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Kahl ist cool

Haare oder nicht Haare, das ist hier die Frage, seitdem Trainerstar Jürgen Klopp gestanden hat, sich welche verpflanzt zu haben. Und was sagt frau dazu?

Von Sophie Albers

  "Männer mit Haaren wie ich haben wichtigere Dinge zu tun, als sich um eine Frisur zu kümmern", sagt Bruce Willis.

"Männer mit Haaren wie ich haben wichtigere Dinge zu tun, als sich um eine Frisur zu kümmern", sagt Bruce Willis.

Ich habe meinen Freund Alexander noch nie mit Haaren gesehen. Er hat sie sich kurzerhand abrasiert, als sie ziemlich früh anfingen auszufallen. Ich kann mir Alexander mit Haaren ehrlich gesagt gar nicht vorstellen. Genauso wenig Bruce Willis oder Telly Savalas oder Jürgen Vogel oder Vin Diesel oder Arjen Robben oder Andre Agassi.

Als ich einmal John Travolta getroffen habe, musste ich ihm die ganze Zeit aufs Sprühtoupet starren, weil er damit aussah wie ein Monchhichi. Ebenfalls Grund zum Starren ist der kunstvoll über die Platte gelegte Scheitel, den man glücklicherweise immer seltener sieht. Und dann diese Typen, die plötzlich Hut/ Mütze tragen. Von den Berlusconi-Steckhaaren gar nicht erst zu reden.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Der männliche Haarverlust bereitet Geschlechtsgenossen blanke Angst, Frauen verwirrt er. Vielleicht werden Männer, die Haare verlieren, ähnlich panisch wie Frauen, die Falten kriegen. Für beide ist es der unumkehrbare Abschied vom süßen Vogel Jugend. Und beide finden immer neue Mittel und Messer, um diesen zumindest aufzuschieben. Aber wie Großmutter schon sagte: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben."

Was bleibt, ist das vermaledeite Abfinden, zu dem kaum einer taugt - ich auch nicht, wenn ich mein Cremesortiment betrachte. Die Männer haben aber trotzdem einen Vorteil, der faltenhysterischen Frauen leider völlig abgeht: Sie haben die Chance, auch ohne Haare cool auszusehen. Denn seien wir ehrlich: In unserer Gesellschaft werden eher coole Glatzen fotografiert als in Würde gealterte Frauen.

Es gibt keinen Mittelweg

Anders als beim armen Samson in der Bibel wirkt der Haarverlust heutzutage auf viele Frauen tatsächlich männlich. Auf jeden Fall männlicher als jeder Versuch, ihn zu vertuschen. Michael Mettke von "jetzt.de" hat jüngst in einem Kahlkopf-Selbstbericht sogar festgestellt, wer schon früh die Haare verliert, altere langsamer. "Weil er nicht grau wird, sondern gleich bleibt. Ich behaupte sogar, dass die ganz große Midlife-Crisis bei mir ausbleiben wird: Die meisten Leute kennen mich schon jetzt nur mit Glatze oder können sich an meine Haare gar nicht mehr erinnern. Wenn hingegen ein gutaussehender Mann mit Mitte Vierzig seine Haarpracht verliert, muss der Schmerz weitaus tiefer stechen."

Das reicht Ihnen nicht? Hier kommt die ultimative Entscheidungshilfe zur Frage Haar oder nicht Haar, bei der es laut meinem Mann "keinen Mittelweg" gibt: Die Studie "Shorn Scalps and Perception of Male Dominance" (Rasierte Köpfe und die Wahrnehmung männlicher Dominanz) besagt klar und deutlich, dass kahlköpfige Männer als bessere Führungspersönlichkeiten angesehen werden als Männer mit längerem oder dünner werdendem Haar. Beste Besipiele seien Netscape-Gründer und Risikokapitalgeber Marc Andreessen, Dreamworks-Chef Jeffrey Katzenberg und Amazon-Chef Jeffrey Bezos. There you go.

Stärke, Macht und Selbstbewusstsein

"Ein rasierter Kopf macht einen nicht automatisch erfolgreicher, aber er zeigt, dass man aktiv eine Entscheidung getroffen hat", zitiert das "Wall Street Journal" den Technologieunternehmer und Autor Seth Godin, der seit zwei Jahrzehnten Reste rasiert. Männer mit Glatze, "stehen zu dem, was sie haben, anstatt vorzugeben, etwas anderes zu sein."

Es strahle Stärke, Macht und Selbstbewusstsein aus, alles "bloßzulegen", lässt sich die New Yorker Imageberaterin Julie Rath zitieren. Ein kahler Kopf sei der Weg der Natur zu sagen, dass du hart im Nehmen bist", fügt Professor Michael Cunningham von der University of Louisville hinzu.

Vielleicht deshalb sagt mein Freund Alexander, dass er manchmal Albträume habe, das ihm wieder Haare wachsen.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

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