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Das Netz diskutiert über die Grenzen von Satire

Was darf die Satire? Alles, so Kurt Tucholskys Maxime von 1919. Knapp hundert Jahre später wird Dieter Nuhr von einem Muslim angezeigt, weil er in seinem Kabarett-Programm Witze zum Thema Islam macht.

  Dieter Nuhr wurde von einem Muslim als "Hassprediger" angezeigt

Dieter Nuhr wurde von einem Muslim als "Hassprediger" angezeigt

Seine Scherze zum Thema Islam haben Dieter Nuhr Ärger eingebracht: Ein Muslim hat den Kabarettisten angezeigt, wegen "Beschimpfung von Religionsgemeinschaften". Erhat Toka, ein türkischstämmiger Deutscher, wirft Nuhr vor, er betreibe unter dem Deckmantel der Satire "blöde, dumme Hetze".

Damit ist in Deutschland einmal mehr die Diskussion losgetreten worden: Was darf Satire? Wo hört der Spaß auf und wo fangen "Hasspredigten", wie der Kläger Nuhrs Scherze nennt, an?

Im Netz wird diese Frage ausschweifend diskutiert - nicht selten mit Verweis auf die Mohammed-Karikaturen, die eine ähnliche Debatte zur Folge hatten.

"Nuhr Spaß"!

Auf einer Facebook-Seite sammeln Fans Nuhrs und andere Witze zum Thema Islam. So etwa eine Datei, auf der zu lesen ist: "Verboten: 'Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie davon, alles entscheiden zu müssen' - Dieter Nuhr. Erlaubt: 'Tötet die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet' - Koran, 9 Sure".

Initiator Cahit Kaya schreibt im Eingangspost: "Wir alle sind sauer auf Erhat Toka, weil er Dieter Nuhr angezeigt hatte. Aber was viele von uns nicht wissen: Erhat Toka leidet an einer unter Islamisten sehr weit verbreiteten Krankheit: chronische Humorlosigkeit. [...] Deswegen unterstütze die Aktion "Nuhr Spaß mit Erhat Toka!" und spende auch du einen Witz! Hier erreicht ihr ihn, den armen Kerl"
Darunter sind tatsächlich eine E-Mail-Adresse und der Link zu einer - inzwischen deaktivierten - Facebook-Seite zu finden.

"Klage schadet den Muslimen selbst"

Richard Herzinger äußert in der "Welt", die Klage gegen Nuhr schade den Muslimen selbst: "Es geht nicht an, dass dieser Kampf im Falle des Islam wieder ganz von vorne beginnen soll – einer Religion, in deren Namen gerade Ströme von Blut vergossen und brutalste Unterdrückung gerechtfertigt wird. Ein Satireverbot kann da nur akzeptieren, wer sich der Dauerausrede der Dauerbeleidigten beugt: Das alles habe mit dem Islam doch gar nichts zu tun. Eine solche Tabuisierung aber dient niemandem – auch nicht den Muslimen. Umso mehr ist sie eine ernste Bedrohung für die Redefreiheit. Vom Humor gar nicht zu reden."

Dieser Tenor findet sich auch auf Twitter. Wer hier schreibt, verteidigt Nuhr meist - und mit ihm die Satire.
















Nuhr selbst äußerte auf seiner Facebook-Seite: "Bin von Islamisten als "Hassprediger" angezeigt worden, weil ich den Koran richtig zitiert habe. Bitte um regelmäßige Besuche im Gefängnis! Neue Osnabrücker Zeitung holt ausschließlich Meinung bei den Islamisten ein und zeigt sich verständnisvoll. Die Frage ist: Braucht ein Land, das solche Zeitungen hat, überhaupt noch Islamisten?"

Eine handvoll Demonstranten

Neben seiner Anzeige hat Toka außerdem eine Demonstration gegen Nuhr organisiert, die vor einer ausverkauften Vorstellung Nuhrs in Osnabrück stattfinden sollte. Wie einem Bericht und Fotos der "Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ)" zu entnehmen sind, war die kein großer Erfolg, sondern spiegelte eher die Stimmung aus dem Netz wieder. Angemeldet zur Demonstration waren laut Polizei 80 Menschen (NOZ) - die waren jedoch entweder nicht vor Ort oder sehr kamerascheu.

Währenddessen starteten einige Nuhr-Anhänger eine Gegenaktion: Selbst Fans, die kein Ticket für die Show hatten, kamen am Abend zur Halle, mit Schildern mit Tucholskys Maxime: "Was darf Satire? Alles."

jen
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