Er ist einer der erfolgreichsten Kabarettisten Deutschlands - und Arzt. Im Gespräch mit stern.de verrät Eckart von Hirschhausen, warum er sich gegen die Schweinegrippe impfen lässt und wo in der Krise das Glück liegt.

Eckart von Hirschhausen© Nigel Treblin/DDP
Lassen Sie sich gegen die Schweinegrippe impfen, Herr von Hirschhausen?
Ja. Die Grundidee bei allen Infektionskrankheiten ist, dass es sich nicht um ein individuelles, sondern ein Problem von uns allen handelt. Indem ich mich impfe, schütze ich mich selbst. Aber viel wichtiger ist doch, dass ich Leute schütze, die sich nicht schützen können. HIV-Erkrankte, Krebspatienten oder Organtransplantierte zum Beispiel, die gerade ihr Immunsystem unten haben, die dann mit einer an sich nicht schwierigen Infektion plötzlich überfordert sind. Aber auch Kinder, Schwangere. Jeder Gesunde, der geimpft ist, ist einer weniger, der die Erkrankung übertragen kann. Wenn man sich impfen lässt, denkt man nicht nur an sich, sondern solidarisch.
Das ist, ehrlich gesagt, das einzige Argument, das mich bisher überzeugt.
Das ist auch das einzige, das mich überzeugt. Kinderkrankheiten haben auf Grund der Impfungen ihren Schrecken verloren. Das hat dazu geführt, dass gerade naturheilkundlich orientierte Eltern diese Krankheiten nicht mehr ernst nehmen und denken "Mein Kind darf das ruhig alles selbst durchmachen". Aber jedes Jahr sterben Kinder an Masern, jedes Jahr gibt es Hirnhautentzündungen durch solche Virenerkrankungen, Fehlbildungen durch Röteln in der Schwangerschaft, Unfruchtbarkeit etc. – alles komplett unnötig. Es gibt genug Viren, gegen die man nicht impfen kann, an denen wir alle Erfahrungen von Gesundheit und Krankheit machen können. Wenn wir impfen können, sollten wir das auch tun. Das ist einer der größten Durchbrüche in der Geschichte der Medizin. Und das geht in der aktuellen Diskussion gerade ein bisschen verloren.
Sie engagieren sich in Benefiz-Projekten, und sicherlich bekommen Sie jeden Tag neue Anfragen zu solchen. Warum haben Sie die Aids-Gala unterstützt?
Ich unterstütze gerne Projekte, die mit meinem Ur-Anliegen zu tun haben: Nämlich dass Medizin kein Herrschaftswissen ist. Alles, was man über sich, seinen Körper und seine Seele wissen kann, soll allgemeinverständlich und zugänglich sein. Die Geschichte um die Aids-Gala herum ist auch eine Erfolgsgeschichte: Von relativ früh an haben sich Künstler dafür stark gemacht, der Tabuisierung dieser Infektionskrankheit entgegen zu treten. In Zeiten der Schweinegrippe ist das eine sehr aktuelle Geschichte. Wir denken schnell, dass die Medizin uns vor allem schützen und gegen Infektionskrankheiten tatsächlich etwas ausrichten könnte. Natürlich wird intensiv geforscht, aber das Beste ist immer noch die Vorbeugung. Das halte ich auch gerne mit komödiantischen Mitteln im allgemeinen Bewusstsein.
Sie zitieren Oscar Wildes Aphorismus: "Das Leben ist zu wichtig, um es zu ernst zu nehmen": Wie soll man eine Krankheit wie Aids, an deren Ende der Tod steht, nicht ernst nehmen?
An unser aller Lebensende steht der Tod. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Wenn die Zeit sehr kurz ist, ist das nicht witzig.
Nein, aber an der Bilanz ändert sich nichts, und das ist auch die eigentliche Quelle von Komik. Diese Grundabsurdität des menschlichen Daseins: Wir kommen aus Staub, wir werden zu Staub. Deshalb meinen die meisten Menschen, es müsse im Leben darum gehen, viel Staub aufzuwirbeln. Gesundheitsaufklärung hat ein großes Dilemma: Sie appelliert an die Vernunft, aber den größten Kick haben wir, wenn wir unvernünftig sind. Wenn ich mich gezielt in Gefahr bringe, was ja tatsächlich auch passiert, hat das damit zu tun, das natürlich im Bereich des Sexuellen unser Verstand am allerwenigsten funktioniert. Das weiß jeder Leser von allein. Aber das ist die wichtige Botschaft bei HIV: Man kann eine Infektion nicht wieder rückgängig machen. Deshalb muss man versuchen - so schwer das ist - einen Rest von Verstand zu behalten, selbst wenn das Blut gerade außerhalb des Hirnes gebraucht wird.
Ist Eckart von Hirschhausen eigentlich ein glücklicher Mensch?
Ja. Es geht mir grundsätzlich sehr gut, und es ging mir auch schon vor meinem Bucherfolg sehr gut. Und hoffentlich auch noch ein paar Jahre danach...
Sie sind also kein trauriger Clown?
Den Clown mit der Träne im Auge überlasse ich den Porzellanpuppenherstellern. Das ist ein Klischee wie das, dass Deutsche grundsätzlich keinen Humor haben oder dass alle Engländer welchen hätten. Ich werde oft gefragt, wie man vom Arzt zum Komiker wird: Die Grundfähigkeit ist sehr ähnlich. Die besteht maßgeblich darin zu beobachten.
Und in Empathie...
Und Empathie, sich reinfühlen, sich vorstellen können, wie man die Perspektive wechselt. Man muss im Kopf umdrehen können auf andere, vom Patienten aus denken. Das lernt man als Arzt zum Beispiel, wenn man rechts und links verwechselt (lacht) Beobachten, Empathie und das dann auch wieder allgemeinverständlich zusammenzufassen. Das mache ich auch als Komiker. So gesehen sind Komiker gar nicht die, die im Mittelpunkt stehen, sondern eher die am Rande, die sich das Ganze belustigt, augenzwinkernd angucken.
Eckart von Hirschhausen Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Jahrgang 1967, ist seit mehr als 15 Jahren als Kabarettist, Autor und Moderator in Deutschland präsent. Sein Bühnenprogramm "Glücksbringer" haben mehr als 500.000 Zuschauer live erlebt. Sein Buch "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" war das erfolgreichste Sachbuch 2008. Der Nachfolger "Glück kommt selten allein" steht seit Erscheinen auf Platz eins der Bestsellerliste. 2008 gründete er die Stiftung Humor hilft Heilen und sammelt Spenden, um das therapeutische Lachen in Medizin und Öffentlichkeit zu fördern und Clowns in Krankenhäuser zu bringen.