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12. Mai 2007, 08:19 Uhr

"Es gibt zwei Bohlen"

Der eine faltet bei "Deutschland sucht den Superstar" die Kandidaten zusammen, der andere kocht seiner Freundin Tee: Dieter Bohlen über Randale und Verantwortung, Frauen um die 40 und sein Vorbild Johannes Heesters.

"Ich bin mit mir im Reinen": Dieter Bohlen, 53, vorige Woche über den Dächern Hamburgs

Herr Bohlen, ist es dieser Tage anstrengend, Dieter Bohlen zu sein?

Nö, mir fällt das leicht. Ich hab erst gestern, da stand ich in meinem Garten, wieder gedacht, wie stolz ich auf das sein kann, was ich mir aus eigener Kraft erschaffen habe. Der Rasen ist so grün, und ich hab einen Magnolienbaum, der blüht jetzt - wie das riiiecht! Ich bin voll mit mir im Reinen.

Außerhalb Ihres Gartens geht’s nicht so nett zu. Fans von Max Buskohl, der bei "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) ausstieg, beschimpfen Sie im Internet. Ihr Mit-Juror Heinz Henn schießt öffentlich gegen Sie. Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, Sie würden bei DSDS wahlweise als "Hampelmann, Pausenclown oder nützlicher Idiot" verwertet. Lässt Sie das kalt?

Ja, völlig. Lob von den falschen Leuten brauche ich nicht. Ich mache nicht alles richtig, aber Kritik nehme ich nur an von Menschen, an deren Urteil mir was liegt.

Wer ist das?

Das sind kompetente Leute aus der Fernseh- oder Musikbranche, Freunde und natürlich meine Freundin oder meine Kinder; die fanden meinen blauen Anzug neulich in der Mottoshow gar nicht gut. Aber wenn man jetzt den Ärger um DSDS sieht, hab ich alles richtig gemacht. Vorher hat jeder gesagt: Was soll das, ’ne vierte Staffel? Guckt doch kein Mensch mehr! Ich habe gesagt: Wir wollen "talk of the town" werden. Und das haben wir ganz gut hingekriegt. Die Castings waren, was die Quoten angeht, die erfolgreichsten, die es je gegeben hat. Gigantomanisch!

Bei den Mottoshows hatten Sie dann weniger Zuschauer. Waren Sie da nicht böse genug?

Als die Mottoshows anfingen, war alles ein bisschen zu nett. Ich muss unterhaltsam sein, das ist meine Aufgabe. Man kann das auf den einfachen Nenner bringen: Je mehr Bohlen in so einer Sendung ist, umso besser ist die Quote. (lacht)

Das heißt, wenn man die Kandidaten wegließe, hätten Sie mega-gigantomanische Quoten, weil mehr Raum für Sie wäre?

Ich brauche natürlich Gegenspieler, an denen ich mich reiben kann.

Sie nehmen die jungen Leute vor einem Millionenpublikum auseinander. Spüren Sie dabei so etwas wie Verantwortung?

Das sieht man ja. Wenn da so ein zitterndes Mädchen vor mir steht, das einen Sprachfehler hat und keinen Ton trifft – die nehme ich doch dann in Schutz. Da pass ich genau auf, wie weit man gehen kann. Aber es gibt halt Leute, die meinen, sie wären Robbie Williams und können nix. Die bekommen dann schon die Wahrheit gesagt.

Bei Max Buskohl war Ihnen, wir zitieren, "scheißegal, was du da singst".

Ich war es, der beim Casting gesagt hat, wir müssen den durchlassen, das ist ein toller Typ, guckt euch den an. Dass Max dann sagt, ich schreib meine Titel selber, ich will mich selber produzieren, ich will mit meiner Band auftreten, ist völlig legitim - nur passt das nicht zu diesem Format. Wir suchen keine Superband, wir suchen einen Superstar. Wir haben Regeln, an die man sich halten muss, sonst kommt das Chaos. Max ist ein kleiner Bohlen. Ich wollte mit 18 auch mit dem Kopf durch die Wand, aber manchmal ist es besser, wenn man schaut, ob nicht 20 Zentimeter daneben ein Fenster ist. Ich hätte mich nicht mit RTL oder einer Schallplattenfirma wie Sony BMG angelegt. Wenn ich Lehrling bin und drei Wochen in der Firma arbeite, kann ich doch nicht zum Chef sagen: Alles, was du machst, ist Käse, wir machen das jetzt so, wie ich will, sonst gehe ich.

Das ist Rock’n ’Roll.

Nee, das ist Wahnsinn.

Wie würde der Juror Bohlen den 18-jährigen Bohlen bewerten?

Ich glaube, wenn ich da gestanden hätte, hätte ich mich nicht weitergelassen. Bei DSDS geht es in erster Linie um die Stimme, und dann guckt man, in welches Genre passt der. Ich hab früher bei Nachwuchswettbewerben immer meine eigenen Nummern gebracht. 1965, 66 war das. Die anderen kamen mit "Hello Mary Lou", aber das war auch die Zeit von Bob Dylan, und da hab ich Protestsongs mit deutschen Texten geschrieben. Ich stand auf der Bühne und hab gesungen: "Viele Bomben fallen, doch keiner ändert was, es nützt kein Krawall, geschehen muss was." Aber das kam nicht so gut an.

Wir haben von einem Ihrer ersten Auftritte gehört, im Gasthaus Krüger in Ekern, das liegt in Ihrer norddeutschen Heimat. Dort trat die lokal bekannte Band Foam auf. Die Sie solange zugebettelt haben, bis Sie für ein Lied mit auf die Bühne durften. Dann wollten Sie nicht mehr runtergehen - und man musste Sie entfernen.

Ganz ehrlich: Ich kann mich nicht erinnern. Aber dass ich, wenn ich auf einer Bühne stand, nicht mehr runterwollte - das traue ich mir zu. Früher gab es ja keine andere Möglichkeit aufzutreten, und ich war noch jung. Mein Aha-Erlebnis kam ein bisschen später, während des Studiums in Göttingen. Ich hab bei Aorta gespielt, das war so eine angejazzte Geschichte, Intellektuellenmusik; wir haben dreimal die Woche geübt, und wenn wir aufgetreten sind, kamen gerade mal 100 Leute. Zur selben Zeit spielte ich aber auch in einer Kapelle namens Da Capo. Wir machten Freitag, Samstag, Sonntag Tanzmusik, da kamen 1000 Leute. Wir haben auf Zuruf Titel aus den Charts gespielt, ich habe Marianne Rosenberg nachgesungen ...

... Sie? In Original-Tonlage?

Ich gehöre zu den wenigen Männern auf diesem Planeten, die in Frauen-Tonlagen singen können. Klang vielleicht nicht so gut, aber die Leute gingen total ab! Ich hab an einem Wochenende 600 Mark verdient und konnte wunderbar davon leben. Das hat mich schon geprägt. Und in Richtung Kommerzialität gebracht.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 19/2007

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