Meine Millionen, mein Schloss, mein Problem

15. November 2012, 08:16 Uhr

Thomas Gottschalk hat eins. David Beckham und Angelina Jolie auch: Ein Schloss ist die Traumimmobilie vieler Prominenter. Doch das Leben als stolzer Burgherr gerät schnell zum Alptraum. Von Jens Maier

Thomas Gottschalk, Schloss, Rhein. David Beckham, Angelina Jolie

Diente bis 1999 als Botschaft Kasachstans: Gottschalks Schloss in der Nähe von Bonn©

Als am 3. Juli 2012 der Hammer fällt, ist der Traum vom Leben im Schloss für die berühmten Eigentümer ausgeträumt: Seit 1998 gehörte Schloss Gymnich der Kelly Family. In das Idyll des kleinen Schlösschens mit seinem Wassergraben, den Ecktürmen und einem 200.000 Quadratmeter großen Park hatte sich Familienpatriarch Dan Kelly einst mit seiner Frau und seinen zehn Kindern zurückgezogen. 14 Jahre später musste es zwangsversteigert werden. "Die Immobilie war ein Traum von meinem Vater, der nicht aufgegangen ist", sagt Joey Kelly. Er ist froh, das Anwesen endlich los zu sein. "Ich bin erleichtert und begeistert."

Wie den Kellys ergeht es vielen Schlossbesitzern. Vor allem neureiche Prominente träumen gerne vom Dasein als Burgfräulein oder Rittersmann. Fußballstar David Beckham bewohnt im englischen Sawbridgeworth ein Sieben-Schlafzimmer-Anwesen, das in Anlehnung an den Palast der britischen Königin gerne "Beckingham Palace" genannt wird. Angelina Jolie zieht sich mit Brad Pitt und ihren Kindern gerne auf ihr 35-Zimmer-Chateau in Südfrankreich zurück. Und auch Nicholas Cage, Michael Schumacher oder Dieter-Thomas Heck waren oder sind stolze Schlossherrn. Bis die Wirklichkeit oder Vernunft sie einholt.

Der Alltag macht Schlossherren das Leben schwer

Heck hat sein badisches Gutshaus längst verkauft, Cage sich von seinem Schloss in der Oberpfalz getrennt und der beckhamsche Palast wird bei britischen und amerikanischen Maklern zum Verkauf feilgeboten. Auch Thomas Gottschalk hat gerade angekündigt, dass er sein Schloss am Rhein verkaufen will. Offiziell weil er anfangen möchte, "loszulassen". Fakt ist, dass viele sich das Leben in ihrem historischen Eigenheim romantischer vorgestellt haben, als es in Wahrheit ist. Nicht nur hohe Unterhaltskosten, Probleme beim Denkmalschutz oder bei der Statik machen Schlossherrn das Leben schwer, sondern auch der ganz normale Alltag.

Das weiß auch Bodo Graf von Hadenberg. Der 55-Jährige arbeitet für die Münchner Maklerfirma Auer, Springer & Partner, die sich auf Luxusanwesen und Schlösser spezialisiert hat. Zu seiner Klientel gehören weniger reiche Russen, Araber oder Chinesen, als vielmehr "ganz normale Menschen", wie er selbst beteuert. Oft habe er es mit traditionsbewussten Käufern zu tun. "Das sind Liebhaber, denn unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten rechnet sich ein Wohnschloss nicht", sagt er. Weil er selbst in einem Schloss aufgewachsen ist, weiß von Hardenberg außerdem um die Entbehrungen, die dessen Bewohner in Kauf nehmen müssen. "Der Komfort bleibt auf der Strecke." Die großen Räume mit den hohen Decken ließen sich im Winter nur schwer heizen. "Wenn der Kopf schon glüht, sind die Füße immer noch kalt." Seine modernisierte Altbauwohnung mit Dachterrasse würde er deshalb nicht gegen ein Schloss eintauschen wollen. "Oder ich würde sofort eine Fußbodenheizung einbauen."

Statussymbole ohne Heizung

Komfortabel sind Wohnschlösser nicht, aber prestigeträchtig. Gerade deshalb wirkt die barocke oder neo-gotische Pracht besonders auf Stars anziehend. Mein Ferrari, meine Yacht, mein Schloss - die einstigen Adelssitze sind früher wie heute Statussymbole. Wo einst Gutsherrn, Industriemagnate oder Graf und Gräfin ihre Macht und ihren Einfluss demonstrierten, befriedigen heute Sportler, Schauspieler oder Entertainer ihren Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung oder ihrem Hang zur Selbstdarstellung. Ich wohne, also bin ich. Nicht selten versuchen sich die prominenten Bewohner in den alten Gemäuern selbst zu verwirklichen. Wo der Denkmalschutz es erlaubt, werden die Schlösser mit allem erdenklichen Schischi ausgestattet.

In Thomas Gottschalks Schlösschen Marienfels zum Beispiel muss niemand - wie noch vor 150 Jahren üblich - ohne fließend Warmwasser und Strom darben. Die 1859 erbaute, burgähnliche Anlage im Zuckerbäckerstil mit 14 Zimmern und Turm wurde bereits vom Vorbesitzer luxussaniert. Um fürstlich entspannen zu können, verfügt das Schloss über einen beheizten Swimmingpool, eine Sauna, einen Fitnessraum und einen Whirlpool. Nachdem die Gottschalks Marienfels vor acht Jahren gekauft hatten, übernahm Ehefrau Thea höchstpersönlich die Innenausstattung. "Die hat die gesamte Einrichtung buchstäblich aus der ganzen Welt an den Rhein geschleppt", sagte der Moderator der "Bild"-Zeitung. Deshalb sei der Verkauf für sie "besonders schlimm".

Gottschalk will fünf Millionen Euro

Der Traum vom Märchenschloss - auch für die Gottschalks geht er zu Ende. Im Gegensatz zur Kelly Family wird sich das Paar damit trösten können, kein finanzielles Debakel erleiden zu müssen. Fünf Millionen Euro soll das Schlösschen bringen und damit zumindest die Kosten für Kauf und Umbau wieder reinholen. Die Möbel von Thea Gottschalk sind im Kaufpreis übrigens schon mit drin - einschließlich grünem Teppichboden und rosaner Plüschcouch im Wintergarten und den verspiegelten Säulen im Esszimmer. Eben auch etwas für Liebhaber.

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