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Playboy-Schwerenöter in schwerer Not

Mein Haus, mein Geld, meine Gespielinnen: Wo Hugh Hefner auftaucht, wirft er mit Statussymbolen um sich. Doch inzwischen plagen den 83-Jährigen Geldsorgen. Sein Playboy-Imperium schwächelt, aus seiner Villa flüchten die Bunnys und der Putz bröckelt.

Von Ulrike von Bülow, New York

  • Ulrike von Bülow

Kürzlich bekam Hugh Hefner Besuch, ein Reporter der "New York Times" schaute in seiner berühmten Villa vorbei, dem "Playboy Mansion" in Los Angeles. Mr. Hefner trug einen seiner typischen Seiden-Pyjamas und bat in sein Büro. Er nahm auf einem etwas abgewetzten Sessel Platz, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Der Reporter stellte ein paar Fragen, besser gesagt: Er rief sie ihm zu, denn der Hausherr hört nicht mehr besonders gut. Etwa wollte er wissen, ob Mr. Hefner hin und wieder mal über den Tod nachdenke, in seinem Alter, mit 83? "In einem Wort", antwortete der: "Nein."

Hugh Hefner ist ja doch sehr umtriebig: Der legendäre Gründer des "Playboy" arbeitet noch immer an seinem Magazin, full-time, er fliegt nach Europa, nach Las Vegas, wirft Viagra ein und besucht Nachtklubs (mit seinen Bunnys, seinen drei Gespielinnen, die dem Alter nach auch seine Urenkelinnen sein könnten) und bastelt mit dem Hollywood-Produzenten Brian Grazer an einem Film über den Playboy Nummer eins - sich selbst. "Ich erlebe eine der besten Zeiten meines Lebens", sagt Hugh Hefner und grinst. Es ist nur nicht ganz einfach, ihm so etwas abzunehmen.

Es gab durchaus Zeiten, in denen es besser lief für Hugh Hefner, zumindest geschäftlich. Der Konzern "Playboy Enterprises" ächzt und stöhnt. Der "Playboy" leidet schon länger unter den Veränderungen in der Medienlandschaft, die das Internet mit sich gebracht hat, und nun kämpft er auch noch mit der Wirtschaftskrise. Vergangene Woche verkündete das Magazin, dass es seine garantierte Auflagezahl von 2,6 Millionen auf 1,5 Millionen zurückschraubt. "Playboy Enterprises" hat in den vergangenen sieben Quartalen Verlust gemacht, es ist sogar schon die Rede davon, dass die Firma verkauft werden könnte: Es heißt, man sei offen für Übernahmeangebote. Obwohl das stets für unmöglich gehalten wurde: Wenn er den "Playboy" verkaufen würde, betonte Hugh Hefner Zeit seines Herausgeber-Daseins, "wäre mein Leben vorbei".

Den "Playboy" gibt es seit 56 Jahren, und Hugh Hefner war und ist sein bestes Aushängeschild, mit all den jungen Damen an seiner Seite, barbieblond und drall. Auch wenn das Magazin größtenteils in Chicago produziert wird, Hefner ist maßgeblich involviert: Er gibt jedes Playmate, jedes Titelbild, jeden Comic und jeden Leserbrief frei - von zuhause in Los Angeles, aus seinem Büro oder aus seinem Bett, das einst von einer Pelzdecke geziert wurde, für die ein paar tasmanische Opossums sterben mussten, nun aber von einem einfachen roten Samtüberwurf geschmückt wird.

Hugh Hefner sagt in Gesprächen gern, dass er keine Geldprobleme habe. Doch das "Los Angeles Business Journal" schrieb schon vor einem Jahr, dass das Personal in seiner Villa gekürzt wurde. Man kann mittlerweile Tickets kaufen - bis zu 10.000 Dollar pro Stück - für seine berühmt-berüchtigten Partys, die zu der Marke "Playboy" gehören wie die Bunnys, ehemals aber nur mit einer exklusiven Einladung zu erreichen waren. Wer das "Playboy Mansion" kennt, sagt, es habe schon bessere Zeiten gesehen, es rieche ein bisschen muffig, die berühmte Grotte mit den vielen Whirlpools verströme eher den Duft eines Zoogeheges als den eines Lustpalastes. Ein paar seiner ehemaligen Mitbewohnerinnen haben Hugh Hefner zuletzt in Interviews und in einem Buch als Kontrollfreak beschrieben, der ihnen vorgeschrieben habe, wann sie abends zuhause zu sein hätten - nämlich um 21 Uhr.

Im vergangenen März, der Immobilien-Markt in den USA war längst zusammen gebrochen, wollte Hugh Hefner das Haus seiner Gattin verkaufen, die neben seiner Villa steht; er verlangte dafür 28 Millionen Dollar, bekam letztlich aber nur 18 Millionen Dollar. Seine Gattin, das ist Kimberly Conrad Hefner, von der Hugh Hefner seit 1998 getrennt lebt. Im September nun reichte er die Scheidung ein. Woraufhin sie ihn anzeigte: Kimberly Conrad Hefner behauptet, Hugh Hefner schulde ihr noch vier Millionen Dollar aus einer vorehelichen Abmachung, außerdem möchte sie Anteile aus dem Verkauf des Hauses.

Ihre Nachfolgerin Holly Madison, die sieben Jahre mit Hugh Hefner zusammen lebte, trennte sich im vergangenen Herbst von ihm. Es sei an seiner Seite "nicht immer so aufregend, wie die Leute denken", sagte Miss Madison damals. Derweil Mr. Hefner verkündete, Frauen aus aller Welt würden ihm schreiben, ihn anbetteln, bei ihm einziehen zu dürfen. "Sie sind über die Zäune geklettert!", sagte er - und suchte sich drei neue Gespielinnen: Crystal Harris, 23, und die Zwillinge Kristina und Karissa Shannon, beide 20. Und so lange das noch geht, ist die Welt für Hugh Hefner vermutlich völlig in Ordnung.

Nun soll auch die Kasse wieder klingeln, der Ober-Playboy präsentiert das Beste aus seinem Leben: Im Taschen-Verlag ist seine Biografie erschienen, zusammengestellt aus seinen über 2000 Tagbüchern, in denen Hugh Hefner von der ersten Bücherhallenkarte bis zum selbst gemalten Comic alles gesammelt hat. Zudem gewährte Hefner der Dokumentar-Filmerin Brigitte Bermann Einlass in seine Welt - für deren Werk "Hugh Hefner: Playboy, Aktivist und Rebell", das kürzlich beim Toronto Filmfestival Premiere feierte. Und dann ist da ja noch der Hollywood-Film des Brian Grazer über Mr. Hefner: Diablo Cody, Autorin von "Juno", schreibt schon am Drehbuch, Robert Downey Jr. hat sich für die Hauptrolle beworben. Im Pyjama.

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