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"Schwuchteln haben keine Chance"

Sie dürfen alles, nur nicht schwul sein: Homosexuelle Schauspieler in Hollywood führen meist ein Doppelleben. Schuld daran sind nicht nur homophobe Agenten, sondern auch die Zuschauer.

Von Andreas Renner, Los Angeles

  Einer der wenigen geouteten Hollywoodstars: Neil Patrick Harris mit seinem Ehemann David Burtka bei der Oscar-Verleihung

Einer der wenigen geouteten Hollywoodstars: Neil Patrick Harris mit seinem Ehemann David Burtka bei der Oscar-Verleihung

Ist er es nun, oder nicht? Liebt George Clooney trotz Traumhochzeit mit der Anwältin Amal Alamuddin eigentlich Männer? Dass Frauenschwarm Clooney schwul sein soll, ist seit vielen Jahren eines der hartnäckigsten Gerüchte in Hollywood. Der schöne George ist aber nicht der einzige, dem ein Doppelleben nachgesagt wird. Die Liste der angeblich schwulen Stars ist lang und reicht bis hin zu berühmten Schauspielern, die seit Jahren verheiratet sind.

Warum halten so viele Stars ihre Homosexualität penetrant unter Verschluss, ja verleugnen sich sogar? Und das in einem Zeitalter, in dem selbst im prüde angehauchten Amerika in immer mehr Bundesstaaten gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen? Die Organisation GLAAD (Gay& Lesbian Alliance Against Defamation) glaubt die Antwort zu kennen: "Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle sind vielfach noch immer nicht gleichgestellt, weder in Hollywood noch in der Gesellschaft. Sie werden benachteiligt und sehen sich großen Karrierebarrieren gegenüber."

Die Diskussionen darüber, wie offen ein Star mit seiner Sexualität umgehen sollte, werden dieser Tage wieder lauter in Hollywood. Am 21. März findet in Los Angeles die Preisverleihung der "GLAAD Media Awards" statt. Eine Veranstaltung, bei der Preisträger wie Kerry Washington und der deutsche Regisseur Roland Emmerich als Lautsprecher für die Gleichstellung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen fungieren werden. So, wie es vor ihnen schon Drew Barrymore, Janet Jackson, Charlize Theron oder Antonio Banderas getan haben. Trotz ihres Engagements ist Hollywood hinter den Kulissen eine homophobe Hochburg.

Schwulen wird die Heterorolle nicht abgekauft

"Schwuchteln haben keine Chance in dieser Stadt", sagt ein erfahrener Agent abfällig, der namentlich nicht genannt werden möchte. Seine Begründung: Homosexuelle Männer für heterosexuelle Rollen zu vermitteln, sei nahezu unmöglich. Es klingt paradox, aber angeblich nehme der Zuschauer den Schauspielern - seien sie noch so begnadet - ihre Heterorolle nicht ab. Damit sind offen schwul lebende Schauspieler für die profitorientierten Agenten nicht interessant, weil sie aufgrund mangelnder Rollenangebote kaum Rendite brächten. Vor allem bei der Zielgruppe der weiblichen Teenager sei ein Coming-out schlecht fürs Geschäft. Schließlich sollen die jungen Mädchen glauben dürfen, dass ihr Idol sie später heiraten wird. Also muss der schöne Schein aufrechterhalten werden: mit Vorzeigeehen und PR-wirksamen Fotos, die eine Hetero-Idylle vorgaukeln.

Beispiele wie Ellen DeGeneres oder der diesjährige Oscar-Moderator Neil Patrick Harris könnten als Rollenmodelle dienen. Sie leben offen homosexuell und haben trotzdem eine erfolgreiche Hollywood-Karriere. Doch leider gibt es auch viele Negativbeispiele. Wentworth Miller bekam seit dem Ende der Erfolgsserie "Prison Break" keine wirklich attraktiven Rollenangebote mehr. Rupert Everett galt einst als große Hollywood-Hoffnung, seit seinem Coming-out reicht es nur noch für Gastauftritte bei "Rosamunde Pilcher"-Produktionen.

"Hollywood ist sehr verlogen, wenn es um das Thema Homosexualität geht. Ich könnte stundenlang Geschichten erzählen über die homophoben Erfahrungen, die ich gemacht habe in der Filmindustrie von Los Angeles", sagt Everett. Selbst die Oscar nominierte Schauspielerin Ellen Page ("Juno") tut sich seit ihrem Coming-out schwer mit vernünftigen Angeboten. In ihrem neuen Film "Freeheld" ist sie - ganz Klischee - als die lesbische Lebenspartnerin von Julianne Moore besetzt.

Roland Emmerich setzt ein Zeichen

Die Streitfrage "Coming-out, ja oder nein?", geht in Hollywood in die nächste Runde, zumal die GLAAD-Awards am 21. März und der Internationale Tag gegen Homophobie am 17. Mai neuen Diskussionsstoff und engagierte Reden von prominenten Fürsprechern gegen Homophobie in Hollywood liefern werden. Auch Roland Emmerich möchte mit seinem nächsten Film "Stonewall" ein Zeichen setzen. Der Streifen erzählt von der Geburtsstunde der Schwulenrechte in Amerika im Juni 1969, als die Bar "Stonewall Inn" in New York City von der Polizei brutal gestürmt wurde und die Szene sich erstmals wehrte gegen die Unterdrückung. "Es war einer dieser bedeutenden Momente für die Menschenrechte in Amerika, aber im Gegensatz zum Protest von Leuten wie Rosa Parks ist recht wenig bekannt über die Vorgänge damals in New York. Vielleicht hilft der Film jungen Homosexuellen mit der eigenen Situation leichter umzugehen", erklärt Emmerich seine Motivation für den Film.

Während Emmerich für einen offenen Umgang mit der eigenen Sexualität wirbt, hat Hollywood-Altstar Richard Chamberlain, der während seiner Karriere stets sein Schwulsein zu vertuschen versuchte, eine ganz andere Haltung: "Ich rate schwulen Hauptdarstellern ab sich zu outen, um das Publikum nicht zu verwirren mit der eigenen Homosexualität." Sein Kollege Ian McKellen hingegen, seit Jahren offen schwul, sieht es "an der Zeit, dass junge Schauspieler dazu stehen, dass sie schwul oder lesbisch sind. Schwer ist es immer, weil die Gesellschaft es einem schwer macht. Aber wir sollten es endlich nicht mehr als Skandal betrachten, wenn jemand einen gleichgeschlechtlichen Menschen liebt."

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