Mit Spinnen und Ratten wurde sie im RTL-Dschungel gut fertig. Was Giulia Siegel sonst so macht? Nun ja. Ihr Leben ist eine Mischung aus "Kir Royal" und "Königlich Bayerischem Amtsgericht". Von Oliver Fuchs und Alexander Kühn

Giulia Siegel fällt gern auf, auch bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Feiern© Sebastian Widmann/DPA
Vor zwei Wochen hatte Giulia Siegel endlich mal das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Kakerlaken drangen in ihren Schlüpfer ein, Spinnen marschierten über ihr Gesicht, Ratten, Kröten und grüne Ameisen fielen über sie her, Schlangen umklammerten ihre Beine, und nachdem sie all das tapfer über sich hatte ergehen lassen, riss sie die Fäuste zum Himmel und brüllte in den australischen Urwald: "Ich bin scheißstolz auf mich!"
Von der ersten Staffel an hatte RTL versucht, sie als Insassin fürs Dschungelcamp zu gewinnen. Womöglich dachte sie bisher immer, nö, lass mal, ist unter meiner Würde. Jetzt aber, bei der vierten Staffel, sieht sie das mit der Würde offenbar nicht mehr so eng. Außerdem: Kein Handy, kein Fernseher, zwei Wochen an der frischen Luft - das hat noch keinem geschadet. Vor allem aber könne sie in der Wildnis, das gab Giulia Siegel, 34, vor der Abreise rasch noch zu Protokoll, "mal zeigen, wie ich wirklich bin: ein ganz liebenswerter Mensch".
Nicht wenigen Zuschauern musste freilich erst mal erklärt werden, wer sie überhaupt ist. Genau genommen hatte bisher von ihrer Existenz nur Kenntnis genommen, wer aufmerksam die Unfall- und Polizeimeldungen der Boulevardpresse verfolgte, vornehmlich aus dem Großraum München: "Giulia Siegel nach Kollaps in Klinik", "Polizei ermittelt gegen Giulia Siegel wegen Fahrerflucht", "Schlimmer Unfall auf der Autobahn", "Hat Giulia Siegel Kleider nicht bezahlt?", "Führerschein für vier Wochen weg", "Giulia Siegel beschimpft Miss Tirol ... als Nutte und Schlampe". Die fettesten Schlagzeilen hagelte es, als ihre Ehe mit dem Unternehmensberater Hans Wehrmann unter lautem Getöse in die Brüche ging: Sie sagt, er habe sie geschlagen; er sagt, nein, genau andersrum.
Überhaupt, Giulia und die Männer. Mit Tommy Haas hatte sie definitiv was. Auch andere Namen werden in München genannt, weiß natürlich keiner so genau, München ist ja eine Quatschbude. Siegel dementierte stets, und zwar so oft und so nachdrücklich, dass die Gerüchte keine Chance hatten, in Vergessenheit zu geraten.
Ein bisschen Fernsehen hat Giulia Siegel auch gemacht, "Schwupps" hieß eine Sendung auf tm3, die, schwupps, wieder abgesetzt wurde, dann waren da noch "Insider"auf RTL 2 und die "McDonald's Chart Show" auf Pro Sieben. Ein bisschen gemodelt hat sie und mit Vanillejoghurt-Spots und Strumpfhosenreklame ganz gut Geld verdient. Ein bissel was geht immer. Heute ist sie im Hauptberuf ein bisschen DJ, was man sich so vorstellen muss, dass sie in einem türkischen Robinson-Club oder im Europa-Park Rust auflegt, Fachrichtung: Elektro-House. Schwierige Übergänge, erzählt man sich in München, hat sie sich bisweilen schon mal von Kollegen mixen lassen, aber das ist wahrscheinlich auch so eine typisch münchnerische Übertreibung. Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass sie vieles angefangen, aber kaum etwas zu Ende gebracht hat.
Abgesehen vielleicht von der Fensterlaktion, die seinerzeit Siegels Karriere als Bussibussi-Tussi enorm in Schwung brachte. Da kletterte sie nonchalant über die Dachrinne in die Wohnung ihres Ex- Freunds - worauf dieser Anzeige erstattete und sie in U-Haft landete. Dabei sollte doch alles eine sexy Überraschung sein, sie splitternackt im Bett, kleine Erfrischung, wenn er müde nach Hause kommt. Ein bisschen "Kir Royal", ein bisschen "Königlich Bayerisches Amtsgericht", in München liebt man solche Geschichten.
Leute wie Giulia Siegel nennt man in München Adabeis, weil sie immer dabei sind, wenn ein roter Teppich ausgerollt wird oder jemand eine Boutique eröffnet, ein Restaurant oder auch nur ein kaltes Büfett, Hauptsache, es sind genügend Fotografen da. In München ist man schnell jemand, es bedarf keiner besonderen Vorkenntnisse oder Fertigkeiten. Und wenn man dann noch aus der berühmten Siegel- Sippe stammt, ist man schon qua Geburt Schickeria.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 05/2009