Dicke Hose in Düsseldorf

16. März 2008, 10:48 Uhr

Sie lebten in Saus und Braus, aber bezahlt haben andere. Jetzt ist die Firma von Franjo Pooth pleite, und auch die Geschäftsgrundlage von Gattin Verona wankt. Ende eines Illusionstheaters. Von Gerd Elendt und Jochen Siemens

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Verona Pooth

Er Entrepreneur, sie Entertainerin: die Eheleute Pooth bei der Bambi-Verleihung in Düsseldorf 2007©

Es muss so manche Tage bei Familie Pooth gegeben haben, die anfingen, als wäre das Leben ein Werbespot. Die Sonne ging auf über der Meerbuscher Villa direkt am Rhein, und Verona fragte: "Du, Franjo, was machst du heute?" Und Franjo, die Haargel-Tube noch in der Hand, antwortete: "Ich muss in die Stadt, ein, zwei Millionen holen."

Und so geht der Werbespot weiter, ein weißer Hummer-Geländewagen rauscht in die City von Düsseldorf, Verona steigt an der Steinstraße aus, um sich die Haare bei "Heavensgate", einem kleinen In-Friseur, machen zu lassen, Franjo parkt den Wagen in der Tiefgarage der Stadtsparkasse Düsseldorf an der Berliner Allee. Dann, wie in der Werbung, großes "Hallo" in der Vorstandsetage, Schulterklopfen, lautes "Hahaha", kurz verhaken sich die pfundschweren Armbanduhren, mal Rolex, mal Panerai. Ein paar Worte, ein paar Zahlen, Franjo unterschreibt, die nächsten Millionen auf Pump fließen, wieder lautes Gelächter und ein "Wollen wir noch …?"

Ja, man wollte, also spazierte man ins "Victorian" um die Ecke, oder man fuhr ins "Saitta Vini". Als jetzt die Innenrevision der Sparkasse die Spesen des Vorstands prüfte, staunte man über zahlreich ausgeschenkte Ramazzotti und einige Flaschen Wein. "Wir waren vor allem überrascht, wie viel manche Menschen offenbar vertragen können", berichtet Joachim Erwin, Düsseldorfs Oberbürgermeister und als solcher oberster Dienstherr der Stadtsparkasse.

Verona Pooth

Franjo Pooth während der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin©

Man muss das alles so erzählen, um zu verstehen, warum Verona Pooth in der vergangenen Woche die Welt immer noch als einen Werbespot sah, auch wenn die Firma ihres Mannes mit 14 Millionen Euro in die Pleite gestürzt war. "Harte Zeiten" mache Franjo durch, sagte sie in der "Kerner"-TV-Show, aber Insolvenzen passierten auch 40.000 anderen Deutschen, und das werde sich bald alles klären. Sie liebe ihren Mann, und schließlich seien sie keine Kriminellen. Im Studio von Johannes B. Kerner applaudierten die Zuschauer, manche leicht angeweicht vom süßen Sekt im Foyer. "So kämpft eine liebende Frau für ihren Mann", seufzte die "Bild"-Zeitung.

Immense Diskrepanz

Der Vorstand der Düsseldorfer Stadtsparkasse und die Staatsanwaltschaft der Stadt sehen das alles nicht so zuckrig. Die immense Diskrepanz zwischen den sich auftürmenden Vorwürfen, dem Verdacht der Bestechung und der langen Liste der Gläubiger einerseits und dem "Alles nicht so schlimm"-Geflöte der deutschen "Werbe-Ikone" sagt viel aus über das Geldverständnis in der Kunstwelt dieser Prominenz: Es gibt keines.

Ach, sie mache sich Sorgen um ihren Franjo, tränte Verona vergangene Woche, er rauche eine Zigarette nach der anderen und könne nicht mehr schlafen. Sorgen? Sorgen machte sich Sebastian Korinth, Geschäftsführer der Elektronik-Vertriebsfirma "Lexxum", das ganze vergangene Jahr, "das war für uns schon eine große Krise. Nur durch privates finanzielles Engagement und Freisetzen von Mitarbeitern konnten wir den Schaden auffangen". Geschätzte 300.000 Euro schuldet ihm die Pooth-Firma "Maxfield", "es gab keine E-Mail und keinen Anruf, lediglich patzige Briefe von Pooths Anwalt". Über 80.000 Euro klagte Korinth beim Amtsgericht Hannover ein, bislang ohne Erfolg, "Herr Pooth scheint einen Prominentenbonus zu haben, er verschob jede vom Gericht festgesetzte Frist, immer mit Terminen oder Krankheit entschuldigt. Einem namenlosen Unternehmer würde das kein Richter durchgehen lassen".

Verona Pooth

Franjo mit einem seiner importierten und aufgemotzten MP3-Player©

Korinth stöhnt vor allem über die Spätfolgen seiner "Maxfield"-Partnerschaft: "Durch Pooths Äußerungen scheint nun das ganze Geschäftsmodell als nicht tragfähig. Das macht es uns Importeuren nicht leichter, Banken zu überzeugen."

Leichtes Geschäft, wenn man Bescheid weiß

Dieses ganze Geschäft ist leicht und schwer zugleich. Leicht, wenn man in der Unterhaltungselektronik Bescheid weiß und vor Jahren erkannt hat, dass Apple mit dem MP3-Player "iPod" einen ganzen Markt revolutioniert, dass sich aber nicht jeder einen teuren "iPod" leisten kann. Preiswertere Alternativen standen seitdem vor allem bei Teenagern hoch im Kurs und waren aus Asien leicht zu importieren. Schwer ist so ein Geschäft, wenn man sich nicht darauf versteht.

Franjo Pooth, der 38-jährige Sohn des renommierten Ingenieurs und Architekten Franz-Josef Pooth, verstand sich nicht darauf. Aber er wollte endlich auch mal wer sein. Über den Beruf Sohn und Ehemann von Verona, einst Feldbusch, war das halb Siegfried-, halb Milchgesicht nie hinausgekommen. Ein Architekturstudium in London brach er ab, als er Verona kennenlernte, seitdem trieb er in ihrem Fahrwasser, in dem die Dinge des Lebens von anderen bezahlt wurden. "Dem ist immer Zucker in den Arsch geblasen worden", sagt einer, der Franjo gut kennt.

Die Posse spielt in Düsseldorf, manche sagen "Dicke-Hose-Dorf ", hier gilt, was Stadtsohn Heinrich Heine so formulierte: "Ich merke: Hat der Mensch kein Geld, so ist der Mensch schon halb gestorben."

Die Kunst lag im Kaufmännischen

Die Idee, die Franjo Pooth 2002 hatte, war erst mal nicht so dumm: MP3-Spieler preiswert aus China importieren, sie in ein schickes Gehäuse packen und rein in die Media- und Saturn-Märkte. Technisch, so Branchenkenner, war an den "Maxfield"- Geräten wenig zu meckern. "Der Sound ist gut, die Handhabung etwas gewöhnungsbedürftig", urteilte der Internet-Tester "xonio.com" über den Max IVY-Player. Doch die Kunst des Geschäfts lag nicht im Technischen, sondern im Kaufmännischen. "Man muss eben bescheiden sein und langjährige Branchenerfahrungen haben", beschreibt Sebastian Korinth sein kommerzielles Grundgesetz. Bescheiden? In Düsseldorf? Hier hat man Geld wie Lärm.

Einer, der den Lärm über Jahre verwaltete, war Heinz-Martin Humme, 55, Vorsitzender der Düsseldorfer Sparkasse und richtig dicke Hose, könnte man sagen. Als Humme, Ex-Commerzbank-Manager und verheiratet, auf Wunsch des Oberbürgermeisters Joachim Erwin 2003 zur Sparkasse kam, bändelte er mit der Sparkassenmitarbeiterin Anna-Julia L. an, die sich wenig später schwanger meldete.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 11/2008

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KOMMENTARE (10 von 30)
 
FelixMaximus (19.03.2008, 11:36 Uhr)
Journalismus der schlechten Art
Man kann zu Frau Pooth stehen wie man will, aber sie hat aus wirklich "Nichts" allerhand auf die Beine gestellt, oder? Bei allem was sie tut, steht ihr die Bild-Zeitung wohlwollend zur Seite. Sicher profitiert man/jemand dort von ihrer Vermarktung. Dass es fuer Herrn Pooth schwierig ist, bei dieser Art der Selbstinzinierung mitzuhalten liegt auf der Hand. Dass er gesetzwidrig gehandelt haben soll, muss und wird sicherlich aufgearbeitet werden. Es wird sehr schwer fuer ihn werden, in Deutschland wieder beruflich Fuss zu fassen. Aus Ihrem Artikel kann ich jedoch keine Aufklärung ueber Fakten erkennen, sondern lediglich billige Häme und unverhohlene Schadenfreude des Autors. Das stelle ich mir nicht unter gutem Journalismus vor und entspricht auch nicht dem sonstigen Anspruch Ihres Magazins.
faculdoc (17.03.2008, 18:32 Uhr)
Zum Täuscherpaar Pooth
ich danke dem STERN für seine couragierte Information. Als jetzt Senior und ehemalig langjähriger Geschäftsführer eines Familienunternehmens fordere ich unzweideutig von der Staatsanwaltschaft und dem Finanzamt, dieses Luftnummernpaar Pooth genauso abzuarbeiten, wie es viele viele Tausende Kleinunternehmen unverschuldet durch Forderungsausfälle ihrer Debitoren
am bitteren Ende durchleiden
mussten - nämlich: Staatsanwaltschaft und Zivilverfahren-Hausdurchsuchung-Bann vom Finanzamt - Strafe von der Bundesanstalt für Arbeit -
Vollzug der Durchgriffshaftung für die Feldbusch - eidesstattliche Versicherung Beider -Zwangsvollstreckung des eigenen Vermögens im Durchgriff und Urteil für beide Banausen, in den nächsten 10 Jahren kein Zugriff für Unternehmensbildung .
laketahoe (17.03.2008, 14:46 Uhr)
Zaghaft, aber immer schon kritisch...
Dass man das noch erleben darf, dass Familie Pooth und deren Selbstdarstellungsmaschinerie, die von der BILD, Kerner & Co. mit kostenlosen Promotions unterstützt wird, etwas kritisch hinterleuchtet erlebt.... Ich dachte schon, weiterhin die Zähne ganz fest zusammenbeissen zu müssen, während Alain Midzic, diverse "Werbefachleute" und bereits erwähnte Medien fleissig das völlig zu unrecht fliorierendee Geschäft von Verona besorgen, von dem Franjo offensichtlich auch profitierte, als der Ruf von Verona sozusagen die Sicherheiten für die Band ersetzt haben dürfte. Wie praktisch!
Alles in allem eine unglaublich peinliche Geschichte, wenn man beachtet, dass weder sie noch er auch nur irgendetwas draufhaben dürften, das große Summen, wofür auch immer, rechtfertigte.
tagora-sagittara (17.03.2008, 14:18 Uhr)
Hübsche Geschichte...
von einem Michgesicht, der mit Hilfe einer quitschenden, prominenten Oberweite einen Banker aufs Kreuz legt.... köstlich,... wenns nicht so traurig wär. Denn die Rechnung bezahlen die Bankkunden,... wie gehabt!!
osthang (17.03.2008, 13:49 Uhr)
Welch in Skandal!?
Worüber man sich hier aufregt ist wirklich erbärmlich!
Ich frage mich, warum es denn keinen solch ausführlichen Bericht über die Bankmanager der LBs und IKBs gibt, die Milliarden und aber Milliarden an Euros im amerikanischen Immobilienmarkt versenkt haben?
Wo werden die denn öffentlich ausgezogen und über deren Praktiken geurteilt? Nirgends oder hab ich das einfach überlesen?
Sicher ist das Verhalten von Herrn Pooth nicht löblich, aber die Verhältnismäßigkeit der Berichterstattung empfinde ich als äußerst fragwürdig, zumindest wenn man sieht, welche Unsummen an anderen Fronten vergeudet werden!!
mr_schlaumann (17.03.2008, 11:49 Uhr)
_
lächerlich.
botoxia (17.03.2008, 11:25 Uhr)
Häme
Und hämisch grinsen alle Neider.
SteveJobs (17.03.2008, 10:50 Uhr)
Think different!
An jeden Kommentator: Anders machen - besser machen - aber vor Allem selber machen!
singen (17.03.2008, 09:36 Uhr)
Werte
Vor kurzem habe ich den Film „Dieter“ gesehen, da sah man die Schöpfkraft von Verona mit plus Wertvorstellung. Ich bin gespannt welche Schöpfkraft jetzt vorhanden ist. Wir werden es bestimmt bei Kerner erfahren.
AchazIII. (17.03.2008, 07:53 Uhr)
Die Geister, die man rief, wird man eben doch los
Pleiten können ja auch so nützlich sein. Die in diesem Artikel beschriebene gehört dazu, weil sie dazu führen wird, dass in diesem Land sog. "Stars" wie jene Frau P. die Luft ausgehen wird. Was man vor kurzem erlebte, als Frau P. in Talkshows schon nicht mehr über ihre "Welt" ("Veronas Welt")parlieren konnte oder dufte, was immer das auch sein mag, sondern schon sich zur Pleite ihres Gatten äußerte, waren die Vorboten, dass es zu Ende geht mit dieser Luftblase. Die Erläuterungen zu einer Pleite sind nur einmal interessant, dann nie mehr.
Manchmal irren sich große Leuchten wie Schiller, Friedrich von, der davon sprach, man werde Geister nicht mehr los. In diesem Fall schon.
Allerdings ist aus Franjos Sicht zu befürchten, dass er für Verona als Pleitier uninteressant sein dürfte. Und dann werden sich schon ein paar TV-Anstalten finden lassen, die über diese Trennung berichten werden - allerdings dann schon etwas abgebremst......
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