien handelt. Andere sind im Besitz eines unbekannten Sammlers, der seit 30 Jahren Kennedy-Stücke kauft und sich hinter einer Liechtensteiner Vermögensgesellschaft verbirgt. Ihm gehört auch eine überaus wertvolle, gebundene Kopie der Ansprache, die Kennedy bei seinem Amtsantritt im Januar 1961 hielt: "Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für euer Land tun könnt."
Zu sehen sind die Kreditkarte "Carte Blanche" und der mit grünem Samt ausgeschlagene Lederkoffer, mit dem Kennedy reiste, der Füller vom White-House-Schreibtisch und eine jener seidenen Bergdorf-Goodman-Krawatten, die JFK so liebte. Ein besonderes Stück ist der gefütterte Pillbox-Hut aus schwarzem, persischem Lammfell, den Jackie erstmals beim Deutschlandbesuch trug. Der Hut machte Anfang der sechziger Jahre Modegeschichte, Hunderttausende von Frauen in aller Welt liefen fortan in Persianerkappen mit einer Beule herum.
Die meisten Objekte der Berliner Ausstellung kamen bei der umstrittenen Versteigerung des New Yorker Auktionshauses Guernsey's im März 1998 unter den Hammer. Damals versuchten die Anwälte der Kennedy-Kinder, den Verkauf zu blockieren, weil sie unterstellten, viele der Sachen seien von Kennedys langjähriger Sekretärin Evelyn Lincoln gestohlen worden. Sie habe das "Vertrauensverhältnis gebrochen" und nicht das Recht, "diese Gegenstände zu verkaufen". Doch so war es wohl nicht. Vieles waren Geschenke an die enge Vertraute, die mehr über den Präsidenten wusste als die meisten seiner hochrangigen Mitarbeiter. Andere Objekte hatte sie nach seinem Tod gerettet, weil niemand sich dafür interessierte.
Bis zu ihrem Tod im Jahr 1995 hortete Evelyn Lincoln alle Andenken zu Hause, ihren Nachlass vermachte sie, zum Kummer der Kennedys, Robert L. White aus Maryland, einem besessenen Sammler von Kennedy-Memorabilien. Kurz vor der Auktion einigte sich die KennedyFamilie mit White, er gab den kleinen Mahagoni-Tisch, an dem Kennedy wichtige Dokumente zu unterzeichnen pflegte, dem Nationalarchiv. Er war wegen Kennedys Rückenschmerzen sechs Zentimeter niedriger als der wuchtige OvalOffice-Schreibtisch. Außerdem bekam der Clan diverse Dokumente zurück. Der Großteil der Sammlung aber wurde versteigert. Üblicherweise verschwinden solche Trophäen in Tresoren, bleiben unsichtbar bis zur nächsten Auktion (und Wertsteigerung). Und verschwinden danach wieder. Umso bemerkenswerter ist die Ausstellung in der Berliner Galerie, wo nun auch einige gebundene Memoranden Kennedys zu sehen sind, darunter auch jenes berühmte von JFK an den damaligen CIA-Direktor McCone, in dem er während der Kubakrise wissen will: "Gibt es irgendetwas, was wir tun könnten, um die Vergeltungsschläge von Castro einzugrenzen?"