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21. Februar 2003, 11:24 Uhr

"Auch Superstars müssen ihre Hausaufgaben machen"

Er ist Pop-Eminenz, Oscar-Preisträger und Paradiesvogel - ein Gespräch mit Elton John über Frieden, Drogen und Talent-Shows.

Elton John, 55, Superstar: Sein Diana-Song "Candle in the Wind" ist die meistverkaufte Single aller Zeiten© AFP

Er ist Pop-Eminenz, Oscar-Preisträger und Paradiesvogel - ein Gespräch mit Elton John über Frieden, Drogen und Talent-Shows.

Mr. John, auf dem Weg hierher konnte man protestierende Engländer sehen, die nicht wollen, dass ihr Land in den Krieg zieht.

Für mich war die beste Nachricht der letzten Zeit, dass Deutschland und Frankreich sich einig sind, da nicht mitzumachen. Es gibt bis heute keine Beweise, dass Saddam Hussein diese Waffen besitzt, von denen gesprochen wird. Beim ersten Golfkrieg war das anders - er hatte ein Land überfallen, und es musste befreit werden. Aber jetzt? Sollen sie uns die Beweise zeigen! Es sind doch nicht die Politiker, die in Leichensäcken nach Hause kommen, es sind die Menschen von der Straße. George Michael hatte schon Recht, als er in einem Song sagte, dass Tony Blair am Hintern von George Bush hängt. Ich wundere mich, dass in Amerika nicht mehr Leute gegen den Krieg auf die Straße gehen.

Haben Sie je überlegt, Protestsongs zu schreiben?

Nein, ich traue Politikern nicht, meine Lieder haben in der Politik nichts zu suchen. Als ich das erste Mal in den USA auftrat, war das an der Kent State University. Kurz zuvor waren dort Studenten einer Anti-Vietnam-Demonstration erschossen worden. Es herrschte eine unheimlich traurige und seltsame Stimmung. Da können auch Lieder nichts ausricht en.

Sie und ihr Musikpartner Bernie Taupin gelten als Menschen, die in Songs denken. Vor 35 Jahren erschien zum ersten Mal ein Lied von Ihnen. Wie viele sind es bis heute?

800, vielleicht 1000, ich zähle nicht mit.

Welcher Titel ist Ihnen der wichtigste?

Am berühmtesten ist sicherlich "Your Song", das muss ich bis heute bei jedem Konzert singen. Aber wichtiger war mir immer "Someone Saved My Life Tonight" vom "Captain Fantastic"-Album, weil es das erste war, das Bernie Taupin und ich zusammen gemacht haben. Das war der Wendepunkt meines ganzen Lebens. Ich war damals in erster Ehe mit einer Engländerin verheiratet, die meine Musik nicht besonders mochte. Eines Abends sagte ein Musiker zu mir: "Du liebst Bernie und deine Musik mehr als deine Frau, du solltest bei der Musik bleiben." Ich habe mich an dem Abend betrunken, ging nach Hause und sagte es meiner Frau. Das war das Ende unserer Beziehung, und darum geht's in dem Song. Da fing ich an, Elton John zu sein.

Langweilt es Sie, dass die Menschen bei Ihren Konzerten immer nur dieselben "Weißt du noch"-Songs hören wollen?

Ach, das kann ich doch dosieren. "I'm Still Standing" spiele ich zurzeit nicht, weil es zu viel war. Nur "Your Song", das bekommen sie immer.

Stimmt die Geschichte, dass John Lennon, nachdem "Your Song" erschienen war, vor Ihnen auf die Knie fiel und Sie erschrocken sagten: "Steh auf, du bist John Lennon!"?

Ja, das war seine Art Humor. Ich meine, ich war 23, und einer meiner Helden fällt vor mir auf die Knie, unglaublich. Wir wurden gute Freunde. Einmal traten wir im Madison Square Garden auf. Er hatte sich kurz zuvor von Yoko Ono getrennt, und an dem Abend trafen sie sich wieder. Aus dieser Nacht ist Sean Lennon hervorgegangen. Irgendwie fühle ich mich mitverantwortlich, die beiden wieder zusammengebracht zu haben. Ich vermisse John. Er war so energiegeladen - er würde heute auf Londons Straßen Sturm laufen, wenn England in einen Krieg zieht.

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