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23. Mai 2008, 22:09 Uhr

Schwule in Belgrad unerwünscht?

Homosexuelle aus ganz Europa sind zum Eurovision Song Contest nach Belgrad gereist. Willkommen sind sie nicht. Im stern.de-Interview erklärt Dr. Lars Peters, Vorsitzender des "Hamburg Pride", warum es so viele schwule Grand-Prix-Fans gibt und wieso sie in Serbien vorsichtig sein sollten.

"Beim Grand Prix geht es um Trickkleider, Trash und Kultur - deswegen gibt es so viele schwule Fans". Elnur und Samir aus Aserbaidschan bedienen diese Zielgruppe bestens© Jörg Carstensen/DPA

Herr Dr. Peters, Sie sind wegen des Eurovision Song Contests nach Belgrad gereist. Würden Sie hier Händchen haltend mit Ihrem Freund durch die Stadt gehen?

Nein. Serbien ist zwar ein sehr gastfreundliches Land, aber auch homophob. Ich hätte da ein ungutes Gefühl. Die Veranstalter des Eurovision Song Contest haben in einem Rundschreiben sogar vor "gleichgeschlechtlichen Verhaltensweisen" in der Öffentlichkeit gewarnt.

Und trotzdem findet der Grand Prix in Belgrad statt?

Es gab im Vorfeld des Events eine große Diskussion darum. Serbien hat aber zugesichert hat, dass alle Besucher in der Stadt sicher seien. Explizit auf Schwule wurde allerdings nicht eingegangen.

Merkt man etwas von den Sicherheitsvorkehrungen?

Es ist hier sehr viel Polizei zu sehen. Sowohl um die Arena, als auch in der kompletten Innenstadt. Ich fühle mich deshalb relativ sicher, provozieren würde ich eine brenzlige Situation trotzdem nicht. Vor allem, weil die Polizei hier auch nicht als sonderlich schwulenfreundlich gilt.

Wussten die Belgrader nicht, dass mit dem Song Contest auch zahlreiche Schwule in die Stadt reisen?

Ich glaube doch. Aber das Thema wurde in den serbischen Medien im Vorfeld totgeschwiegen. Eine Diskussion darum wollte Belgrad um jeden Preis vermeiden, um sich als gastfreundliche Stadt präsentieren zu können. Serbien hat nach der jüngsten Vergangenheit schließlich nicht das beste Image in Europa.

Warum gibt es so viele schwule Grand-Prix-Fans?

Ich habe dafür zwei Erklärungen. Zum einen, weil Homosexuelle keine andere Veranstaltungen haben, auf die sie sich projizieren können. Heterosexuelle Männer haben die Fußball-Meisterschaften, Schwule lieben eben den Grand Prix. Dort geht es um Trickkleider, Trash und Kultur - das trifft genau die Zielgruppe. Zum anderen, weil sich in den letzten Jahren so etwas wie ein Camp-Charakter an den Veranstaltungsorten entwickelt hat. Nicht das Event an sich, sondern das Drumherum ist das Ziel der Reisenden: Schwule aus ganz Europa zu treffen und mit ihnen zu feiern.

In Belgrad muss die Feier wohl ausfallen?

Nein. Im Euro-Club zum Beispiel, der After-Show-Party nach den Halbfinals und nach den Proben trifft man zahlreiche Schwule, mit denen man feiern kann.

Feiern serbische Schwule mit?

Die halten sich sehr zurück. Schließlich nützt es ihnen nichts, jetzt im Schutz der ausländischen Touristen auf den Putz zu hauen. Sie müssen anschließend hier weiterleben.

Russland ist einer der Favoriten auf den Sieg. Was passiert, wenn der Grand Prix nächstes Jahr in Moskau stattfindet?

Schlimmer als hier kann es nicht werden. Und Moskau ist einen Schritt weiter. Dort findet ein Christopher Street Day (Anm. Der Redaktion: Demonstration von Schwulen und Lesben für Gleichberechtigung) immerhin statt, auch wenn es jedes Jahr Übergriffe Rechtsradikaler gibt. In Belgrad wurde er abgeschafft.

Wer noch kurzfristig nach Belgrad reisen will, sollte also zu Hause bleiben?

Nein. Der Grand Prix ist immer eine Reise wert. Und wer sich vorsichtig verhält, dem passiert auch nichts.

Interview: Jens Maier

Zur Person

Zur Person Dr. Lars Peters arbeitet in Hamburg als Medienwissenschaftler und ist erster Vorsitzender des "Hamburg Pride e.V.". Der Verein organisiert den jährlichen Christopher Street Day in der Hansestadt.

 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Ramunu (25.05.2008, 17:26 Uhr)
Marija Serifovic
Wenn man sich den serbischen Siegerbeitrag von 2007 so anschaut (auf den sie ja sehr stolz sind), fragt man sich: wie blind sind eigentlich die Serben? LOL.
petermeyer (25.05.2008, 13:22 Uhr)
blöde klischees
also ausnahmslos alle meinen schwulen freunde gucken sich dieses gesangs-quatsch nicht an.
insofern alles nur klischees und ein paar der üblichen fernseh-schwulen-die das gucken. dauer-grinser -hermann oder wie er auch immer heißt ;)
stoppelfreund (24.05.2008, 20:31 Uhr)
modernes Europa
Das moderne Europa ist mit dem Werteverfall schon weit vorangeschritten. Dazu gehört auch, das Sünde nicht mehr Sünde genannt werden darf. Wenn Mann mit Mann geschlechtlich verkehrt ist dies Sünde, so sagt es die Bibel. Wer ein gesundes Empfinden hat fühlt sich durch Sünde gestört. Mich jedenfalls stört darüberhinaus auch ein intensiv zur Sache gehendes Paar bestehend aus Mann und Frau in der Öffendlichkeit. Etwas mehr Privatsphäre wäre angebracht so oder so. Den in den eigen vier Wänden kann man sein Sündiges Wesen ja unbeobachtet und ungestört ausleben, wenn man glaubt es wäre keine Sünde.
kimcool (24.05.2008, 14:38 Uhr)
Freiheit??
Ich finde, wenn ein Land zu Europa gehören will, solltes es sich auch so verhalten wie Europäer. In Europa ist man tolerant und frei, das heisst, hier kann jeder so leben wie er will. Ich finde es gut dass es Schwule und Lesben gibt, auf dem CSD (Christopher Street Day) hab ich noch nie Gewalt oder Aggressionen erlebt, sondern immer nur Positives. Wenn einige Ewig Gestrige noch immer glauben, es sei "Sünde" oder was weiss ich, dann kann ich nur sagen, das sind übelste archaische Denkweisen, total veraltet, und hat in einem modernen, freien Europa nichts zu suchen.
guenni22 (24.05.2008, 12:18 Uhr)
@Motzerator
weil man zu einer Blödheit nicht noch einen dummen Kommentar geben soll
Motzerator (24.05.2008, 08:26 Uhr)
Warum keine Kommentare zu Herrn Daum erlaubt?
Also ich geh zehntausend mal lieber ins Stadion, als mir diesen Singsang anzusehen, aber mein Partner kann davon nicht genug kriegen.
Wenn man Homophobie sucht, braucht man auch nicht bis nach Belgrad zu schauen, da reicht schon der Blick nach Köln. Der dortige Trainer, in der Vergangenheit vor allem durch seinen Kokain Konsum aufgefallen, meint das Schwule kein gutes Vorbild für die Jugend sind.
Was mich besonders wundert: Der Stern erlaubt bei jenem Artikel zu Christoph Daums neuester Entgleisung keine Kommentierung.
Bleibt nur zu hoffen, das jener Trainer samt seinem Verein ganz schnell wieder im Fahrstuhl Richtung zweite Liga verschwindet.
Atropos (24.05.2008, 04:54 Uhr)
Und was ist...
...mit den Lesben? Dürfen die wenigstens feiern?
Known (24.05.2008, 00:31 Uhr)
@sotospeak
Wenn Sie drauf verzichten können: Auf Wiedersehen!
Pamela_1971 (23.05.2008, 22:41 Uhr)
@ sotospeak
Naja, also 1.) IST Serbien ein Teil Europas und ein europäisches Land, ob Sie das nun wollen oder nicht, und 2.) sollte man mal in Deutschland nicht so tun, als ob es hier nie Homosexuellen-Feindlichkeit gegeben hätte. Zur Erinnerung: Noch bis 1994 gab es in Deutschland den § 175 StGB, der speziell für Schwule bestimmte sexuelle Handlungen, die bei Heterosexuellen völlig straffrei waren, unter Strafe stellte (=> bis zu 5 Jahre Gefängnis)!
sotospeak (23.05.2008, 21:48 Uhr)
Und so ein Land ...
... will Teil von Europa sein. Darauf kann ich verzichten. Gibt schon genug Hinterwäldler mit Mittelaltermoral in Deutschland. Die können sich alle verpissen.
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