Sehr schön: Für das Kostümdrama "Die Schwester der Königin" standen Natalie Portman und Scarlett Johansson zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera. Der stern bat die beiden zur Tea-Time.

Schwestern im Film, Freundinnen im Leben: Natalie Portman (l.), 26, und Scarlett Johansson, 23© Ben Wolf
Natalie Portman: Wir sind uns mal auf Partys über den Weg gelaufen, das war aber eher oberflächlich.
Scarlett Johansson: Wir hatten aber keine gemeinsamen Freunde. Also waren die sozialen Kreise, in denen wir uns bewegt haben, ganz unterschiedlich. Portman: Ich kannte einige Kinder, die auf deine Schule gingen, aber die waren alle älter als du.
Johansson: Eine ganze Menge. Wir haben ja beide schon als Kinder angefangen, in der Filmbranche zu arbeiten. Wir stammen beide aus New York, sind beide jüdisch. Unsere Leben sind doch recht ähnlich verlaufen. Ich habe immer bewundert, wie Natalie ihre Rollen gewählt hat, wie sie ihr Leben als Privatperson gelebt hat, wie sehr sie zu ihrer Familie hält. Alles Dinge und Werte, die mir auch wichtig sind. Den Film habe ich nur wegen Natalie gemacht. Portman: Ich habe Scarletts Arbeit auch immer schon bewundert. Sie hat für mich Standards gesetzt, das oberste schauspielerische Niveau. Rollen, die etwas bedeuten.
Portman: Ich hätte gerne mal so volle Lippen. Johansson: (lacht) Und ich würde gern diese supersüßen Sachen anziehen, die mir sonst nie passen, wie diese engen Jeans.
Johansson: Ich sehe diesen ganzen Trubel
mehr mit Humor, während Natalie
eher …
Portman: … Reißaus nimmt!
Johansson: Der Punkt aber ist, dass wir
beide versuchen, dem Medienwahnsinn
möglichst aus dem Weg zu gehen.
Portman: Das ist für mich eine völlig
natürliche Reaktion auf diese eigenartige
Lage, in der man sich als Normalsterblicher
plötzlich befindet.
Johansson: Mir ist schon klar, dass
mich die Leute erkennen, die Fans. Aber
ich denke da nie drüber nach und versuche,
mein Leben genauso zu führen wie
vorher. Es sei denn, mir hält gerade jemand
ein zwei Meter langes Objektiv ins
Gesicht.
Portman: Man muss sich immer wieder
bewusst machen, dass man ein Mensch ist
wie alle anderen. Dass man Fehler macht,
sich hässlich und schlecht fühlt, aber dennoch
Würde besitzt. Brenzlig wird es, wenn
dich die anderen als etwas Besseres behandeln
oder, schlimmer, ohne jeden Respekt.
Würden Sie zu einem Fremden gehen und
ihm beim Lebensmitteleinkauf eine Kamera
ins Gesicht drücken? Oder schlecht
reden über jemanden, der gerade eine Entziehungskur
macht?
Johansson: Da ist einfach ein bisschen
ganz gewöhnlicher Anstand gefragt.

"Wir versuchen beide, dem Medienwahnsinn aus dem Weg zu gehen"© Ben Wolf
Portman: Es gibt schon viele Jasager,
aber die halte ich getrennt von Freunden
und Familie.
Johansson: Wir beide haben ein sehr
eng geknüpftes soziales Umfeld. Und ich
glaube, ich besitze einen guten Instinkt für
Menschen, der mir auch bei der Arbeit
hilft. Leute, die mich nur ausnutzen, habe
ich schnell aussortiert. Natalie ist ebenfalls
eine sehr instinktive Person, die gut abwägen
kann, was jemand von ihr will.
Portman: Familie und enge Freunde sind
sehr wichtig. Die verhindern, dass du abhebst.
Die dir sagen: Benimm dich nicht
wie ein Snob! Schmeiß nicht mit deinem
Geld um dich!
Portman: Historische Ereignisse haben
immer schon Filme und Kunstwerke inspiriert.
Auf diese Weise kann man Aussagen
über die Gegenwart treffen, die sich nicht
direkt auf heute beziehen, also eher Allegorien
sind. Und die menschlichen Aspekte
wie Liebe, Familienfehden oder Intrigen
gab es ja schon immer.
Johansson: Vielleicht ist das ein Trend
und von öffentlichem Interesse, weil damals
diesen Frauen jede Menge Beschränkungen
auferlegt wurden. Sie waren auf
gewisse Weise stigmatisiert und schafften
es, sich davon zu befreien, politisch aktiv
zu werden, einflussreich. Das sind also sehr
aktuelle Geschichten.
Portman: Stimmt. Anne und Mary sind
rebellisch, sie begehren gegen die Pläne
starker Männer auf. Denn sie sind fremdbestimmt.
Ihr Onkel, ihr Vater und der
König entscheiden über ihr Leben, wer im
Palast bleiben darf, wer verbannt wird.
Portman: Ich musste mal was anderes
machen. Nur Filme drehen laugt mich aus.
Nach "Die Schwester der Königin" habe
ich ein Jahr lang nicht gearbeitet und zunächst
nur gefaulenzt und bin viel gereist.
Johansson: Ich will nicht nur aufs Filmen
beschränkt sein. Es ist schön, wenn
man sich selbst noch herausfordern kann,
und die Arbeit an der Platte hat mich reifer
gemacht. Ich merke auch, dass mich andere
Dinge mehr beschäftigen, je älter ich
werde. Mein Privatleben, meine Familie.
Früher war ich ein Workaholic, heute bin
ich auch glücklich, wenn ich einfach nur
unter einem Baum sitze.
Interview: Matthias Schmidt, Bernd Teichmann
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 11/2008
Die Schwester der Königin Herzschmerz am Hof Gewieftes Staatsoberhaupt und in Sachen Frauen kein Kostverächter: Nein, wir befinden uns hier nicht einer Filmbio über Nicolas Sarkozy, sondern im Palast Heinrichs VIII. Weil Englands König noch immer ohne Thronfolger ist, stellt er den beiden Boleyn-Schwestern nach, der spröden Mary (Scarlett Johansson) und der ausgebufften Anne (Natalie Portman). Und löst eine Familientragödie aus. Justin Chatwicks blaublütiges Drama verbindet private Ränkespiele, Herzschmerz und historische Umwälzungen zu gepflegtem Kostüm-Kino der psychologisch ausgefeilten Art. Kein richtiger Royal Flash zwar, aber dank der zwei hinreißenden Hauptdarstellerinnen auf jeden Fall einen Hofknicks wert.