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18. Oktober 2011, 08:18 Uhr

Susan Sarandon beschimpft Papst Benedikt als Nazi

Susan Sarandon nennt Papst Benedikt XVI. einen Nazi. Und wird dafür von der katholischen Kirche heftig angegriffen. Eine Entschuldigung steht noch aus. Von Frank Siering, Los Angeles

Susan Sarandon, Papst Benedikt, Nazi, Hamptons, Bob Balaban

Schauspielerin Susan Sarandon hat sich mit ihren Attacken gegen Papst Benedikt in die Nesseln gesetzt© Paul Buck/EPA/DPA

Sie sah sich schon immer gerne als kleine Rebellin und als politische Aktivistin. Aber diesmal scheint Hollywood-Star Susan Sarandon die Grenzen der Meinungsfreiheit doch arg ausgereizt zu haben. Während eines Interviews mit einem Schauspiel-Kollegen betitelte die 65-jährige Oscar-Gewinnerin Papst Benedikt XVI. ganz freizügig und ungeniert ungebildet als einen "Nazi".

Der Zwischenfall geschah fast beiläufig. Sarandon diskutierte während einer Veranstaltung in den Hamptons mit ihrem Kollegen Bob Balaban ihre Sympathien für die weltweite "Occupy"-Bewegung. Als das Gespräch auf ihre oscarwürdige Performance in dem Streifen "Dead Man Walking" kam, ließ Sarandon die verbale Bombe platzen.

"Einfach nur obszön"

"Dead Man Walking" basiert auf dem Anti-Todesstrafen-Buch von Schwester Helen Prejean. Sarandon erinnerte daran, dass sie den Film zum Anlass genommen hatte, eine Kopie des Buches an den Papst in den Vatikan zu schicken. "An den letzten, nicht an den Nazi, den wir jetzt haben", so Sarandon wörtlich.

Als Kollege Balaban Sarandon helfen wollte, indem er schnell von dem Statement ablenkte, wiederholte eine meinungsfeste Sarandon die Bemerkung stattdessen gleich ein zweites Mal. Und löste damit einen Sturm der Empörung in der katholischen Kirche aus. Bill Donahue, Präsident der katholischen Liga, bezeichnete Sarandons Bemerkung über den Papst als "unvergleichbar ignorant".

Donahue weiter: "Joseph Ratzinger wurde wie jeder andere 14-jährige Junge in Deutschland in der Zeit des Zweiten Weltkrieges in die Hitler-Jugend eingereiht." - Er habe sich allerdings "verweigert, an den obligatorischen Versammlungen teilzunehmen - und sei dann sogar desertiert". Genau aus dem Grunde, so sagt der Katholik weiter, "sehen viele Juden in dem Papst heute einen Freund und keinen Feind. Kurzum, Sarandons Aussagen sind einfach nur obszön."

Hollywood und seine verbalen Ausrutscher

Es ist nicht das erste Mal, dass sich ein Hollywood-Star mit Nazi-Vergleichen in die Nesseln setzt. Während der Filmfestspiele in Cannes bezeichnete sich Regisseur Lars von Trier in derber Humorlaune als "Nazi", und auch Mel Gibson, Pop-Musiker John Mayer und Charlie Sheen haben sich ähnliche Fehltritte geleistet.

Nun also reiht sich auch Susan Sarandon ein. Anfragen bei ihrem Sprecher, was sie sich genau bei dieser Äußerung gedacht hat, blieben zunächst unbeantwortet.

Sarandon, die lange Zeit mit dem Schauspieler Tim Robbins zusammengelebt und sich vor einiger Zeit für einen weitaus jüngeren Mann von ihrem Partner getrennt hat, arbeitet dieser Tage an diversen neuen Kinoprojekten. Eines davon findet in Berlin statt. Unter der Regie von Tom Tykwer spielt sie in "Wolkenatlas" neben Halle Berry und Tom Hanks. Ein weiterer Film heißt "Snitch", was übersetzt soviel bedeutet wie "die gerne plaudert". Das scheint für Sarandon auch im echten Leben zu gelten...

Von Frank Siering, Los Angeles
 
 
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