Die Finalistinnen stehen fest: Sara, Marie und Mandy. Alles andere hätte überrascht. Zur Belohnung durften die Drei mit Heidi fette Burger essen und nach Singapur fliegen. Dort lernten sie, dass die Pressefreiheit auch ihre Tücken hat und Hitze echt schlecht für die Haare ist. Von Mark Stöhr

Da waren's nur noch drei: Sara, Marie und Mandy (v.l.n.r.) sind die Finalistinnen© ProSieben
Die Soap ist bald vorbei, doch der Spot bleibt: Heidi Klum in ihrer Paradedisziplin als Gouvernante. Keine kann so kalt ihre Peitsche schwingen und dabei wie die beste Freundin lächeln. Im Werbefilmchen für eine Fastfood-Kette gab sie gestern den Model-Moses und verkündete die 100 Gebote. Oder wie man in Bergisch-Gladbach sagt: "Ich bin die ganze Zeit die Regeln am Aufsagen." In den Nebenrollen mussten die Kandidatinnen hinter ihrer Lehrerin herstiefeln und in guter alter Bertolt-Brecht-Tradition den Chor stellen, der die wichtigsten Merksätze noch einmal wiederholt. Begeisterung allenthalben. Die Marketing-Tante happy, die Klum happy, die Mädchen oberhappy. Denn sie durften aus nächster Nähe miterleben, wie ihre Ikone arbeitet. Wie man vor versammelter Mannschaft also den Regisseur runterputzt und das Drehbuch ignoriert. Mandy beeindruckte vor allem Heidis Superhirn: "Die bekam den Satz eine Minute vorher gesagt und konnte ihn auswendig." Der Satz lautete: "Ihr seid Stars – und was essen Stars?" Fette Burger natürlich, die Klum vorneweg. Wäre das der Moment gewesen, die "sechs Sorten Scheiße aus ihr rauszuprügeln", von dem der Publizist Roger Willemsen jüngst träumte?
Sara, Marie und Mandy haben es ins Finale geschafft. Die Natürliche, die Perfekte und die Ehrgeizige. Würde man sie in einen Mixer schmeißen, käme vielleicht ein Topmodel raus. Die blonde Mandy, deren Nominierung von den dreien am stärksten auf der Kippe stand, konnte ihr Glück gar nicht fassen. "Ich glaube das nicht", sagte sie, "eine aus Witten wird berühmt." Das wird der Bürgermeister gerne hören. Vielleicht könnte er ihr sagen, wo Singapur liegt. Da war sich die 18-Jährige nämlich unsicher. Peyman Amin immerhin wusste zu berichten, Singapur sei "eine sehr moderne Stadt". In Wirklichkeit ist Singapur ein Staat, der kleinste Südostasiens, in dem so ziemlich alles unter Strafe steht. Nur das Modeln nicht. Also nichts wie hin.
Es war ein einziges Schaulaufen, bei dem es vor allem um eins ging: "Macht uns stolz!" (Peyman Amin). Die Jury ist felsenfest davon überzeugt - oder tat zumindest so -, sich für die drei richtigen Finalistinnen entschieden zu haben, und wollte das in jeder Einstellung bestätigt sehen. "Drei Monate", so Rolf Scheider, "haben wir alles gegeben, um ihnen so viel wie möglich beizubringen." Dieses selbstlose Engagement sollten die Models nun mit perfekten Posen zurückzahlen. Tenniseltern denken so, nachdem sie ihren Nachwuchs jahrelang dreimal am Tag zum Trainingsplatz gefahren haben.
Die Mädchen bemühten sich nach Kräften, ihre Modellehrer nicht zu enttäuschen. Bei der Laufsteg-Show für ein großes Modelabel aus Singapur machten sie an der Seite ihrer Profikolleginnen eine recht solide Figur - das heißt: Sie stürzten nicht. Beim Foto-Shooting für ein auflagenstarkes, einheimisches Modemagazin zeigten sie ihren schönsten Schmollmund und schüttelten in gewohnter Weise ihre Mähne. Der Ort immerhin war beeindruckend: ein Set für einen asiatischen Kampffilm. Mandy wusste inzwischen zwar ungefähr, wo sie sich auf dem Globus befand, suchte nun aber nach der korrekten Bezeichnung für die Einheimischen ("Singapuraner, oder wie heißen die?") und litt unter dem feucht-schwülen Klima ("Mein Arsch klebt"). Auch Sara schwitzte - "wie ein Schwein" - , und Marie stellte fest, dass die Haare bei der Hitze schneller fettig werden. Worüber sich Models halt so unterhalten, wenn der Tag lang ist.
Doch "Germany's next Topmodel" ist nicht nur eine Schule des Laufens, sondern auch eine Schule des Lebens. Stichwort Presse. Die schreibt zwar eh, was sie will, aber es gibt Kniffe, mit denen man sie überlisten kann. Die bekamen die Mädchen von der Kommunikationschefin der ProSiebenSat.1-Gruppe vorgeführt, die extra den weiten Weg nach Singapur gekommen war und wahrscheinlich noch eine Woche Urlaub drangehängt hat. Ihr zentraler Tip: Man muss echt aufpassen, was man sagt. Ein Raunen ging durchs Auditorium.
Es wurde noch lauter, als Peyman Amin seine eigene Schicksalsgeschichte erzählte. Er wurde einmal gefragt, auf welchen Typ Frau er stehe. Seine Antwort: wohlproportioniert und gutaussehend. Die Zeitung machte daraus: "Eine dicke Frau kommt mir nicht ins Bett." Das habe er so nie gesagt. Amin steht also auf dicke Frauen. Hätte man gar nicht gedacht. Den ersten Härtetest an der Interview-Front bestanden die Mädchen nach ihrem Seminar denn auch mit Bravour. Frage der Reporterin einer großen Landeszeitung: "Wie gefällt Ihnen Singapur?" Antwort Marie: "Ich hasse das Wetter. Es ist zu heiß und zu feucht."