In einem neuen Musikvideo für die islandische Band Sigur Rós ist der "Transformers"-Star Shia LaBeouf splitternackt zu sehen. Und sorgt im prüden Hollywood für reichlich Aufregung. Von Frank Siering, Los Angeles

Shia LaBeouf sorgt immer wieder für Aufregung. Bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai 2012 zeigte er sich schick mit Fliege.© Gareth Cattermole/Getty Images
Ein nacktes Paar umarmt sich innig. Schmetterlinge fliegen durch die Gegend, Musik spielt. Eine Szene, die an einen Traum erinnern soll. Plötzlich lösen sich die beiden Liebenden voneinander. Der junge Mann, unrasiert und mit Pferdeschwanz im Nacken, dreht seinen nackten Körper direkt in die Kamera und zeigt sich so, wie der liebe Gott ihn schuf, dem Publikum.
Nun ist es nicht irgendein unbekannter Künstler, der seinen Penis da in voller Pracht stolz und mehrere Sekuden lang dem Publikum präsentiert. Nein, das unrasierte Gesicht samt durchtrainiertem Body gehört Shia LaBeouf, 26. Und der "Transformers"-Star zählt bekanntlich zu den größten Kinostars, die Hollywood dieser Tage aufzubieten hat.
Und genau das macht das neue Kunstprojekt, das zur "Sigur Rós Film Experiment Serie" gehört, plötzlich so kontrovers. Kurz nachdem das Musikvideo, bei dem sich LaBeouf mit seiner Kollegin Deena Thomsen amüsiert, am Montag ins Internet gestellt worden war, stürzten sich Entertainment-Blogs und die restliche Webgemeinde auf den nackten Superstar.
"Shia!", titelte die "Huffington Post", "Shia goes full frontal" feuerte CNN hinterher. Und das Klatschportal "RadarOnline.com" warnte seine Leser sogar vor dem Anklicken des Videos, dass der Inhalt "explizit und sehr graphisch" sei.
In den Entertainment-Sendungen wurde die Nacktheit LaBeoufs genauso thematisiert wie von diversen Radiostationen. Der Tenor schwankte zwischen Schock und puritanischer Abneigung. LaBeouf, in Hollywood dieser Tage als grummeliger Superstar bekannt, der seinem Status als Bad Boy stets mit neuen Eskapaden Nahrung verleiht, hat sich bisher zu seinem Auftritt noch nicht geäußert. Und es sieht auch nicht so aus, als habe er das in absehbarer Zukunft vor.
Der Bassist der isländischen Band Sigur Rós, Georg Holm, allerdings meldete sich gestern zu Wort: "Ich wusste am Anfang nicht, ob mir das Video gefällt, aber jetzt finde ich es prima. Es hat keinen Anfang und kein Ende, du kannst viel spekulieren, was gerade passiert", so Holm.
Eine Presseerklärung der verantwortlichen Künstlerin Alma Har'el versuchte, den genauen Inhalt des Kunstprojekts zu erklären. Darin hieß es sehr sachlich: "Ein Mann und eine Frau sind verschlungen im endlosen Zirkel von Sucht und Sehnsucht." Har'el ist übrigens keine Unbekannte in der Videokunstszene. Im vergangenen Jahr gewann sie beim Tribeca Film Festival in New York den Preis für den besten Dokumentarfilm für ihren Debütfilm "Bombay Beach".
Das Nacktvideo mit Shia und Deena dauert ganze sieben Minuten und wurde für rund 10.000 Dollar produziert. LaBeouf, der mit den "Transformers"-Filmen Millionen-Gehälter kassiert hat und in einem früheren Interview mit stern.de zugab, "eigentlich nie wieder arbeiten zu müssen", hat in jüngster Zeit häufiger durchblicken lassen, ständig auf der Suche nach neuen und aufregenden Projekten zu sein.
Ob dieses Video, das damit endet, dass die beiden Nackedeis nach dem Liebesakt das Schlafzimmer total demolieren und sich sogar noch mit Glasscherben gegenseitig bedrohen, seine Karriere in Hollywood weiter beflügeln wird, ist fraglich.
Doch einen wie LaBeouf, dem es "egal ist, was andere von mir denken", dürfte solch eine Interpretation ohnehin nicht wirklich interessieren. Der Mann macht, was er will. Und dieser Tage möchte er halt seine "Kronjuwelen" mit der Welt teilen. Einige Fans werden es ihm sicherlich danken. Die Klickzahlen des siebenminütigen Shia-Auftritts jedenfalls machten das ambitionierte Musikvideo schnell zu einem echten Hit im Netz.