27. Januar 2010, 11:10 Uhr

Was Madonna übrig ließ

Kaum ist Guy Ritchie Madonna los, geht es wieder aufwärts mit der Karriere. Mit seinem Film "Sherlock Holmes" scheint der ehemalige Maurer und "britische Tarantino" wieder bei sich selbst angekommen zu sein. Allerdings sieht er schon etwas mitgenommen aus. Von Sophie Albers

Sherlock Holmes, Guy Ritchie, Madonna, Robert Downey Jr.

Guy Ritchie kämpft mit sich und seinen Filmen©

Er weiß es. Er weiß, dass die Leute, die ihn so ausgiebig betrachten, nach Zeichen suchen. Zeichen, die die berühmteste Frau der Welt an, auf und sicher auch in ihm hinterlassen hat. Zehn Jahre war der britische Regisseur Guy Ritchie mit Madonna zusammen. Siebeneinhalb davon verheiratet. Einen gemeinsamen Sohn haben sie auch. Ritchie kennt die Blicke. Zulassen will er sie trotzdem nicht.

Der Mann ist fleischgewordene Defensive. Der bollerige Kopf ist kahlrasiert, und der massige Körper platzt fast aus dem edlen Anzug, den er angezogen hat, um in Berlin sein neues Werk "Sherlock Holmes" zu präsentieren. Der Film nach der Ehe. "Bitte keine Fragen zu Madonna" ist mittlerweile eine Standardansage, wenn es um Guy Ritchie und Journalisten geht. Fragen muss man aber gar nicht. Das fleischige Gesicht ist ein Buch. Also lesen wir ein bisschen.

Ritchie ist das, was man in Großbritannien einen "Lad" nennt. Ein "echter Kerl" mit viel Testosteron, einbetonierten, eher traditionellen Ansichten und Freude an kleinen Raufereien nach dem täglichen Besuch in der Stammkneipe. Ritchie hat sogar einen eigenen Pub - "The Punch Bowl" im Londoner Nobelviertel Mayfair - allerdings gekauft von seiner Ex. Eine der tieferen Falten auf der breiten Stirn des 41-Jährigen.

Party mit Folgen

Schlaksig-wilde 29 war Ritchie, als er nach Jahren des professionellen Bauarbeitens und Austestens seines Filmtalents in Musik- und Werbespots seinen ersten Spielfilm drehte. "Bube, Dame, König, Gras" war ein Hit. Die Gangstergeschichte mit dem noch unbekannten Jason Statham und dem wie immer furchteinflößenden Fußballstar Vinnie Jones hat bei einem Budget von gerade mal 1,5 Millionen Dollar rund 25 Millionen eingespielt. Ritchie wurde zu Großbritanniens Antwort auf Quentin Tarantino ernannt und nach Hollywood verschifft, damit seine Gangster amerikanischer würden, um auch dem US-Publikum in die Taschen zu greifen. "Snatch" hieß der zweite Film, für den sich Brad Pitt einen irischen Akzent zulegte.

Sherlock Holmes, Guy Ritchie, Madonna, Robert Downey Jr.

Guy Ritchie und Madonna©

In diese Zeit fällt auch das folgenschwere Abendessen im Hause Sting. Dessen Tantra-Sex-geprüfte Gattin Trudie Styler stellte den jungen Regisseur dem größten Popstar der Welt vor. Und angeblich waren Ritchie und Madonna nach dieser Party unzertrennlich. Auch wenn er nicht drüber reden wollte. Kerl eben. Als nächstes war zu hören, dass dieser vormalige Maurer aus London die härteste Frau im Showgeschäft geschwängert habe. Sohn Rocco John kam am 11. August 2000 zur Welt. Geheiratet wurde am 22. Dezember im schottischen Hochland auf einem Schloss. Ritchie trug Kilt in den Farben der Macintoshs. Traditionen eben.

Auch dem Anfang von Ritchie und Madonna wohnte ein Zauber inne. Sie waren ein Team, ein "power couple", machten sich gemeinsam über die aufgeregte Presse lustig, drehten das brillante Video zu Madonnas Song "What it feels like for a Girl", und laut Ritchie ging es nicht "glücklicher". Auch wenn Klatsch und Tratsch ihn manchmal nervten.

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
Preston (27.01.2010, 20:42 Uhr)
so viel besser als Tarantino
Guy Ritchies Erstlingswerk schlägt "ulp Fiction" in jeder Beziehung:
es ist witziger - und zwar jede Sekunde
es ist irrsinnig spannend (bis zum Schluß)
und es kommt mit nur EINEM Star aus (im Gegensatz zu "Pulp Fiction", wo es vor Stars ja nur so wimmelt) - eben dem, bei dem sich Ritchie und Madonna kennenlernten: Sting (als Barbesitzer)
Und man kann es sogar auf deutsch anschauen (mit Martin Semmelrogge als Erzähler).
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