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Tom Cruise als irrer Heils-Prediger

Als ob Tom Cruise nicht schon genug Ärger hätte, ist nach dem Erscheinen der kontroversen Biografie des britischen Autors Andrew Morton nun auch noch ein internes Scientology-Video aufgetaucht. Es zeigt den Superstar als irren Prediger.

Von Jörg Isert

  • Jörg Isert

Ein Superstar als Unfallhelfer: "Als Scientologe schaut man jemanden an - und weiß mit Sicherheit, dass man ihm helfen kann. Wenn ein Scientologe an einem Unfallort vorbeifährt, ist es nicht so, als würde irgendwer daran vorbeifahren. Man weiß, dass man etwas machen muss. Weil man weiß, dass man der einzige ist, der wirklich helfen kann." Große Worte von Tom Cruise. Die Zitate stammen von einer Scientology-Veranstaltung im November 2004, als Cruise für sein Wirken und Werkeln für die umstrittene Organisation ausgezeichnet wurde, und sind jetzt als Video im Internet verbreitet worden.

Was zu sehen ist, mutet seltsam an. Cruise preist seinen Glauben mit einer Inbrunst an, mit der er ansonsten seine Filme bewirbt. "Ich denke, dass es ein Privileg ist, sich Scientologe nennen zu dürfen. Es ist etwas, das man sich verdienen muss. Als Scientologe hat man die Fähigkeit, neue und bessere Gegebenheiten zu schaffen. Bedingungen zu verbessern." Der Star, gekleidet im schwarzen Rolli, schwadroniert weiter: "Das ist es, was mich vorantreibt. Ich weiß, dass wir die Möglichkeit haben, das Leben der Menschen nachhaltig zu verändern, und dem habe ich mich verschrieben. Und zwar kompromisslos mit Leib und Seele." Und warum erklärt Cruise auch noch: "Wir sind die oberste Instanz des Geistes."

Cruise Vorbild ist Scientolgys Nummer 1

Während die "Mission: Impossible"-Titelmusik munter im Hintergrund dudelt, erläutert Cruise: "Wir können Kriminelle wieder in die Gesellschaft eingliedern. Wir können Frieden schaffen und die Kulturen vereinen." Ziemlich verbissen macht sich der Star für die Ansichten seiner Gruppe stark - und klatscht zur Unterstützung seiner Argumentation mit der Faust in die Hand. Schnalzt mit dem Finger, um seine Mission an die Zuschauer zu bringen. Ganz nach dem Vorbild des weltweit mächtigsten Scientologen, David Miscavige.

Der Inhalt des Videos ist eigentlich nichts Neues - man kennt das alles bereits: Scientology sei die oberste Instanz, wenn es darum gehe, Menschen von Drogen zu befreien. Und so weiter. Aber faszinierend ist der Auftritt doch. Höhepunkt der Power-Performance: An zwei Stellen lacht der scientologische Action-Hero wie von Sinnen, während er mit organisations-üblichen Abkürzungen um sich wirft. Von einem Verfahren namens Käi-Es-Dablju ist die Rede. Hört sich nach Kentucky Fried Chicken an, steht aber für "Keep Scientology Working": Schriftliche Prinzipien, um die Organisation am Laufen zu halten. "Es geht darum, sich KSW immer wieder durchzulesen und zu überlegen, was getan werden muss. Am Schluss geht es nur noch um die Frage: Werde ich mich danach richten oder werde ich mich nicht danach richten? Punkt." Und noch mal einer: "Entweder Du bist mit an Bord. Oder Du bist nicht mit an Bord. Okay? Und wenn Du mit an Bord bist, bist Du wie der Rest von uns mit an Bord. Punkt." Punkt.

Psychiater als Feindbild

In der neuen Deutschland-Zentrale von Scientology in Berlin waren im vergangenen Jahr weitere Ausschnitte aus dem abgefahrenen Interview zu sehen. Im ersten Stock neben dem Andachtsraum konnten Mitglieder der Gruppe ein Video anklicken, in dem Cruise über das große Scientology-Feindbild sprach: Psychopharmaka und Psychiater. Deren Herrschaft müsse niedergeschlagen werden, so der Schauspieler sinngemäß. Ob das Video, in dem Deutschland auch als "Land der Intoleranz" gebrandmarkt wurde, noch in der Berliner Zentrale zu sehen ist, ist nicht bekannt.

Während das jetzt aufgetauchte Video zunächst auf diversen Sharing Sites zu sehen war und da schnell wieder verschwand - offenbar auf Veranlassung von Scientology - ist es nun dauerhaft auf der US-Website gawker.com eingestellt. "Der Film hat eindeutig einen nachrichtlichen Wert - und wir werden ihn nicht aus unserem Angebot entfernen", so Gawker-Betreiber Nick Denton. Von Scientology bekam Cruise nach dem sensationellen Videoauftritt im Herbst 2004 übrigens allen Ernstes die "Freiheitsmedaille für Heldenmut". Mit Preisen für Courage hat er also schon Erfahrung.

Am Ende des Promotionfilms verkündet ein Sprecher aus dem Off, dass dank des Einsatzes von Tom Cruise die scientologische Botschaft schon mehr als eine Milliarde Menschen erreicht habe. Es folgt der finale Satz: "Und das ist erst der Anfang." Nach diesem Film muss man das als Drohung verstehen. Dass Cruise bei der Auswahl des Filmprojekts "Valkyrie" über das Attentat auf Hitler durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg keine Hintergedanken hatte, darf zudem vorsichtig bezweifelt werden.

Eine australische Newssite meint bereits: "Wir wussten ja schon immer, dass Tom Cruise einen Vogel hat. Aber dieses Video ist wirklich gruselig." Und die Online-Seite der britischen "Times" bewertet den Auftritt als noch seltsamer, als es Cruises durchgeknallte öffentliche Liebeserkärung an Katie Holmes war. 2005 war der Star in einer Fernsehsendung liebestrunken auf einem Sofa herum gesprungen. "Der Junge dreht durch" meinte die amerikanische Talk-Show-Queen Oprah Win¬frey damals. Spätestens jetzt ist es soweit.

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    Wie heißt der Film?
    Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

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