Tom Cruise als irrer Heils-Prediger

16. Januar 2008, 20:23 Uhr

Als ob Tom Cruise nicht schon genug Ärger hätte, ist nach dem Erscheinen der kontroversen Biografie des britischen Autors Andrew Morton nun auch noch ein internes Scientology-Video aufgetaucht. Es zeigt den Superstar als irren Prediger. Von Jörg Isert

Seit Jahren macht die Scientology-Mitgliedschaft von Tom Cruise Schlagzeilen©

Ein Superstar als Unfallhelfer: "Als Scientologe schaut man jemanden an - und weiß mit Sicherheit, dass man ihm helfen kann. Wenn ein Scientologe an einem Unfallort vorbeifährt, ist es nicht so, als würde irgendwer daran vorbeifahren. Man weiß, dass man etwas machen muss. Weil man weiß, dass man der einzige ist, der wirklich helfen kann." Große Worte von Tom Cruise. Die Zitate stammen von einer Scientology-Veranstaltung im November 2004, als Cruise für sein Wirken und Werkeln für die umstrittene Organisation ausgezeichnet wurde, und sind jetzt als Video im Internet verbreitet worden.

Was zu sehen ist, mutet seltsam an. Cruise preist seinen Glauben mit einer Inbrunst an, mit der er ansonsten seine Filme bewirbt. "Ich denke, dass es ein Privileg ist, sich Scientologe nennen zu dürfen. Es ist etwas, das man sich verdienen muss. Als Scientologe hat man die Fähigkeit, neue und bessere Gegebenheiten zu schaffen. Bedingungen zu verbessern." Der Star, gekleidet im schwarzen Rolli, schwadroniert weiter: "Das ist es, was mich vorantreibt. Ich weiß, dass wir die Möglichkeit haben, das Leben der Menschen nachhaltig zu verändern, und dem habe ich mich verschrieben. Und zwar kompromisslos mit Leib und Seele." Und warum erklärt Cruise auch noch: "Wir sind die oberste Instanz des Geistes."

Cruise Vorbild ist Scientolgys Nummer 1

Während die "Mission: Impossible"-Titelmusik munter im Hintergrund dudelt, erläutert Cruise: "Wir können Kriminelle wieder in die Gesellschaft eingliedern. Wir können Frieden schaffen und die Kulturen vereinen." Ziemlich verbissen macht sich der Star für die Ansichten seiner Gruppe stark - und klatscht zur Unterstützung seiner Argumentation mit der Faust in die Hand. Schnalzt mit dem Finger, um seine Mission an die Zuschauer zu bringen. Ganz nach dem Vorbild des weltweit mächtigsten Scientologen, David Miscavige.

Der Inhalt des Videos ist eigentlich nichts Neues - man kennt das alles bereits: Scientology sei die oberste Instanz, wenn es darum gehe, Menschen von Drogen zu befreien. Und so weiter. Aber faszinierend ist der Auftritt doch. Höhepunkt der Power-Performance: An zwei Stellen lacht der scientologische Action-Hero wie von Sinnen, während er mit organisations-üblichen Abkürzungen um sich wirft. Von einem Verfahren namens Käi-Es-Dablju ist die Rede. Hört sich nach Kentucky Fried Chicken an, steht aber für "Keep Scientology Working": Schriftliche Prinzipien, um die Organisation am Laufen zu halten. "Es geht darum, sich KSW immer wieder durchzulesen und zu überlegen, was getan werden muss. Am Schluss geht es nur noch um die Frage: Werde ich mich danach richten oder werde ich mich nicht danach richten? Punkt." Und noch mal einer: "Entweder Du bist mit an Bord. Oder Du bist nicht mit an Bord. Okay? Und wenn Du mit an Bord bist, bist Du wie der Rest von uns mit an Bord. Punkt." Punkt.

Psychiater als Feindbild

In der neuen Deutschland-Zentrale von Scientology in Berlin waren im vergangenen Jahr weitere Ausschnitte aus dem abgefahrenen Interview zu sehen. Im ersten Stock neben dem Andachtsraum konnten Mitglieder der Gruppe ein Video anklicken, in dem Cruise über das große Scientology-Feindbild sprach: Psychopharmaka und Psychiater. Deren Herrschaft müsse niedergeschlagen werden, so der Schauspieler sinngemäß. Ob das Video, in dem Deutschland auch als "Land der Intoleranz" gebrandmarkt wurde, noch in der Berliner Zentrale zu sehen ist, ist nicht bekannt.

Während das jetzt aufgetauchte Video zunächst auf diversen Sharing Sites zu sehen war und da schnell wieder verschwand - offenbar auf Veranlassung von Scientology - ist es nun dauerhaft auf der US-Website gawker.com eingestellt. "Der Film hat eindeutig einen nachrichtlichen Wert - und wir werden ihn nicht aus unserem Angebot entfernen", so Gawker-Betreiber Nick Denton. Von Scientology bekam Cruise nach dem sensationellen Videoauftritt im Herbst 2004 übrigens allen Ernstes die "Freiheitsmedaille für Heldenmut". Mit Preisen für Courage hat er also schon Erfahrung.

Am Ende des Promotionfilms verkündet ein Sprecher aus dem Off, dass dank des Einsatzes von Tom Cruise die scientologische Botschaft schon mehr als eine Milliarde Menschen erreicht habe. Es folgt der finale Satz: "Und das ist erst der Anfang." Nach diesem Film muss man das als Drohung verstehen. Dass Cruise bei der Auswahl des Filmprojekts "Valkyrie" über das Attentat auf Hitler durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg keine Hintergedanken hatte, darf zudem vorsichtig bezweifelt werden.

Eine australische Newssite meint bereits: "Wir wussten ja schon immer, dass Tom Cruise einen Vogel hat. Aber dieses Video ist wirklich gruselig." Und die Online-Seite der britischen "Times" bewertet den Auftritt als noch seltsamer, als es Cruises durchgeknallte öffentliche Liebeserkärung an Katie Holmes war. 2005 war der Star in einer Fernsehsendung liebestrunken auf einem Sofa herum gesprungen. "Der Junge dreht durch" meinte die amerikanische Talk-Show-Queen Oprah Win¬frey damals. Spätestens jetzt ist es soweit.

Mehr über Cruise und Scientology

Mehr über Cruise und Scientology ... lesen Sie im aktuellen stern. Dort finden Sie auch ein Interview mit Andrew Morton, der eine Biografie über Cruise geschrieben hat.

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KOMMENTARE (10 von 29)
 
aeternitas (19.01.2008, 11:12 Uhr)
@mydia82
"dafür existiert die christliche Kirche schon ziemlich lange"
ja, aber wie:
- die Urchristen
- die Katholische Kirche
- die evangelische (Landes-)Kirche
- die Methodisten
- die Lutheraner
- die Baptisten
- die Adventisten des 7. Tages
- diese ganz abgefahrenen strengen Ausprägungen, von denen ich gar nicht alle Namen weiß
Jede Zeit hat ihre eigenen Ausprägungen hervorgebracht. Von denen, die sich in Überzeugung (Verzweiflung) an die wortwörtliche Überlieferung halten bis hin zu denen, wie die evangelische Landeskirche (mit einer geschiedenen Bischöfin in Niedersachsen), die liberal sind (Scheidung, Homosexualität, außerehelicher Sex, außereheliche Kinder, Abtreibung etc. etc.)findet man so ziemlich alles unter dem Oberbegriff "christliche Kirche".
Zu alen, die denken, dass Scientirgendwas *G* ungefährlich ist, und wir in Deutschland nur hysterisch oder sonstwie verblendet sind: Dann vergleicht einfach mal, wie die Aussteiger aus der jeweiligen Glaubensgemeinschaft drauf sind. Manche, die aus einer der christlichen Gemeinden ausgetreten sind, mögen vielleicht verbittert sein, aber sie werden bei weitem nicht so fertig sein, wie die Ex-Scientologen, die psychisch am Ende sind und teilweise sogar um ihr Leben fürchten, die ihre Familie (sofern sie auch Mitglied bei dem Verein sind) niemals wieder sehen dürfen... ich denke DARAN sieht man, ob eine Vereinigung gefährlich ist. Jede seriöse Glaubensgemeinschaft lässt ihre Mitglieder ziehen, ohne, dass sie sich fürchten müssen. Und jedem steht es frei, sich ganz einfach bei Mitgliedern der Gemeinde zu melden, mit denen man noch Kontakt haben will. Ich persönlich finde es gut, dass Deutschland bei Scientology so streng ist, und ich hoffe, dass sie sich davon nicht abbringen lassen.
tintones (18.01.2008, 20:16 Uhr)
Tom Cruise wirbt für Scientology
> '... you can just see the look in her eyes' ...<
Er uebt vorm Spiegel.
Eigentlich ists eine Blendax Vorsprechprobe. Den job kann er haben. 'Will you marry me', fehlt noch.
Sandmaennche (18.01.2008, 19:38 Uhr)
Beleidigung
Dieser Leserbrief beleidigt andere.
MfG M. K.
H.P. (18.01.2008, 13:53 Uhr)
Glaube und Religion
Glaube und Religion ist kein MUSS. Jeder Mensch sollte frei entscheiden können.
Wenn eine Staatsform demokratisch vom Volke gewählt wird, ohne Manipulation durch bestimmte politische Heilprediger, die bewusst die Medien auf ihrer Seite haben, ist es OK. Wir haben heute viele Heilprediger, religiös wie politisch, die das Volk bewusst manipulieren und ausbeuten, deshalb wird selbst unsere heutige Staatsform auf Dauer kein Bestand haben und wird einer anderen Staatsform Platz machen müssen, dem Volk wird heute mehr und mehr bewusst das es manipuliert und ausgebeutet wurde und wird. Es sind nicht nur die Religionen die den Menschen Schaden zufügen. Wenn die Kirche nicht mehr in der Lage ist den Menschen zu helfen, nur noch an ihr eigenes Wohl denkt, wird selbst die Kirche kein ewiger Bestand haben und wird aufgelöst.
bR4iNST0RM (18.01.2008, 11:25 Uhr)
@ H.P.
Vielleicht habe ich mich nicht deutlich Ausgedrückt: die Leute die Glauben wollen, sollen das auch tun! Das ist mir völlig Lachs! Und ich möchte niemandem meine Meinung aufbügeln. Ich möchte einzig und alleine die Feststellung darstellen, dass „die Kirche“ nichts anderes ist, als eine „Firma“ die nach dem Leitsatz „der Rubel muss rollen“ arbeitet. UND ich prangere die Maschen der „Bekehrer“ an, da der Glaube an sich Freiwillig ist und sein muss! So ein Beispiel aus Bayern: Ein Bekannter MUSSTE!! vom evangelischen zum katholischen Glauben konvertieren, damit er einen Job als Lehrer anfangen konnte! Was bitte hat der Glaube mit dem auszuübenden Beruf zu tun?? So etwas darf es nicht geben! Das nennt sich Diskriminierung!
Das von Ihnen (H.P.) aufgeführte Beispiel Staat ist nur bedingt Freiwillig und damit muss man leben! Erst im laufe des Lebens kann man unter großer Anstrengung eine andere Form des Staates wählen, welche einem eher entspricht. Aber im Gegensatz zur Theologie ist die Staatsform, welche auch immer, faktisch und menschlich greifbar!
Vielleicht habe ich mich jetzt etwas deutlich ausgedrückt. :)
mydia82 (18.01.2008, 09:48 Uhr)
@ H.P.
Dafür existiert die christliche Kirche aber schon verdammt lange...
H.P. (18.01.2008, 09:24 Uhr)
Nenne mir eine Religion, Kirche oder Staatsform, die für alle gültig ist
@Glauben kann man Heutzutage am Ehrlichsten ohne „Kirche“.
Mag sein das dies für viele Menschen zutrifft nur nicht für alle, auch hier willst Du Mensch davon überzeugen so zu denken wie Du es siehst. Nenne mir eine Religion, Kirche oder Staatsform, die für alle gültig ist und immer korrekt war und ist, Du wirst nicht eine einzige finden. Jeder lebt und denk halt anders. Alles was schadet und übertrieben wird, wird nicht auf Dauer bestehen können. Weil wir Menschen dagegen rebellieren.
mydia82 (18.01.2008, 09:12 Uhr)
christliche Grundzüge
ich schließe mich da einfach mal bR4iNST0RM an... Fast egal um welche "Glaubensgemeinschaft" es sich handelt (Ausnahmen bestätigen die Regel), mir spukt da ein Satz aus dem Geschichtsunterricht durchs Hirn:
"Sobald die Münz' im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt"
Nebenbei... hat einer von euch schon mal ein Audit bei den lustigen Leuten von Scientology mitgemacht? Ein normaler Mensch - so behaupte ich - der rationell denkt, und eine gewisse natürliche Fähigkeit zur Kritik an sich selbst und anderer besitzt, geht da lachend und/oder kopfschüttelnd raus!
H.P. (18.01.2008, 08:49 Uhr)
Tom Cruise und die Scientologen
Der Mensch sollte eigentlich ein freies Wesen sein in seinem SELBST oder SEIN.
Es gibt heute Religionen, Kirchen, Glaubensgemeinschaften und Weltanschauungen, denen wir glauben und folgen. Auch eine Staatsform, Demokratie, Kommunismus, Nationalismus, Wissenschaft usw. ist eine Weltanschauung in die wir hineinerzogen wurden und es uns nicht anders möglich ist als diese anzunehmen und zu glauben, weil wir es nicht anders wissen.
Ob all das das Wahre ist, ist einmal dahingestellt.
Jeder macht für seine Religion, Partei Wissenschaft usw. Werbung, um die Menschen zu überzeugen und meint, dass wäre das Richtige für alle.
Leider funktioniert das nicht immer und das ist gut so, da der Mensch dagegen rebelliert, weil irgendetwas in ihm ist, dass sich in eine bestimmte Weltanschauung und Form nicht zwängen lässt. Jeder der sich selbst erkennt, durchschaut all das, weil er selbst auch alles ist, er spielt seine Rolle weiter in der Welt um der Evolution willen, nur mit einem anderen Blick für alles. Solche Menschen lassen sich nicht mehr manipulieren und kaufen. Weil sie innerlich ihre Freiheit kennen.
http://www.lebedeinbestes.de/2.html
jobjob (17.01.2008, 19:12 Uhr)
Noch mehr Videos
Das Video zeigt Ausschnitte eines Films, der auf einem Event gezeigt wurde. Auf diesem Event zeichneten die Scientologen Tom Cruise zum Besten Mann des Jahres aus. Den kompletten unglaublichen Einspieler und Ausschnitte aus der unglaublichen Preisverleiung gibt es hier.
http://www.idontlikeyouinthatway.com/2008/01/newsworthy-tom-cruise-news.html
In dem Videos wird neben der Musik aus Mission Impossible auch noch Musik aus Cruise Film Collateral verwendet (in dem er einen Killer spielt). Ob sich die Macher der Videos die Rechte besorgt haben, die Musikstücke in dem Kontext zu verwenden, ist nicht bekannt.
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