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Promi-Geburtstag vom 5. Oktober 2017: Abi Ofarim

München - Kurz vor seinem 80. Geburtstag fühlt sich Abi Ofarim wie neu geboren. Neun Monate in Krankenhäusern und Rehakliniken hat er hinter sich. Der Sänger lag zeitweise im Koma, rang mit dem Tod.

Abi Ofarim

Abi Ofarim geht es von Tag zu Tag besser. Foto: Ursula Düren

Kurz vor seinem 80. Geburtstag fühlt sich Abi Ofarim wie neu geboren. Neun Monate in Krankenhäusern und Rehakliniken hat er hinter sich. Der Sänger lag zeitweise im Koma, rang mit dem Tod.

Jetzt ist er wieder daheim in seiner Münchner Wohnung. «Ich freue mich über jeden Tag, an dem ich die Sonne sehe», sagt er der im Interview. Dass er überlebt hat, sei ein Wunder. Nun will er wieder auf die Bühne.

Abi Ofarim ist schmal geworden. Sehr schmal. Auf dem großen Sofa in seinem Wohnzimmer verschwindet er beinahe. Mehr als 15 Kilogramm habe er verloren, erzählt er. Die Rockermähne hat er zum Zopf gebunden. Ein Schlauch versorgt ihn über die Nase mit Sauerstoff. Aber er ist glücklich. Schließlich war es nicht selbstverständlich, dass er noch einmal in seine eigenen vier Wände zurückkehren würde.

Im Dezember 2016 steht der Sänger noch auf der Bühne. Anfang Januar kommt er mit einer Lungenentzündung in die Klinik. Es folgen Influenza, Koma, Herz-Operation. «Es war schlimm», sagt Ofarim. Lebensgefährtin Kirsten wacht Tag und Nacht an seinem Bett. Die beiden Söhne Gil und Tal kommen regelmäßig ins Krankenhaus. Auch die fünf Enkel besuchen ihren Opa. Aus reist Ofarims Schwester an. Der Sänger gibt nicht auf. Seine Familie sei «der Wahnsinn».

Auch seinen Fans ist er dankbar. Auf dem Wohnzimmertisch liegt ein Stapel Briefe. 160 Stück. Die Post von einem Tag. «Unvorstellbar.» Die Fans machten ihm Mut, gäben ihm Power, sagt er. Jetzt will er auch für sie richtig fit werden. Seit er daheim sei, schmecke ihm das Essen wieder. Er habe schon ein kleines Bäuchlein bekommen, erzählt er fröhlich. Neben dem Sofa steht ein Ergometer, auf dem er regelmäßig in die Pedale tritt, um Muskulatur aufzubauen.

Noch will er sich nicht fotografieren lassen. Mitleid wäre ihm ein Graus. «Eitel bin ich ja überhaupt nicht», sagt er und lacht. «Aber das mag das Publikum. Sie wissen, dass du nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich etwas von dir gibst.» Abi Ofarim hat im Laufe seiner Karriere viel von sich gegeben - vor allem seine Gesundheit, die ihm heute so wertvoll ist. Ein Rockstar-Leben.

Mit elf Jahren hatte Ofarims Tänzerkarriere in seinem Heimatland Israel begonnen. Vom Tanz kam er noch in seinen Teenager-Jahren zum Theater und später zur . In den 60ern wird er an der Seite seiner ersten Frau im Gesangsduo Esther & Abi Ofarim zum Star. Das Paar feiert große Erfolge mit Hits wie «Cinderella-Rockefella» oder dem von den Bee Gees geschriebenen «Morning of my Life». Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere trennen sich Esther und Abi - privat und beruflich. Sie machen beide solo weiter.

Alkohol- und Drogenexzesse bringen den Sänger in die Schlagzeilen und beinahe um. Kurzzeitig landet er im Gefängnis. Erfolge bleiben aus. Dann der Wendepunkt: 1982 veröffentlicht Ofarim das Album « Too Much» und seine Erinnerungen mit dem Titel «Der Preis der wilden Jahre». Dann krempelt er sein Leben um und zieht sich von der Bühne zurück - für 27 Jahre. Stattdessen arbeitet er als Produzent, unter anderem für Margot Werner, und kümmert sich um seine zwei Söhne.

2009 feiert Ofarim ein Comeback als Sänger. Insgesamt 59 Goldene Schallplatten hat er gesammelt. Darauf ist er stolz. Das hätten nicht viele geschafft, sagt er. In seinem Wohnzimmer zeugen Fotos von der langen Karriere. Bilder aus seiner Zeit als Tänzer, da muss er so 18 oder 20 gewesen sein, erinnert er sich. Bilder aus der Zeit seiner großen Erfolge in den 60er Jahren und Bilder von heute. Hinter dem Sofa hängt ein raumhohes Foto, das den Sänger mit seinen Söhnen Gil und Tal zeigt. Die Jungs, wie er sie nennt, sind sein ganzer Stolz.

Während des Interviews klingelt zweimal das Handy, mal ist «Israel» dran - bei der Verwandtschaft war er zuletzt vor knapp drei Jahren, und bald möchte er wieder hin -, mal sein Sohn. Der kündigt sich zum Fußball-Fernsehabend an. Die Familienbande sind eng. Ob die Enkel auch schon Musik machen? Und wie! Ofarims Lebensgefährtin Kirsten zeigt ein Handyvideo, das einen seiner Enkel mit gerade einmal zwei Jahren beim wilden Rocken an der Kindergitarre zeigt. «Da flippst aus», sagt Ofarim und lacht herzlich.

Bis er selbst wieder Musik machen könne, werde es wohl dauern, sagt er. Aber seine Pläne seien noch größer als früher. Ein Pop- und ein Country-Album will er aufnehmen. Ofarim greift zur Gitarre und legt los. Die Stimme klingt schon wieder kraftvoll, die Leidenschaft ist groß. «Musik ist immer noch mein A und O - wie mein Name.» Lächelnd legt er die Gitarre neben sich aufs Sofa und streichelt darüber. Sie sei seine zweite Lebenspartnerin, sagt er, und Kirsten sein Engel.

Auch seinen Hilfsverein «Kinder von gestern» will der Musiker vorantreiben. Mit einem Jugendzentrum für Senioren macht sich der Verein stark gegen Altersarmut und Alterseinsamkeit. Abi Ofarim hat viel vor. Jetzt feiert er erst einmal seinen 80. Geburtstag. Wie und wo, weiß er noch nicht. Seine Söhne wollen ihn überraschen.

dpa

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