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"Mein Vater machte Micky Maus zum Gentleman"

Über ihren Vater redet die älteste Tochter von Walt Disney nur selten. Aber weil der Klassiker "Susi und Strolch" jetzt als Blu-ray erscheint, macht Diane Miller Disney eine Ausnahme. stern.de hat sie im familieneigenen Disney-Museum getroffen.

Auch mit 78 Jahren pflegt Diane Miller Disney noch immer das Vermächtnis ihres Vaters Walt. Im exklusiven Interview mit stern.de spricht die rüstige Rentnerin über den Filmklassiker "Susi und Strolch" ("Lady and the Tramp", 1955). Außerdem verrät die Besitzerin eines eigenen Weinbergs, wie ihr Vater seiner berühmtesten Schöpfung Benehmen beigebracht hat.

Woran denkt eine Tochter von Walt Disney zuerst, wenn sie den Namen Disney hört?
An meinen Vater. Er ist immer der erste Gedanke, wenn ich den Namen höre.

Für Millionen war und ist Walt Disney eine Legende. Was war er für Sie?
Ein guter Vater, ein liebevoller Vater, ein verspielter Vater. Er war ein Gigant, aber zu Hause hat er sich immer zuerst um seine Kinder gekümmert. Das war ihm wichtiger als alles andere.

Viele sagen, Micky Maus war nichts weiter als die animierte Version von Walt Disney, stimmt das?
Ja, da ist was dran. Sogar meine Mutter hat das immer gesagt. Er hat zu Hause immer Mickys Stimme nachgemacht. Und Micky hat sich, genau wie mein Vater, mit zunehmender Berühmtheit leicht verändert. Er war nicht mehr nur der kleine Draufgänger, er wurde mit der Zeit ein bisschen erwachsener. Das war der direkte Einfluss meines Vaters.

Wurden deshalb auch die anderen Disney-Charaktere erfunden?
Zum Teil schon. Goofy und Donald Duck zum Beispiel haben dann die Aufgaben übernommen, die mein Dad für Micky Maus nicht mehr für angebracht hielt. Also, einfach nur dumme Sprüche klopfen, wirres Zeug reden. Mein Vater wollte, dass Micky Maus ein bisschen mehr Stil hat, ein bisschen mehr Gentleman wird auf seine alten Tage.

Was hat Ihren Vater für Sie so besonders gemacht?
Er war einfach immer da für mich und meine Schwester. Er hat uns jeden Morgen zur Schule gebracht. Jeden Samstag und Sonntag war immer "Daddy's Day". Da hat er uns Mädchen immer ausgeführt. Wir waren da in einem Park, haben Picknick gemacht, sind Karussell gefahren. Bei jeder Schulveranstaltung war er dabei. Er hat nie etwas verpasst.

Ihr Vater hat immer bereut, dass er nicht mehr Kinder in die Welt gesetzt hat, stimmt das?
Ja, er hat Kinder geliebt. Er wollte viel mehr (lacht). Und ich habe sie dann alle bekommen. Ich habe sieben Kinder. Leider hat mein Dad nicht mehr alle meine Kinder kennenlernen können.

Glauben Sie, dass Ihr Vater wirklich wusste, was für ein Imperium er sich da aufgebaut hat?
Er wusste schon, dass er an etwas ganz Besonderem bastelte. Ich kann mich daran erinnern, als er mir sagte, dass ich seine Briefe aufbewahren sollte, weil die eines Tages mal viel Geld wert sein würden. Und damit hatte er ja auch recht. Seine Briefe sind heute viel Geld wert.

Was wissen wir noch nicht über Walt Disney?
Er war ein totaler Antik-Freak. Und er liebte es, Miniaturen zu basteln. Außerdem war er ein großer Anhänger vom Rasenbowling, und er war ganz vernarrt in Zaubertricks.

Er starb sehr schnell, kurz nachdem die Ärzte Lungenkrebs festgestellt hatten.
Ja, manchmal wünschte ich, er hätte noch zehn Jahre weiterleben können. Er hatte doch noch so viel vor. Ich glaube übrigens, dass mein Vater dachte, er könnte den Krebs besiegen. Er hatte einfach immer diese "Ich gebe niemals auf"-Attitüde. Und er war ja auch bis zu seinem letzten Tag voller Lebenskraft. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mein Vater jemals schwach und gebrechlich war.

Haben Sie auch das Gefühl, dass sein Geist weiterlebt?
Oh, sicher. Es ist seine Stimme, sein Lachen. Ich höre es noch heute. Geradezu so, als sitze er noch immer auf seine Modelleisenbahn und fährt bei uns im Garten mit Salvadore Dali durch die Gegend.

Ist es eigentlich immer nur schön oder manchmal auch nervend, eine Disney zu sein?
Oh, nein. Es ist immer nur schön. Ich bin sehr stolz auf meinen Nachnamen. Und irgendwie finde ich ihn auch heute noch lustig. Disney. Das hört sich so englisch an, oder? - Aber ich heiße heute ja auch Miller. Das fällt nicht so auf.

Haben Sie eigentlich einen Lieblingsfilm von Disney?
Ich mag viele Filme sehr gerne. Aber "Susi und Strolch" ist schon ein ganz besonderer Film für mich. Deshalb freue ich mich auch, dass dieser Film jetzt als DVD und Blu-ray neu aufgelegt wurde. Und ich liebe "Fantasia". Es gibt so viele Filme, die mir gefallen. Ich gebe es gerne zu, ich bin ein echter Disney-Fan.

Wie haben Sie die Disney-Filme Ihren Kindern nähergebracht?
Oh, das war ganz natürlich. Sie hatten jederzeit Zugriff auf all diese Filme. Wir haben sie uns gemeinsam als Familie angeschaut. Aber es war niemals so, dass wir unseren Kids die Disney-Streifen aufgedrückt haben.

Sie waren niemals so wirklich involviert im Disney-Imperium. Bereuen Sie das?
Nein, nicht wirklich. Ich habe sieben Kinder großgezogen. Das war Arbeit genug. Ich wollte immer gerne Mutter sein. Und ich bin sehr stolz auf meine Kinder.

Und sind Sie auch stolz auf Disney?
Ja. Ich glaube, dass die Walt Disney Company noch immer den Zweck erfüllt, den mein Vater im Hinterkopf hatte. Es ist ein Familienunternehmen. Es ist schön, dass Kinder und Eltern in unseren Parks und in unseren Familien anständig behandelt werden. Das war immer auch im Sinne meines Vaters.

Wann waren Sie das letzte Mal in Disneyland?
Oh, das ist schon eine ganze Weile her. Es war zum 50. Jubiläum (2005). Ich bin ein großer Fan dieser Parks, aber ich kann mir nicht vorstellen, in Disneyland zu heiraten. Das ist selbst für mich ein bisschen zu viel.

Sie sind vor vielen Jahren in den Norden von Kalifornien gezogen. Warum eigentlich?
Mein Mann und ich haben uns ein Weingut gekauft und guten Chardonnay angebaut. Es hat sich halt so ergeben. Und heute betreibe ich ja in San Francisco das Disney-Museum. Das macht mir große Freude. Es ist eine schöne Erinnerung an meinen Vater. Ich schwelge gerne in den alten Zeiten. Ich vermisse ihn sehr.

Von Frank Siering, Los Angeles

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