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Der letzte Playboy

Künstler, Sammler, Draufgänger - Gunter Sachs vereinte in seinem Leben viele Facetten. Für den internationalen Jetset wird er vor allem eines bleiben: der letzte Playboy.

Von Mareike Rehberg

Lebensfroh, charmant, erfolgreich – für den Künstler und Unternehmer Gunter Sachs galten diese Eigenschaften bis zum Ende. Sein Ruf als letzter Playboy blieb ihm erhalten, umso unglaublicher erscheint sein plötzlicher Freitod. Vor zwei Jahren hatte der damals 76-Jährige stern.de ein Interview gegeben. Von einer Alzheimer-Erkrankung war ihm damals noch nichts anzumerken. Zufrieden, offen und schwer beschäftigt wirkte Gunter Sachs auf den Fragensteller, ging sogar soweit, den Redakteur bei Gelegenheit auf ein paar Weißwürste in einem Münchner Restaurant einzuladen, wenn Sachs sich wieder einmal in Deutschland aufhalte.

Seiner Frohnatur hatte Gunter Sachs auch sein seit den 60er Jahren bestehendes Image als Lebemann und Playboy zu verdanken. Er gehörte zum europäischen Jetset jener Jahre, man sah ihn stets in Gesellschaft von Berühmtheiten wie Romy Schneider, Jean-Paul Belmondo oder Twiggy. Er selbst verstand die Bezeichnung "Playboy" jedoch nie als Beleidigung. "Wo gibt's schon Boys mit 77?", fragte er im vergangenen November im Gespräch mit stern.de. Sachs verstand unter dieser Spezies wohlwollend attraktive junge Männer, Weltenbummler, "die wussten, wie man Feste feiert und mit schönen Frauen parlieren" konnte.

Künstler, Sammler, Dokumentarfilmer

Sich selbst sah der Industriellensohn aus dem bayerischen Schweinfurt aber auch immer als Künstler. Sachs, am 14. November 1932 auf Schloss Mainberg in Franken geboren, war der Erbe der Kugellager- und Motorenwerke Fichtel & Sachs, sein Urgroßvater mütterlicherseits war der Opel-Gründer Adam Opel. So schien sein Weg in die Wirtschaft schon vorgezeichnet, doch schon früh interessierte sich Sachs für Fotografie und Kunst.

Das Erbe ermöglichte ihm ein wildes und freies Leben. Erfolgreich war er in den verschiedensten Gebieten. Schon während seines Mathematikstudiums in Lausanne machte er die Liebe zur Fotografie zum Mittelpunkt seines Lebens, sammelte und fotografierte – unter anderem für den Bildband "Heldinnen" (1991) mit Topmodel Claudia Schiffer. 1959 wurde er Junioren-Europameister im Zweierbob. In den 60er und 70er Jahren produzierte er sechs Dokumentarfilme, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Auch als Kunstsammler machte sich Gunter Sachs einen Namen.

Drei Ehen in 60 Jahren

Die Frauen an seiner Seite waren nicht so zahlreich, wie sich aufgrund seines Rufes vermuten ließe. Elf Jahre vor seiner Hochzeit mit Sex-Symbol Brigitte Bardot im Jahr 1966 heiratete Gunter Sachs seine erste Frau Anne-Marie Faure, 1955 kam Sohn Rolf zur Welt. Faure starb drei Jahre später an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Die Ehe mit Bardot hielt nur drei Jahre, die beiden blieben einander aber zeitlebens verbunden. Mit seiner dritten Ehefrau, dem ehemaligen Fotomodell Mirja Larsson, lebte er bis zu seinem Tod mehr als 40 Jahre lang zusammen. Zusammen hat das Paar die Söhne Christian Gunnar, geboren 1971, und Claus Alexander, geboren elf Jahre später.

Warum Gunter Sachs keinen Ausweg mehr sah und sich in seinem Schweizer Haus in Gstaad offenbar erschossen hat, ist für die Öffentlichkeit schwer nachzuvollziehen. Bis zuletzt war der 78-Jährige umtriebig, erst im vergangenen Jahr waren seine Fotografien in einer großen Ausstellung im Tsaritsyno-Palast in Moskau zu sehen. Das Thema Selbstmord ist innerhalb der Familie Sachs aber nicht unbekannt: 1958 hatte sich der Vater von Gunter Sachs, der Industrielle Willy Sachs, das Leben genommen.

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