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18. Februar 2006, 14:29 Uhr

"Wir haben es blubbern lassen"

Deutschlands beliebtester Filmstar veröffentlicht diese Woche seine höchst indiskreten Memoiren. Mit dem stern sprach er schon vorab über Alkoholismus, Gruppensex, schlechte Filme und sein neues Leben.

Passion: Heiner Lauterbach, 52, mit seiner zweiten Frau Viktoria, 33© Cellina von Mannstein

Ein Mann wacht morgens nackt in einem Hotelbett auf. Aus dem Pornokanal des Fernsehers schallen Orgasmus-Laute einer Frau, die Sex mit zwei Männern hat. Neben ihm schläft eine Dunkelhaarige, die er noch nie gesehen hat. Am Boden liegen Schnapsflaschen, Damenslips, der Badezimmerspiegel, zusammengerollte Geldscheine - und der prominente Schauspieler XXXXX XXXXXXX*, der im Schlaf eine leere Flasche Gin umklammert. Auf dem Sofa liegt in Löffelstellung mit einer Blon- dine ein berüchtigter Hamburger Party-Veranstalter und schnarcht. Mit versagendem Kreislauf und wegen Panikattacken zitternd steht der Mann auf und trinkt erst mal einen Viertelliter Wodka aus der Flasche. Dann fragt er sich, wie seit Jahren schon: "Wie bin ich bloß zu diesem Wrack geworden?"

Herr Lauterbach, Absturz-Erlebnisse wie diese finden sich in Ihren diese Woche erscheinenden Memoiren zuhauf. Dazu kommen Straftatbestände wie Diebstahl und Körperverletzung sowie Erlebnisse in Gefängnissen, Bordellen und Swingerclubs. Wollen Sie nicht länger Deutschlands beliebtester Schauspieler sein?

Mein Leben bestand aus vielen Orgien, und in Memoiren muss man auch das Herbe erzählen. Ich habe vor fünf Jahren angefangen, meinem Sohn Oscar einen Brief zu schreiben, damit er später mal meinen langen Ritt auf einer Rasierklinge versteht. Dieser Brief wurde 700 Seiten lang und führte schließlich zu diesem Buch.

Ist es nicht ein wenig vorwitzig, schon mit 52 Memoiren zu veröffentlichen?

Vor fünf Jahren wusste ich nicht, wie viel Zeit mir noch verbleiben würde.

Sie schildern, wie Sie in einer Diskothek in Bochum mit Ihrem berühmten Kollegen XXXXXXXXXXXXX* einen Drogencocktail schlucken, in dem, wie Sie schreiben, "reichlich Heroin war". Haben Sie den Herrn um Erlaubnis gebeten, dieses Erlebnis publik machen zu dürfen?

Nö. Der ist da schmerzfrei. Der hat ja nun auch gerade andere bewegte Dinge an der Backe, über die man ihn befragen kann. Außerdem lebt der sonst gesundheitlich ziemlich solide.

Die Hitparade der indiskretesten Schauspieler-Memoiren wurde bislang von Rolf Zacher und Helmut Berger angeführt. Wie fühlt es sich an, da locker mithalten zu können?

Ich habe nicht alles dafür getan, um das Buch perfekt zu verkaufen. Mich selber schone ich wenig, aber bei anderen habe ich ein paar Sensationen weggelassen, um die Betreffenden nicht bloßzustellen. Außerdem bekam ich Drohbriefe von Rechtsanwälten. Da sind Leute vorsichtshalber in die Vorneverteidigung gegangen. Haben Sie eine Erklärung, wie der Hang zu Exzessen in Sie hineingekommen ist? Ich hatte Langeweile, also habe ich gesoffen und gehurt. Ich finde Leute grausig, die banale Gründe mit Tiefenpsychologie oder ihrer Mutti rechtfertigen und einen Scheiß sagen wie: "Mit dem Trinken bin ich vor mir selbst davongelaufen." Ich bin morgens um elf in die Kneipe gegangen und habe zwölf Stunden lang gesoffen. Das war teilweise extrem amüsant und teilweise ziemlich stumpfsinnig. Das bleibt nicht aus bei 10000 Besäufnissen. Saufen ist eben doch eine ziemlich banale Beschäftigung.

Gibt es in Ihrer Familie ein Alkoholiker-Gen?

Meine Tante und meine Mutter haben es früher ganz ordentlich krachen lassen, aber das war kein Alkoholismus. Es gibt den geborenen Alkoholiker, der dieser Krankheit verfällt, sobald er trinkt. Ich dagegen habe mich zehn Jahre lang zum Alkoholiker gesoffen und bin es 25 Jahre lang geblieben. Wenn Sie dann aufhören wollen, merken Sie, dass Ihr Körper den Alkohol braucht - und schon trinken Sie weiter, um von diesen höllischen Entzugsqualen runterzukommen.

Warum schwören Vieltrinker auf Wodka- Tonic?

Weil man da den Alkohol am wenigsten rausschmeckt. Ich wollte den Alkohol ja nie schmecken. Ich war auch nie ein Genusstrinker, der sich was aus guten Weinen macht. Ich war reiner Wirkungstrinker.

*Die betreffenden Namen werden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 8/2006

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