Der Umzug gerät zur Staatsaffäre

17. Dezember 2012, 12:34 Uhr

Der Streit um Gérard Depardieus Umzug nach Belgien nimmt absurde Züge an. Nachdem sich Depardieu mit Premierminister Ayrault öffentlich gestritten hatte, schaltet sich nun die belgische Regierung ein.

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Will seiner Heimat Frankreich den Rücken kehren: Schauspieler Gérard Depardieu©

Im Steuerstreit um den französischen Filmstar Gérard Depardieu will Belgien nicht der "Sündenbock" sein. Der belgische Außenminister Didier Reynders machte im französischen Sender RTL die hohe Besteuerung von Reichen durch die sozialistische Regierung in Paris für die Auseinandersetzung verantwortlich. "In Belgien ist keine Maßnahme ergriffen worden, um irgendwelche französischen Staatsbürger anzuziehen." Vielmehr habe es "eine Entwicklung des französischen Steuersystems gegeben, die vielleicht Konsequenzen hat", sagte er mit Blick auf die Reichensteuer in Frankreich.

Die sozialistische Regierung in Paris hatte kurz nach ihrem Amtsantritt im Mai eine Reichensteuer von 75 Prozent auf Einkommen ab einer Million Euro eingeführt. Die umstrittene, auf zwei Jahre begrenzte Maßnahme war eines der zentralen Wahlkampfversprechen des neuen Präsidenten François Hollande.

Zur Forderung aus Paris nach einer europäischen Steuerharmonisierung äußerte sich Reynders zwar grundsätzlich positiv, zugleich hob er aber hervor, dass nicht "ganz Europa das französische System anwenden" werde. Vor allem gebe es "keine Mehrheit in Belgien für eine Steuer von 75 Prozent auf Einkommen".

Öffentlicher Streit mit dem Premierminister

Depardieu, der unter anderem wegen seiner Rollen in Filmen wie "Die letzte Metro", "Cyrano de Bergerac", "Green Card - Scheinehe mit Hindernissen" und in mehreren Asterix-Filmen berühmt ist, hatte am Wochenende empört seinen Verzicht auf die französische Staatsbürgerschaft angekündigt. Als Grund gab der 63-Jährige in einem offenen Brief an Premierminister Jean-Marc Ayrault an, dass dieser ihn "beleidigt" habe. Der Regierungschef hatte die geplante Steuerflucht des Schauspielers nach Belgien zuvor als "erbärmlich" bezeichnet.

Depardieu, der im Wahlkampf den später abgewählten konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy unterstützt hatte, ist neben der Schauspielerei seit Jahren erfolgreicher Unternehmer. Ihm gehören unter anderem Weingüter und drei Restaurants in Paris. Der Filmstar fiel in den vergangenen Jahren aber auch immer wieder durch cholerische Reaktionen und zuletzt durch eine Fahrt mit seinem Motorroller mit einem Alkoholgehalt von 1,8 Promille auf.

Laut dem französischen Gesetz können Bürger beantragen, ihre Staatsbürgerschaft abzugeben, sobald sie andernorts eine andere beantragt haben. Offen ist nun, ob und wie schnell Depardieu eine belgische Staatsbürgerschaft erhalten könnte. Reynders sagte dazu, dies sei eine Entscheidung des belgischen Parlaments: "Das lässt sich in relativ kurzer Zeit machen, das ist eine Sache von einigen Monaten." In Belgien hatte der Schauspieler kürzlich ein Haus gekauft. Laut Schätzungen leben tausende wohlhabende Franzosen in Belgien, weil sie dort weniger Steuern zahlen.

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