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Die lustigen Grimaldis

Sie regieren eine riesige Hochhaussiedlung am Meer. Sie sorgen für Scheidungen, Affären und andere Absurditäten. Gäbe es sie nicht schon, das Trash-TV müsste die Grimaldis erfinden.

Von Jens Maier

Cindy aus Marzahn würde sich hier wie zuhause fühlen. Gut, die Balkone sehen vielleicht nicht ganz so schäbig aus wie im Berliner Plattenbaubezirk, und es riecht im Hausflur eher nach Chanel No. 5 als nach altem Bratfett und Urin. Auch die Autos vor der Tür mögen um ein vielfaches teurer sein als die bespoilerten GTIs in der deutschen Hauptstadt, sind mit ihrer olivgrünen Mattfolie - der neueste Schrei unter Millionären - aber mindestens genauso prollig. In beiden Fällen werden sie meist von zwielichtigen Gestalten mit viel Radau um die Kurve gesteuert. Der Zweck ist immer der gleiche: auffallen um jeden Preis. Nur während die einen vor einer Spielhallenspelunke im Plattenbau vorfahren, parken die anderen auf dem noblen Casinoplatz. Ja, Monaco hat eine Menge gemein mit Berliner Hochhaussiedlungen. Und seine Bewohner trotz aller sozialer Unterschiede auch. Trash Deluxe regiert in Monaco.

Das beste Beispiel ist eine Familie, die mitten in der Betonwüste von Monaco wohnt. Zugegeben in einer etwas besseren Wohnlage als einem der aneinandergereihten Plattenbauten, mit eigenem Gärtchen und einer Aussicht, die weiter als nur in das Schlafzimmer des Nachbarn reicht. Dennoch scheint die Familie G. ein einzigartiger sozialer Brennpunkt zu sein. Sie sind so was wie die Kings in ihrem Kiez. Doku-Soaps würden sich die Finger nach ihnen lecken, denn absurder als die Realität dieser Familie können die Drehbücher bei RTL gar nicht sein. Es ist eine Geschichte, an der man sich beim Bügeln vor dem Fernseher ergötzen könnte: Alleinerziehender, schließlich versterbender Vater, seine drei Kinder und jede Menge Tragödien, Ehescheidungen, Affären und Absurditäten.

C.G. - ein Fall für die "Super-Nanny"

Da ist zum einen die Erstgeborene. "Es kommt mir vor, als hätte ich sie jeden Tag verprügelt", hatte die Mutter, die bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam, einst über sie gesagt. Caroline ist ein Problemkind - ein Fall für die "Super-Nanny". Sie feiert wilde Partys, lässt sich barbusig mit anderen Männern ablichten und heiratet ohne das Einverständnis ihrer Eltern mit 21 Jahren einen Mann, von dem sie sich nach nur zwei Jahren wieder scheiden lässt, da er sie betrügt. Als hätten Papi und Mami es nicht geahnt...

Nur drei Jahre später heiratet sie den Nächsten - wohl eher aus der Not heraus, denn Caroline ist schwanger. Die Ehe hält trotzdem, sie ist glücklich und bekommt zwei weitere Kinder. Doch dann kommt er auf tragische Weise bei einem Unfall ums Leben. Schließlich heiratet sie wieder, dieses Mal einen echten Prinzen. Tja, Prinzen sind auch nicht mehr, was sie sein sollen. Der entpuppt sich alsbald als Checker.

S. - die Giulia Siegel der 80er

Noch bunter als die Erstgeborene treibt es das jüngste Kind. Hätte sie nicht das Geld ihres Vaters, wäre sie schon längst in der Gosse gelandet. Sie ist die Giulia Siegel der 80er. Ihre Ausbildung bricht sie ab, sie eröffnet stattdessen erst ein Cafe und dann einen Jeansladen. Sie wird das, was man im Berliner Slang wohl als Ische bezeichnen würde, verdingt sich als Sängerin und haucht Irresistible. Ihr Liebesleben ist noch unsteter. Die Protagonisten von "S. in Love with ..." wechseln ständig. Mit erst 20 Jahren heiratet sie einen Meerschweinchenverkäufer - nachdem sie zwei Kinder mit ihm gezeugt hat. 15 Monate später schießt sie ihren Macker in den Wind. Stattdessen hüpfen bald ein Leibwächter, von dem sie ein Kind bekommt, ein Zirkusdirektor, ein Kellner und ein Gärtner durch ihr Bett, ehe sie 2003 einen Artisten heiratet. Dieses Mal hält die Ehe nur ganze 14 Monate.

A. und die Dauersendung "Fürstin gesucht"

Und da wäre schließlich der einzige Sohn. Als Kind macht er den Eltern kaum Sorgen. Während die Töchter rebellieren, tut er genau das, was Papa von ihm verlangt. Er studiert, macht eine Ausbildung beim Militär und nimmt als Bobfahrer sogar an Olympischen Spielen teil. Doch selbst das macht er - wie scheinbar alles - nur mit mäßigem Erfolg: Als beste Platzierung springt lediglich ein 25. Platz dabei heraus. Die Anerkennung seines Vaters bleibt ihm verwehrt. Obwohl er neben seinen renitenten Schwestern wie ein Mauerblümchen wirkt, entdeckt er, dass er eine Sache ganz gut kann: Frauen verführen. In Liebesaffären steht er seinen Schwestern in nichts nach. Mehr als 200 Eroberungen soll er gemacht haben. Dass er zwei uneheliche Kinder - von verschiedenen Frauen wohlgemerkt - hat, verheimlicht er vorsichtshalber. Denn Papa will geordnete Verhältnisse für seinen Sohn. Der soll endlich heiraten. Doch Sohnemann bleibt eisern Junggeselle - so eisern, dass sogar immer wieder Gerüchte aufkommen, er sei schwul.

Die Doku-Soap an der Côte d’Azur mutierte zur Castingshow. Doch "Fürstin gesucht" hat jetzt ein Ende. A., wer soll dein Herzblatt sein? Es ist C., die charmante Schwimmerin. Am kommenden Wochenende heiratet der Kiez-King die Immigrantin aus Südafrika. Und natürlich sind alle zu der großen Feier bei ihm zuhause eingeladen. 25.000 Nachbarn mit Migrationshintergrund wollen kommen - und das ganz ohne Facebook. Vorher haben die G.s allerdings noch einmal ihre Entertainment-Qualitäten unter Beweis gestellt. "Extra - die Braut, die sich nicht traut", soll als Sondersendung bereits geplant gewesen sein. Die charmante Schwimmerin sei hinter die Frauengeschichten ihres künftigen Mackers gekommen, hieß es.

So ahnen wir: Wenn die Traumhochzeit gefeiert sein wird, wird noch lange keine Ruhe einkehren. Stoff für viele weitere Dokusoaps wäre garantiert.

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