Schauspieler Uwe Ochsenknecht und seine Frau Natascha haben ihre Söhne Jimi Blue und Wilson Gonzales zu Teenie-Idolen erzogen. Aber reichen große Posen und lockere Sprüche, um aus Kinderstars echte Kerle zu machen? Von Tobias Schmitz

Der Schauspieler Uwe Ochsenknecht (2.v.l.), seine Frau Natascha und die Söhne Wilson Gonzales (l.) und Jimi Blue Ochsenknecht© Arno Burgi/dpa
Das mit dem roten Teppich und dem großen Auftritt muss er noch üben. Berlin, Postbahnhof, ein lauer Frühlingsabend. Die Zeitschrift "Bunte" verleiht den "New Faces Award" an junge deutsche Schauspieler. In einer guten Stunde wird Preisträger Jimi Blue Ochsenknecht, 16, Sohn des Schauspielers Uwe Ochsenknecht, das Publikum mit einer bemerkenswerten Dankesrede verblüffen, aber noch steht er draußen vor der Tür und bemüht sich rührend darum, wie ein Star auszusehen.
Immerhin: Er ist mit einer großen Limousine vorgefahren und hat sich gleich nach dem Aussteigen dezent von seiner gelb-blonden, grotesk überschminkten Mutter getrennt, die in Jeans und einer Art silber glänzendem Astronautenblouson nicht so aussah, als beaufsichtige sie nur einen Auftritt ihres minderjährigen Sohnes.
Der steht nun also auf dem roten Teppich und wirkt wie ein scheues Rehkitz, das nachts mitten auf der Landstraße von dem Scheinwerferlicht eines herannahenden Autos geblendet wird. Und stehen bleibt und stehen bleibt und sich einfach nicht bewegt. Jimi Blue muss irgendwo hin mit seinen Händen, muss irgendwie seine schlaksigen Einsachtundachtzig über den roten Teppich bewegen, beschienen von grellem Licht, hin zu den Fans und Autogramme schreiben.
Die Fans sind heute allerdings, an einem Werktag nach 21 Uhr, nur zu zweit. Was wirklich ein bisschen enttäuschend ist für einen jungen Mann, der gerade entdeckt hat, dass ihn Mädchen zwischen 6 und 16 Jahren irre süß finden und bisweilen, wenn sie Jimi Blue in größeren Gruppen begegnen, in verzücktes, fast beatleseskes Kreischen verfallen.
Und offenbar verlieben sich nicht nur Mädchen in die androgynen Züge des 16-Jährigen. Auch ein Rezensent der "Süddeutschen Zeitung" machte sich bereits warme Gedanken: "Seine dunklen, wie von einer natürlichen Mascara betonten Augen werfen einen melancholischen Schmachtblick. Dazu bildet eine schöne Ernsthaftigkeit die Basis seines noch knabenhaften Gesichts, in dem auch exotische und feminine Spuren zu finden sind." Ups, was ist hier passiert? Ungefähr dieses:

Die jungen Ochsenknechts halbnackt nach einer verlorenen Wette bei "Wetten, dass..?"© Star Press
Im Jahre 2001 schreibt der Münchner Autor und Regisseur Joachim Masannek ein charmantes Buch über Jungs und ihre Fußballmannschaft: "Die Wilden Fußballkerle". Aus dem Buch macht er den ersten von später fünf "Wilde-Kerle-Filmen". Beim Casting bewerben sich auch die Söhne von Uwe Ochsenknecht, Jimi Blue, damals zehn, und Wilson Gonzales, damals zwölf. Die Jungs sind so süß und sympathisch wie andere auch, aber sie haben einen unschätzbaren Vorteil: Sie tragen den Namen ihres berühmten Vaters. Masannek gibt zu, dass dieser Name eine entscheidende Bedeutung für die Besetzung des Films hatte: "Dadurch versprachen sich die Produzenten eine bessere Presse."
Plötzlich sind Jimi Blue und Wilson Gonzales Schauspieler - sehr erfolgreiche noch dazu. Die Buch- und Filmfiguren sind ideale Projektionsflächen für Kinder und Jugendliche, sie erleben Freundschaft, Konkurrenz, Wettkampf, später auch Liebe und Begehren. Die Hauptdarsteller und ihr Publikum werden gemeinsam groß. Mit "Wilde Kerle"-Fanartikeln werden Millionen umgesetzt, die Bücher verkauften sich mehr als fünf Millionen Mal. Annähernd neun Millionen Besucher sahen die Ochsenknechts im Kino. Sie erlebten, wie Jimi Blue abwechselnd hübsch-entschlossen die Stirn in Falten legte oder wütend-entschlossen in die Gegend blickte.
Und allein in diesem Jahr wurden schon mehr als 800.000 Menschen Zeuge, wie Jimi Blues Mienenspiel im eigens für ihn geschriebenen Teenie-Film "Sommer" vom Wild-Entschlossenen ins Nachdenklich- Entschlossene kippte. Das reichte immerhin locker, um seinem Bruder, äußerlich eher dem Vater als der Mutter ähnlich, schauspielerisch die Grenzen aufzuzeigen.
Wilson Gonzales nämlich agierte vor der Kamera bisher meist mit der Eleganz und Poesie einer Fertiggarage. Sein bisher bester Auftritt liegt schon 14 Jahre zurück: Bei "Wetten, dass..?" hatte Uwe Ochsenknecht live sein relativ überschaubares Talent als Rockmusiker demonstriert, und Wilson Gonzales, damals vier, war von Thomas Gottschalk nach dem väterlichen Auftritt vor die Kamera geholt worden. "Sag mal, wie die neue LP heißt", wollte Papa Ochsenknecht seinen Sohn werbewirksam vorführen. Der tat das einzig Richtige und streckte ihm die Zunge raus.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 25/2008