Sie lebten in Saus und Braus, aber bezahlt haben andere. Jetzt ist die Firma von Franjo Pooth pleite, und auch die Geschäftsgrundlage von Gattin Verona wankt. Ende eines Illusionstheaters. Von Gerd Elendt und Jochen Siemens

Er Entrepreneur, sie Entertainerin: die Eheleute Pooth bei der Bambi-Verleihung in Düsseldorf 2007© ens Kalaene/DPA
Es muss so manche Tage bei Familie Pooth gegeben haben, die anfingen, als wäre das Leben ein Werbespot. Die Sonne ging auf über der Meerbuscher Villa direkt am Rhein, und Verona fragte: "Du, Franjo, was machst du heute?" Und Franjo, die Haargel-Tube noch in der Hand, antwortete: "Ich muss in die Stadt, ein, zwei Millionen holen."
Und so geht der Werbespot weiter, ein weißer Hummer-Geländewagen rauscht in die City von Düsseldorf, Verona steigt an der Steinstraße aus, um sich die Haare bei "Heavensgate", einem kleinen In-Friseur, machen zu lassen, Franjo parkt den Wagen in der Tiefgarage der Stadtsparkasse Düsseldorf an der Berliner Allee. Dann, wie in der Werbung, großes "Hallo" in der Vorstandsetage, Schulterklopfen, lautes "Hahaha", kurz verhaken sich die pfundschweren Armbanduhren, mal Rolex, mal Panerai. Ein paar Worte, ein paar Zahlen, Franjo unterschreibt, die nächsten Millionen auf Pump fließen, wieder lautes Gelächter und ein "Wollen wir noch …?"
Ja, man wollte, also spazierte man ins "Victorian" um die Ecke, oder man fuhr ins "Saitta Vini". Als jetzt die Innenrevision der Sparkasse die Spesen des Vorstands prüfte, staunte man über zahlreich ausgeschenkte Ramazzotti und einige Flaschen Wein. "Wir waren vor allem überrascht, wie viel manche Menschen offenbar vertragen können", berichtet Joachim Erwin, Düsseldorfs Oberbürgermeister und als solcher oberster Dienstherr der Stadtsparkasse.

Franjo Pooth während der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin© Soeren Stache/DPA
Man muss das alles so erzählen, um zu verstehen, warum Verona Pooth in der vergangenen Woche die Welt immer noch als einen Werbespot sah, auch wenn die Firma ihres Mannes mit 14 Millionen Euro in die Pleite gestürzt war. "Harte Zeiten" mache Franjo durch, sagte sie in der "Kerner"-TV-Show, aber Insolvenzen passierten auch 40.000 anderen Deutschen, und das werde sich bald alles klären. Sie liebe ihren Mann, und schließlich seien sie keine Kriminellen. Im Studio von Johannes B. Kerner applaudierten die Zuschauer, manche leicht angeweicht vom süßen Sekt im Foyer. "So kämpft eine liebende Frau für ihren Mann", seufzte die "Bild"-Zeitung.
Der Vorstand der Düsseldorfer Stadtsparkasse und die Staatsanwaltschaft der Stadt sehen das alles nicht so zuckrig. Die immense Diskrepanz zwischen den sich auftürmenden Vorwürfen, dem Verdacht der Bestechung und der langen Liste der Gläubiger einerseits und dem "Alles nicht so schlimm"-Geflöte der deutschen "Werbe-Ikone" sagt viel aus über das Geldverständnis in der Kunstwelt dieser Prominenz: Es gibt keines.
Ach, sie mache sich Sorgen um ihren Franjo, tränte Verona vergangene Woche, er rauche eine Zigarette nach der anderen und könne nicht mehr schlafen. Sorgen? Sorgen machte sich Sebastian Korinth, Geschäftsführer der Elektronik-Vertriebsfirma "Lexxum", das ganze vergangene Jahr, "das war für uns schon eine große Krise. Nur durch privates finanzielles Engagement und Freisetzen von Mitarbeitern konnten wir den Schaden auffangen". Geschätzte 300.000 Euro schuldet ihm die Pooth-Firma "Maxfield", "es gab keine E-Mail und keinen Anruf, lediglich patzige Briefe von Pooths Anwalt". Über 80.000 Euro klagte Korinth beim Amtsgericht Hannover ein, bislang ohne Erfolg, "Herr Pooth scheint einen Prominentenbonus zu haben, er verschob jede vom Gericht festgesetzte Frist, immer mit Terminen oder Krankheit entschuldigt. Einem namenlosen Unternehmer würde das kein Richter durchgehen lassen".

Franjo mit einem seiner importierten und aufgemotzten MP3-Player© Soeren Stache/DPA
Korinth stöhnt vor allem über die Spätfolgen seiner "Maxfield"-Partnerschaft: "Durch Pooths Äußerungen scheint nun das ganze Geschäftsmodell als nicht tragfähig. Das macht es uns Importeuren nicht leichter, Banken zu überzeugen."
Dieses ganze Geschäft ist leicht und schwer zugleich. Leicht, wenn man in der Unterhaltungselektronik Bescheid weiß und vor Jahren erkannt hat, dass Apple mit dem MP3-Player "iPod" einen ganzen Markt revolutioniert, dass sich aber nicht jeder einen teuren "iPod" leisten kann. Preiswertere Alternativen standen seitdem vor allem bei Teenagern hoch im Kurs und waren aus Asien leicht zu importieren. Schwer ist so ein Geschäft, wenn man sich nicht darauf versteht.
Franjo Pooth, der 38-jährige Sohn des renommierten Ingenieurs und Architekten Franz-Josef Pooth, verstand sich nicht darauf. Aber er wollte endlich auch mal wer sein. Über den Beruf Sohn und Ehemann von Verona, einst Feldbusch, war das halb Siegfried-, halb Milchgesicht nie hinausgekommen. Ein Architekturstudium in London brach er ab, als er Verona kennenlernte, seitdem trieb er in ihrem Fahrwasser, in dem die Dinge des Lebens von anderen bezahlt wurden. "Dem ist immer Zucker in den Arsch geblasen worden", sagt einer, der Franjo gut kennt.
Die Posse spielt in Düsseldorf, manche sagen "Dicke-Hose-Dorf ", hier gilt, was Stadtsohn Heinrich Heine so formulierte: "Ich merke: Hat der Mensch kein Geld, so ist der Mensch schon halb gestorben."
Die Idee, die Franjo Pooth 2002 hatte, war erst mal nicht so dumm: MP3-Spieler preiswert aus China importieren, sie in ein schickes Gehäuse packen und rein in die Media- und Saturn-Märkte. Technisch, so Branchenkenner, war an den "Maxfield"- Geräten wenig zu meckern. "Der Sound ist gut, die Handhabung etwas gewöhnungsbedürftig", urteilte der Internet-Tester "xonio.com" über den Max IVY-Player. Doch die Kunst des Geschäfts lag nicht im Technischen, sondern im Kaufmännischen. "Man muss eben bescheiden sein und langjährige Branchenerfahrungen haben", beschreibt Sebastian Korinth sein kommerzielles Grundgesetz. Bescheiden? In Düsseldorf? Hier hat man Geld wie Lärm.
Einer, der den Lärm über Jahre verwaltete, war Heinz-Martin Humme, 55, Vorsitzender der Düsseldorfer Sparkasse und richtig dicke Hose, könnte man sagen. Als Humme, Ex-Commerzbank-Manager und verheiratet, auf Wunsch des Oberbürgermeisters Joachim Erwin 2003 zur Sparkasse kam, bändelte er mit der Sparkassenmitarbeiterin Anna-Julia L. an, die sich wenig später schwanger meldete.
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Ausgabe 11/2008