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Keine Konsequenzen für Tagesschau-Sprecher

Jens Riewa hat sich für seine »Liebesbeichte« bei seinem Chef entschuldigt. NDR-Sprecher Martin Gartzke betonte am Freitag, es werde wegen des Interviews keine Konsequenzen geben.

»Wir hatten ein richtiges Familienleben, es war der Himmel auf Erden«, wurde Riewa, der nach eigenen Angaben eine Beziehung mit der Schlagersängerin Michelle hatte, am Freitag von der »Bild«-Zeitung zitiert. »Ich hoffe, wir finden wieder zueinander«, sagte er demnach. NDR-Sprecher Martin Gartzke betonte am Freitag, es werde wegen des Interviews keine Konsequenzen für den »Tagesschau«-Sprecher geben.

»Er hat nur ein Gespräch mit der 'Bild'-Zeitung geführt«, erklärte Gartzke. Für den gesamten Vorfall habe Riewa sich bereits beim Chefredakteur von »ARD aktuell«, Bernhard Wabnitz, entschuldigt. Der 38-Jährige war am Mittwoch unter anderem mit den Worten zitiert worden: »Michelle ist im Bett eine Granate. Ich hatte noch nie so guten Sex wie mit ihr.« Diese Aussage hatte Riewa jedoch später in einem RTL-Interview bestritten. Das sei nicht seine Wortwahl, erklärte er.

Die »Bild«-Zeitung zitierte Riewa am Freitag mit weiteren Schilderungen seiner Beziehung zu Michelle: »Ich fühlte mich als ihr Mann und als Vater ihrer Kinder. Noch nie hatte ich so ein Zusammenhaltsgefühl.« Er habe in der Beziehung aber auch gelitten, etwa wenn Michelle mit ihrem Visagisten feiern ging: »Sie hatte ein sexy Kleid an und bestimmt mal wieder nichts drunter. Ich musste zu Hause bleiben. Da war ich sehr eifersüchtig, habe ihr aber ihre Freiheit gelassen.«

Kritik von Medienleuten

»ARD aktuell« hat nicht zum ersten Mal Ärger mit der Freizügigkeit seiner Nachrichtensprecher. Riewas Ex-Kollegin Susan Stahnke hatte sich im Dezember 1998 in Strapsen fotografieren lassen und verkündet, sie sei für eine Hollywood-Filmrolle im Gespräch. Danach beherrschte sie wochenlang die Schlagzeilen, bis sie für den NDR als Sprecherin der »Tagesschau« untragbar wurde.

In der heutigen Ausgabe der »Berliner Morgenpost« äußerten sich Chefredakteure und Medienverantwortliche kritisch zu dem Geschehen um Riewa. »Diese Art von Intimität verträgt sich nicht mit dem, was der frühere Mr. Tagesthemen, Hajo Friedrichs, einmal die 'Würde der Nachricht' genannt hat«, sagte Ekkehardt Gahntz, »heute«-Redaktionsleiter. Der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Helmut Reitze erklärte, wer sein Liebesleben wie Riewa öffentlich zum Thema mache, verwirre die Zuschauer: »Kaum taucht der Moderator auf dem Bildschirm auf, denkt der Zuschauer doch eher an Sex, statt sich auf die Nachrichten zu konzentrieren.«

Sat1-Moderator Ulrich Meyer kritisierte den »Jahrmarkt der Eitelkeiten« und erklärte: »Wenn Susan Stahnke für harmlose Strapsfotos derart büßen musste, dann frage ich mich, ob bei Riewa ein Brief zur Klarstellung ausreichen kann.« Andrej Grabowski, Chef vom Dienst bei N24, sagte, diese Art von Offenheit vertrage sich nicht mit dem Anspruch, Nachrichten klar und kühl zu gestalten. Dagegen zeigte sich RTL-Informationschef Hans Mahr gelassen: »Offensichtlich hat Jens Riewa solche Schlagzeilen nötig. Da er kein Journalist, sondern nur ein Nachrichtenverleser ist, habe ich damit kein größeres Problem.«

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