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Hugo Boss, Russell Brand und die Nazis

Härter, ehrlicher, Russell Brand. Der britische Entertainer hat mal wieder als Hofnarr brilliert. Sein Hinweis auf die Nazi-Vergangenheit von Hugo Boss bei den "GQ"-Awards führte zum Rausschmiss.

Von Sophie Albers Ben Chamo

  Russell Brand ist eine Art Harald Schmidt 2.0, nur noch schneller, noch fitter, noch unbarmherziger - vor allem gegen sich selbst.

Russell Brand ist eine Art Harald Schmidt 2.0, nur noch schneller, noch fitter, noch unbarmherziger - vor allem gegen sich selbst.

Russell Brand weiß, dass wir uns jeden Tag selbst betrügen - tut er ja auch, und das mit Lust. Aber manchmal, wenn ihm danach ist oder wenn er sich provoziert fühlt, holt der ehemals drogenabhängige, Sex- und Aufmerksamkeits-süchtige, hochintelligente, hochgebildete, begnadet schreibende Komiker und Entertainer seinen Wahrheitshammer heraus und zerschmettert die so hübsch und lustig angelegte künstliche Welt, in der wir uns so gern verlieren.

Als am Dienstagabend im Royal Opera House in London die "GQ"-Awards vergeben wurden - eine Veranstaltung, die mit umgerechnet knapp 300.000 Euro von der Modemarke Hugo Boss gesponsort wurde, wo Justin Timberlake neben Noel Gallagher und Londons Bürgermeister Boris Johnson Champagner schlürften und mit Preisen wedelten - war es wieder so weit. Und das Wort "Nazi" ist der Grund dafür, warum Brand es diesmal europaweit in die Schlagzeilen geschafft hat.

Dumm, amüsant, schockierend

Nachdem Bürgermeister Johnson sich eine seltsame Anspielung auf den Chemiewaffenangriff in Syrien erlaubte, kam Brand auf die Bühne, um sich ebenfalls einen Preis des Männermagazins abzuholen. Und er war offensichtlich stinksauer: "GQ" stünde wohl für "genocide quibs" (Völkermord-Witze), ätzte er. Dem wolle er etwas "Leichteres" hinzufügen: "Wenn irgendjemand hier ein bisschen Ahnung von Geschichte und Mode hat, dann wisst ihr auch, dass Hugo Boss die Uniformen für die Nazis gemacht hat." Stille im Raum und Brand fügte auf höchstem Verätzungsniveau hinzu: "Aber geben wir doch zu, sie sahen verdammt gut aus, während sie Menschen getötet haben auf Grund von deren Glauben oder Sexualität." Sagte es, legte sich zwei Finger unter die Nase und marschierte. Beim Verlassen der Bühne soll er seinem Freund, Oasis-Rocker Noel Gallagher, noch zugerufen haben: "Viel Glück damit, beleidigender zu werden als das, mein Sohn."

Ein Video des Auftritts kursiert im Internet. Britische Medien berichten, dass Brand auf der Aftershow-Party von einem Sicherheitsmann nach draußen begleitet worden sei. Glaubt man Brands Twitter-Account, kam es vor dem Rausschmiss noch zu einer kurzen Unterhaltung zwischen dem Komiker und "GQ"-Chef Dylan Jones. Der soll zu ihm gesagt haben: "Was du getan hast, war ein Affront gegen Hugo Boss". Und Brand antwortete: "Was Hugo Boss getan hat, war ein Affront gegen die Juden."

"Bild" nennt es "dumm", der "Guardian" ist amüsiert", und die "Daily Mail" findet es auf jeden Fall "schockierend". Und was meint Russell Brand zu all der Aufregung? Der lacht auf Twitter über einen Witz auf seine Kosten: Das Satire-Blatt "Daily Mash" hat einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel "Russell Brand hat einen Mercedes benutzt - wie einst Hitler".

Don't mention the war

Dass Firmengründer Hugo Boss begeisterer Nazi war und seit spätestens 1932 Uniformen für SS, SA, die Hitlerjugend und andere Parteiorganisationen herstellte, ist seit langer Zeit bekannt und seit kurzer Zeit offiziell bestätigt. Weil die braune Vergangenheit immer wieder thematisiert wurde, hat das Unternehmen selbst forschen lassen und 2011 endlich einen Bericht veröffentlicht.

Möglicherweise hatte Brand aber noch etwas anderes im Sinn: 1999 hat das "GQ"-Magazin seinen ganz eigenen Nazi-Skandal fabriziert: In einer Liste der 200 bestangezogenen Männer des 20. Jahrhunderts standen neben Humphrey Bogart und JF Kennedy auch "die Nazis" und Feldmarschall Rommel.

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