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6. August 2003, 17:33 Uhr

"Keine Ahnung, warum mich alle so toll finden"

Er ist einfach der schönste Mann der Welt - selbst wenn er schimpft. Ein Gespräch mit George Clooney über Mode, Stilfragen und seine Wut auf Amerika

George Clooney schert sich nicht groß um sein Aussehen, sagt er© Petra Stadler

Herr Clooney, wie schaffen Sie es eigentlich, immer so gut auszusehen?
Ich schere mich gar nicht groß um mein Aussehen, ich habe nicht mal einen persönlichen Stylisten. Das ist doch auch total unmännlich und unsexy, wenn man sich dauernd darum sorgt. Bei Frauen ist das etwas anderes, da spielt Stil eine größere Rolle. Tolle Frauen gehören in tolle Kleider, Audrey Hepburn etwa trug Haute Couture, und das sah großartig aus. Aber ich habe den Vorteil, ein Mann zu sein, ich darf einfach meine weißen T-Shirts und Jeans tragen, grau, glatzköpfig oder faltig werden, und niemand denkt: "O Gott, wie sieht der denn aus."

Viele Ihrer Kollegen denken anders und lassen sich die Haare färben oder die Falten unterspritzen. Der Regisseur Martin Scorsese beschwerte sich sogar kürzlich, dass es wegen Botox kaum mehr Schauspieler in Hollywood mit Mimik gebe.

Ja schon, aber das ist doch Maskerade. Jeder, der unbedingt jünger aussehen will, als er ist, macht einen Fehler. Man kann versuchen, besser auszuschauen und gesund zu leben. Aber ich finde, wenn man schon ein Mann ist, sollte man sich darüber freuen, in Würde altern zu dürfen. Ich benutze auch kein Make-up in Filmen und ziehe keine Klamotten an, die mir nicht stehen.

Aber für Ihre Rollen müssen Sie das doch?

Ich hasse es, wenn mir Stylisten und Kostümbildner Vorschriften machen wollen. Ich bin 42 Jahre alt und möchte wie ein Erwachsener behandelt werden. Bei dem Film "Ocean's Eleven" wurden die wildesten Outfits für mich entworfen: Lederhosen oder Seidenhemden mit Leopardenmuster. An Brad Pitt sieht so was toll aus, der wird jetzt zwar auch schon 40, wirkt jedoch eine Generation jünger. Aber ich mache mich lächerlich in solchen Klamotten. Also habe ich einige von meinen schlichten Anzügen und Hemden mitgebracht, das steht mir wenigstens. Man muss wissen, wann man zu alt ist für bestimmte Dinge. Früher habe ich auch mal einen Ohrring getragen, selbst gestochen. Heute trage ich aus gutem Grund gar keinen Schmuck mehr. Stellen Sie sich doch bitte nur mal vor, wie ältere Herren, etwa Harrison Ford, mit Ohrring aussähen. Entsetzlich!

Würden Sie sich als eitel bezeichnen?

Natürlich. Ich schaue eben, was zu mir passt. Armani zum Beispiel. Die Sachen von Giorgio sind sehr schön und klassisch, und geschenkt bekomme ich sie auch noch. Sehr zum Ärger meiner Kumpel. Neulich zeigte mir ein Freund ein weißes Hemd, das er für 450 Dollar gekauft hatte. So viel würde ich nie ausgeben für ein Hemd. Aber ich habe ja zum Glück Giorgio, der ist mittlerweile auch ein Freund. Er lädt mich zu den Modeschauen und in sein Haus ein. Deshalb fühle ich mich ihm auch ein bisschen verpflichtet.

Schicken Ihnen viele Designer Kleider zu?

Sehr viele. Wenn ich ein Hotelzimmer bei Filmfestspielen betrete, dann türmen sich auf dem Bett schon Mäntel, Schuhe oder Hosen von verschiedensten Designern. Sie können sich nicht vorstellen, was ich für unmögliches Zeug kriege. 90 Prozent davon schicke ich zurück. Für die meisten Leute klingt das sicher paradiesisch, aber ich muss aufpassen, mich nicht überzuvermarkten. Ich bin ja keine Werbetafel. Es ist zwar traumhaft, weil es mir das Einkaufen erspart, aber ...

... gehen Sie denn nie selbst einkaufen?

Doch, ich mache alles selbst, ich gehe zum Supermarkt oder zu GAP. Nur in die Waschstraße fahre ich ungern, weil man da so lange festsitzt. Bei mir muss es schnell gehen, deshalb kaufe ich auch gleich alles doppelt und dreifach, wenn ich schon mal auf Shopping-Tour bin. Los Angeles ist super zum Einkaufen, denn da ist ja praktisch jeder berühmt. Dort steht man in einer Boutique neben Clint Eastwood, und das beeindruckt niemanden.

Sie wollen nicht Aushängeschild einer bestimmten Firma sein. Für eine Kampagne des Motorradkleidung-Herstellers Belstaff arbeiten Sie aber doch als Model?

Stimmt, denn ich bin ein begeisterter Biker. Ich fahre jeden Tag, gestern saß ich acht Stunden auf meiner Harley, um vom Comer See nach Rom zu diesem Treffen zu kommen. Ich habe beim Fahren schon immer Belstaff-Jacken getragen. Irgendwann erwischten mich die Jungs und fragten, ob ich nicht eine Kampagne für sie machen wolle. Mir kam das gelegen, es bringt schließlich Geld, was hilft, wenn man wie ich oft Kinofilme macht, die wenig einspielen. Aber ich möchte jetzt nicht der Motorradjacken-Mann werden, deshalb habe ich mein Engagement für Belstaff an das Wohltätigkeitsprojekt "Running Heart Foundation" gekoppelt. So haben alle was davon.

Die "Running Heart Foundation" ist eine Initiative für erste Hilfe bei Herzattacken. Sanitäter auf speziell ausgerüsteten Motorrädern sollen den Opfern helfen. Wieso engagieren Sie sich gerade dafür?

Es sterben mehr Leute an Herzproblemen als an Aids oder Krebs. Mit diesen Rettungs-Bikes ist die Überlebenschance größer. Außerdem passe ich gut ins Konzept, ich bin schließlich als Arzt berühmt geworden und fahre selbst Motorrad. Wer je in Italien war, weiß auch, wie chaotisch der Verkehr ist. Ohne Zweirad ist es unmöglich, schnell irgendwo durchzukommen.

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