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11. Oktober 2009, 08:58 Uhr

Kampf der Talkmaster

David Letterman hat Sex mit Angestellten, und Jay Leno bleiben die Superstars weg. Amerikas Late-Night-Talker stecken in einer schweren Krise. Und fallen sich auch noch gegenseitig in den Rücken. Von Frank Siering, Los Angeles

David Letterman, Conan O'Brien, Jay Leno, Talkmaster, late night

Außerehelicher Sex ist gut für die Quote: David Letterman© Jim Watson/AFP

Jay Leno konnte einfach nicht widerstehen: "Auch ich wurde schon erpresst", gab der bekannteste Late-Night-Talker Amerikas in seinem Eröffnungsmonolog zum Besten. "Wie sonst, glauben Sie, hat NBC mich überreden können, meine Show schon um 22 Uhr zu senden." Und sofort haut er noch einmal in die gleiche Kerbe des dubiosen Sexerpressungs-Skandals seines Show-Konkurrenten David Letterman. "Wenn Sie heute Abend eingeschaltet haben, um Sex mit dem Gastgeber zu sehen, dann muss ich Sie enttäuschen."

Das sitzt - und bringt Quote. Quote, die der König aller Night-Talker dringend nötig hat. Denn seitdem Leno bei seinem Sender NBC die berühmte "Jay Leno Show" um eineinhalb Stunden vorverlegt hat, gibt es nicht nur ein Quotentief nach dem anderen zu vermelden. Es gibt auch ordentlich Ärger hinter den Kulissen. Und daran ist der derzeitige Arbeitgeber von David Letterman nicht ganz unschuldig.

Die "Los Angeles Times" berichtete unlängst, dass die Konkurrenz-Anstalten ABC und auch CBS (Heimat von David Letterman) versuchen, ihre unter Vertrag stehenden Serienstars von der Gästecouch Lenos fernzuhalten. "Boykott für Leno" titelte die Zeitung. Und der Strahlemann mit dem großen Kinn hat tatsächlich Anlaufschwierigkeiten mit dem neuen Sendeformat. "Leno sendet jetzt in der Prime Time. Hier verdienen die Sender das meiste Geld. Und zu dieser Sendezeit müssen wir unsere Territorien verteidigen, damit die Werbeeinnahmen weiter fließen", zitiert die "Los Angeles Times" eine Quelle aus der Studio-Geschäftsleitung.

Schlacht um die Prime Time

Prominenter Gegenspieler von Jay Leno ist John Wells. Der hat immerhin Shows wie "Emergency Room" und "The West Wing" produziert. Wells sieht in der Vorverlegung der Leno-Show in die Prime Time einen "direkten Angriff auf Arbeitsplätze". Durch die beliebte Talksendung, so glaubt Wells, "verlieren gute Autoren, die für TV-Serien schreiben sowie zahlreiche Crew-Mitglieder ihre Jobs", denn Leno blockiere die Sendezeit, die traditionell den Serien gehöre.

Jay Leno hat derzeit rund sechs Millionen Zuschauer am Abend. Das sind im Durchschnitt rund zwei Millionen weniger als in der ersten Woche der neuen Sendestaffel. Dennoch: Die NBC-Bosse sagen mit leichtem Zweckoptimismus, dass sie mit den Quoten und auch mit den Gästen zufrieden sind. Tom Cruise, Drew Barrymore, Mel Gibson und auch Cameron Diaz und Jerry Seinfeld saßen schon neben Leno im Sessel. Der angebliche ABC- und CBS-Boykott scheint also bisher einigermaßen abgefedert werden zu können. Die Frage bleibt allerdings: Wie lange noch?

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