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9. September 2011, 08:29 Uhr

Mel Gibson huldigt jüdischem Helden

Ausgerechnet der in Hollywood als Antisemit verschriene Superstar produziert einen Streifen, der den jüdischen Kampf gegen die Tyrannei zelebriert. Mit an Bord: der erfahrene Drehbuch-Riese Joe Eszterhas. Von Frank Siering; Los Angeles

Mel Gibson, Jüdisch, Film, Joe Eszterhas, Judah Maccabee, Hollywood, 14521

Trotzt antisemitischen Vorwürfen: Schauspieler Mel Gibson© Valery Hache/AFP

Damit hatte selbst im überraschungsgefeiten Hollywood niemand gerechnet: Ausgerechnet Mel Gibson kündigte gestern an, dass er einen Film produzieren will, der den größten jüdischen Helden aller Zeiten in den Mittelpunkt stellen soll.

Ein Film über Judah Maccabee, ein altertümlicher Mad Max, ein "jüdischer Krieger", der fast eigenhändig die griechisch-syrische Armee besiegt haben soll, stehe kurz vor der Umsetzung, ließ Gibsons Sprecher Alan Nierob in Los Angeles verkünden.

Das Drehbuch schreibt Joe Eszterhas. Bekannt vor allem durch Filme wie "Basic Instinct" oder "Jagged Edge". Ein Mann, der das Judentum gerne in seinen Filmen porträtiert. So getan in Streifen wie "Betrayed" und "Music Box".

Unten durch in Hollywood

Gibson und die Juden? ­ Da war doch was! Genau, am 28. Juli 2006 wurde Braveheart Gibson auf dem Pacific Coast Highway von dem jüdischen Officer James Mee festgenommen, weil der ein offenes Behältnis Alkohol im Wagen von Gibson gefunden hatte. Der siebenfache Vater, stramm wie eine Haubize, tönte daraufhin: "F@!#ng Juden, die Juden sind für alle Kriege dieser Welt verantwortlich."

Sicher, Gibson entschuldigte sich, gleich mehrfach. Und er ließ sich auch in eine Klinik einweisen, um seine "Alkoholsucht", zu kurieren. Aber in Hollywood war der gute Mel daraufhin unten durch.

Saufen ja - Antisemitismus nein

"Du darfst saufen, du darfst Drogen nehmen. Für all das vergibt dir die Industrie", weiß auch einer wie Robert Downey Jr. Antisemitismus und Rassismus hingegen sind normalerweise gleichzusetzen mit einem Knockout à la Tyson oder Ali. "Auf die Bretter, aus, vorbei", so Downey.

Und auch für Mel Gibson sah es lange Zeit so aus, als hätte der unentschuldbare Ausraster auf dem Pacific Highway ihm die letzte rechte Grade verpasst.

Unzählige negative Schlagzeilen folgten. Ein schmutziger Trennungskrieg mit einer russischen Freundin, die dem mittlerweile geschiedenen Mimen Millionen von Dollar - viele hatte Gibson mit dem von diversen Kritkern als erneut antisemitisch bezeichneten "The Passion of the Christ" verdient - aus der Tasche ziehen wollte (und am Ende dann doch "nur" 750.000 Dollar zugestanden bekam).

Warner Brothers als Partner

Nun also doch ein Comeback? ­ Es sieht ganz danach aus. Diverse Branchenberichte in Hollywood verbreiten, dass gleich mehrere Studios sich um das Projekt gerissen hätten. Warner Brothers bekam letztendlich den Zuschlag.

Das Projekt sei keines, was - ­wie in Hollywood dieser Tage fast gang und gäbe -­ in Windeseile aus dem Boden gestampft wurde. "Mel arbeiet seit fast zehn Jahren daran", so Nierob.

Der Zeitpunkt für einen solch gigantischen Film scheint gerade recht. Der Filmindustrie gehen immer häufiger die originellen Ideen aus, Fortsetzungen, Prequels und fein säuberlich verpackte Franchise-Produktionen spülen immer weiter an die Oberfläche.

Gibson als Experte für originelle Ideen

Und zweifelsohne ist Gibson ein Experte, wenn es um originelle Skriptideen geht. Sein "Apocalypto" kreierte eine exotische und angsteinflößende Welt der Maya-Kultur im 16. Jahrhundert. Er nutzte Original-Dialekte der Mayas. Und das Publikum dankte es ihm mit einem ersten Platz an den Kinokassen am Eröffnungswochenende.

Aus dem engeren Kreis von Gibson und Eszterhas ist zu hören, dass die Story um Maccabee in gewisser Art und Weise in ihrer Aufmachung an Gibson als William Wallace in "Braveheart" erinnern könnte.

Juddah Maccabee ­ein jüdischer Superheld, der cool und edel über das Schlachfeld blickt. Noch halten sich die Rabbis von New York bis Los Angeles mit ihren Kommentaren bedeckt. Als müssten auch sie die Nachricht, dass Mel Gibson sich ihrem Superstar annimmt, erst einmal so richtig verdauen.

Von Frank Siering; Los Angeles
 
 
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