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8. Januar 2007, 10:05 Uhr

"Frauen, wo seid ihr? Auf die Barrikaden!"

Sie sind die schönen, starken Frauen des deutschen Fernsehens, aber das hören Iris Berben und Senta Berger gar nicht so gern. Mit dem stern sprachen die Schauspielerinnen über ihr Image und die Last, die dies manchmal mit sich bringt. Und blickten zurück auf die Zeit, als sie 20 waren. Von Ulrike von Bülow und Alexander Kühn

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Unter Kolleginnen: Iris Berben, nach einem Kreuzbandriss mit Manschette am Knie, und Senta Berger. Dazu gesellt sich Paul, Berbens Jack-Russell-Terrier© Robert Fischer

Sie sitzt in einem Fotostudio in München und hat das rechte Bein auf eine Kiste gelegt; Iris Berbens Knie schmerzt noch, Folge eines Kreuzbandrisses, den sie sich vor zwei Monaten bei Dreharbeiten in Kenia zugezogen hat. Sie steht auf, als Senta Berger den Raum betritt, herzliche Umarmung unter Kolleginnen. Freundinnen sind sie nicht, aber sie schätzen sich, sagen beide. Um sie herum scharwenzelt Paul, Berbens Jack Russell. Dann muss es losgehen, denn Berger hat nicht ewig Zeit.

Frau Berger, waren Sie neidisch, als das ZDF kürzlich sein Publikum aufrief, unsere besten Schauspieler zu küren, Frau Berben auf Platz vier gewählt wurde und Sie auf Platz elf?

Berger: Nein, gar nicht. Ich bin grundsätzlich gegen diese Art von Wettbewerb. Gerade, wenn es um künstlerische Berufe geht, die nicht in Zehntelsekunden gemessen werden können. Aber egal, mit Iris hat es die richtige getroffen, sie gehört zu unseren besten.
Berben: Ich kenne bei mir durchaus ein gesundes, neidisches Aufblitzen. Wenn ich eine Kollegin in einer Rolle sehe, wo ich einerseits denke: Wie wunderbar sie das spielt! Und andererseits: Das hätte ich auch gern gemacht! Bei Isabelle Huppert in der "Klavierspielerin" ging mir das so. Senta, stört's dich, wenn ich rauche?
Berger: Nein. Wenn ich ausnahmsweise eine schnorren darf.
Berben: Bitte.
Berger: Ich bin eher eine Sonntagsraucherin. Aber mir war es zum Beispiel wichtig, dass die Eva Prohacek ...

... die Kriminalrätin, die Sie in der Reihe "Unter Verdacht" spielen ...

Berger: ... dass die raucht, wenn sie gestresst ist. Ich wollte zeigen, dass sie auch schwache Seiten hat. Doch jetzt kommt Kritik von ganzen Schulklassen, die das als Aufforderung zum Rauchen missverstehen. Vielleicht haben sie recht. Ich glaube, die Prohacek wird sich das Rauchen abgewöhnen.

Ist das eine Last, wenn alles, was man tut, was man sagt, Gewicht hat?

Berben: Ich merke das, wenn ich Lesungen zum Thema Holocaust mache, gegen das Vergessen. Hinterher kommen die Leute zu mir und sagen: "Mit welcher Kraft Sie das machen" oder: "Wir bewundern Sie dafür". Das bewegt mich natürlich, und ich setze meine Prominenz ja auch bewusst ein. Aber ich merke dann, was für eine Bedeutung ich für die Menschen habe und welche Verantwortung das ist. Damit muss man vorsichtig umgehen. Deswegen gibt es auch Momente, in denen ich mir genau überlege, sage ich das jetzt laut? Denn ich bin nicht 24 Stunden am Tag eine öffentliche Person.
Berger: Man erfährt ja nicht nur Zustimmung, sondern auch Aversion und Hass. Wir leben in einem polarisierten Land. Als ich mich öffentlich für die Wahl von Willy Brandt eingesetzt habe, gab es böse Reaktionen der Gegenseite. Die Fensterscheiben haben sie mir eingeschlagen. Und bei einer Demonstration auf dem Marienplatz hier in München gegen die Stationierung der Pershing-Raketen haben sie mich beschimpft; auf Bayerisch klingt das so: "Du rote Hur'!"

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"Ich habe mich durchgekämpft": Iris Berben, 56, hier mit Hund, zog ihren Sohn Oliver anfangs allein groß. Heute produziert er viele ihrer Filme© Robert Fischer

Aber mit dem Image der starken, couragierten Frau leben Sie beide bis heute trotzdem ganz gut, oder?

Berben: Das sind Etiketten, die dich ein Leben lang begleiten.
Berger: Für Sie Journalisten ist das sehr praktisch, Sie schreiben unter ein Foto: "Iris Berben", in Klammern das Alter, und "die starke Frau des deutschen Films". Das geht schnell, und viel mehr Platz haben Sie nicht. Medien funktionieren so. Da wird die Tatsache, dass wir eine Meinung haben, dem Konto der starken Frau gutgeschrieben. Als hätten andere Frauen in unserem Alter keine Meinung. Nur werden die von Ihnen nicht an diesen Tisch eingeladen. Aber Sie haben natürlich Recht: Es gibt schlimmere Etiketten.
Berben: Eine Zeit lang habe ich es als schädigend empfunden, permanent als schöne Frau tituliert zu werden.

Andere wären froh darüber.

Berben: Man wird reduziert.
Berger: Das impliziert oft: Mit der Schauspielerei kann es nicht so weit her sein. Gerade in den 70er Jahren, als sich die jungen deutschen Filmemacher gegen das angepasste, "schöne" Bild des Stars und seiner glatten Filme wehrten und ein neuer Realismus in die Film- und Fernseharbeit eingeflossen ist, hatte ich es hier schwer. "Star" und "schön", das wirkte, als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Und ab und zu habe ich in dieser Zeit gelesen: Wer hätte das gedacht, Senta Berger, eine schöne Frau, aber auch ein kluges Köpfchen! Das fand ich besonders diskriminierend, und ich dachte: Frauen, wo seid ihr? Auf die Barrikaden!
Berben: Es wurde über die Jahre besser, aber jetzt ist man wieder die Ausnahme, weil man klug ist und immer noch schön.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 52/2006

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