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Paar Possen

Sie sind die Lieblinge der Klatschpresse: glamourös und geschmacklos, erfolg- und neureich, zum Anhimmeln und zum Verspotten. Jennifer Lopez' und Ben Afflecks Heirat ging daneben. Ihr neuer Film auch. Ein Grund mehr, sich das Maul zu zerreißen.

Da hängt man im Wartezimmer rum, ist nicht privat versichert und hat so endlich mal Zeit, sich über die Schicksale der internationalen Prominenz auf dem Laufenden zu halten. Immer vorausgesetzt, der Arzt, auf den man wartet, hat nicht nur Bücher mit Luftaufnahmen von Saarbrücken und die letzten drei Jahrgänge von "Geo Saison" rumliegen. Was medizinisch gesehen unverantwortlich ist.

Weil: Nichts relativiert die eigenen Beschwerden maßgeblicher als die Sorge um Prinz Harry, den pubertierenden Draufgänger aus dem Hause Windsor. Als die Angst um Uma Thurman, die so überirdisch schön ist und so unterirdisch sitzen gelassen wurde. Und nichts lenkt einen besser von Grippe, Gastritis und Schiefstellung des Beckens ab als das Auf und Ab, durch das Jennifer Lopez und Ben Affleck dieser Tage gehen müssen.

Was, bei Ihrem Internisten gibt's nur die "Apotheken-Rundschau"? Dann lassen Sie sich hier kurz über die Einzelheiten des Liebesdramas informieren - und wechseln Sie bei Gelegenheit den Arzt.

Was bisher geschah: Jennifer, 33, Amerikanerin puerto-ricanischer Abstammung, kommt aus eher bescheidenen Verhältnissen, macht Musik, macht Filme, heiratet hin und wieder und wird irre berühmt. Ben, 31, ein typisch amerikanischer Junge, der Baseball liebt und aus eher bescheidenen Verhältnissen kommt, schreibt ein "Oscar"-prämiertes Drehbuch, macht Filme, hat Affären mit Schauspielerinnen und wird irre berühmt.

Ben und Jennifer verlieben sich bei den Dreharbeiten zu "Gigli", dem schlechtesten Film aller Zeiten. Sie lässt sich scheiden, er schenkt ihr einen Verlobungsring für eine Million Dollar, sie schenkt ihm einen Aston Martin. Das ist ein Auto und kostet 220.000 Dollar. So weit also eigentlich eine ganz normale Liebesgeschichte. Wobei man mal sagen muss: Das Gute an einer reichen Freundin ist, dass man kaum befürchten muss, von ihr etwas Selbstgebasteltes geschenkt zu bekommen.

Es folgen Hochzeitsvorbereitungen. Drei Tarnbräute werden engagiert, um die Presse abzulenken. Klatschreporter bieten Bewohnern der kalifornischen Kleinstadt Montecito 50.000 Dollar für einen Spähsitz in günstig stehenden Bäumen, von wo aus man eventuell einen Blick auf die Zeremonie erhaschen kann. Jennifer Lopez kauft sich für die Hochzeitsnacht Unterwäsche für 20.000 Dollar. Wohl eher nichts aus reiner Schurwolle, was Nieren und Po warmhält. Dieser Po spielt übrigens eine wichtige Rolle in Jennifers Leben. Jennifer Lopez' einziger, aber großer Verdienst ist, dass sie ihren Hintern, nun ja, salonfähig gemacht hat.

Alle Frauen, die nicht ausschließlich Salat und davon besonders gern besonders wenig essen, werden J.Lo - wie Jennifer genannt wird seit ihrer privaten und musikalischen Kollaboration mit dem Rapper P. Diddy, der damals noch Puff Daddy hieß - auf ewig dankbar sein. Unvergessen ihr wogender Zeitlupenabgang bei "Wetten, dass..", wo männliche Zuschauer unisono seufzten: "Was für ein geiler Arsch!" und Frauen unisono dachten: "Hui, was für 'ne dicke Kiste. Warum geh ich eigentlich nach vollzogenem Liebesakt immer rückwärts aus dem Schlafzimmer?" Man kann wohl sagen, dass Jennifer Lopez weltweit Millionen von Hinterteilen zu neuem Selbstbewusstsein verholfen hat.

Aber zurück zum Liebesdrama:

Am 10. September, vier Tage vor der Hochzeit, geben die beiden bekannt, dass der ganze Kladderadatsch abgesagt ist. Die Trauung findet nicht statt. Grund: zu viel öffentliches Interesse. Ha, ha, ha. Da ging ein Raunen durch die Wartezimmer, und es dauerte nur wenige Tage, bis die Gerüchte aus Hollywood die heimischen Arztpraxen erreichten: Ben soll angeblich kalte Füße bekommen und sich von Jenny getrennt haben.

Wundern würd's einen ja nicht. Denn jetzt mal ehrlich, unter uns Kassenpatienten: Die Jennifer ist doch eine blöde Zicke, die alles, was sie tut, in Szene setzt und dem armen Ben die Haare nach hinten gelt, ihm seine T-Shirts wegnimmt und silbern changierende Krawatten um den stämmigen Nacken windet. Sie Diva, er Depp. Nee, der Junge hat einfach kein Händchen für Frauen, schließlich war er schon mal mit der langweiligsten Person dieses Planeten zusammen: Gwyneth Paltrow. Auch neben der sah Ben Affleck immer aus wie ein Ministrant, dem eine Hostie quer sitzt.

Dass er die blöde Lopez verlassen hat und sich rechtzeitig aus den Fängen dieser egomanen Zicke befreien konnte, darüber waren irgendwie alle froh. Der Affleck, man war sich einig, der braucht was Bodenständigeres. Eine, mit der man Burger essen gehen kann und die nicht Angst hat, sich dabei ihr Gucci-Valentino-Armani-Gabbana-Hemdchen mit Ketchup zu bekleckern. Ja, die Cameron Diaz, die wäre was für ihn, wenn die sich nicht gerade unverständlicherweise mit dem unansehnlichen Sänger Justin Timberlake eingelassen hätte. Aber das ist eine andere traurige Geschichte.

Vor wenigen Tagen dann tauchte erschütterndes Fotomaterial auf. Ben und Jenny, in Amerika so praktisch wie schlicht "Bennifer" genannt, wiedervereint. Beim Burger-Essen! Er in Tarnfarbenhose, klobigen Schuhen und T-Shirt. Ein Beobachter versicherte hoch und heilig: Er trug dieses T-Shirt mehrere Tage! Und sie hatte sich in überaus schlecht sitzende Jeans und ein orangefarbenes Leibchen gezwängt.

Was soll das?

Was will "La Lopez" damit sagen? "Guckt mal, wir sind wieder zusammen, Ben darf jetzt auch schmutzige Klamotten tragen, und in Hüfthosen sehe ich aus wie 90 Prozent aller anderen Frauen: nämlich beschissen!"

Ach, du liebe Güte, nichts ist schlimmer, als wenn Stars versuchen, so zu tun, als wären sie ganz normal. Zahnärzte abonnieren doch nicht die "Gala", damit die Patienten sich langweilen beim Anblick einer moppeligen Latina und eines unrasierten Bengels, die über den Parkplatz einer nordamerikanischen Kleinstadt schlendern.

Also, liebe Lopez:

Keiner will wissen, wie du wirklich bist. Hör auf, Burger zu mampfen. Sag lieber noch mal eine Hochzeit ab. Sei zickig, bring Ehemänner und Hotelmanager an den Rand der Verzweiflung, wackel mit dem Hintern und trink nur stilles Mineralwasser aus der Auvergne, das auf 12,75 Grad temperiert ist.

Ach, und noch was: Schmink dich gefälligst, wenn du aus dem Haus gehst, und zieh dir was Ordentliches an! Sonst verschwindest du ganz schnell aus den Wartezimmern dieser Welt und wirst ausgetauscht. Gegen Luftaufnahmen von Saarbrücken.

Von Ildikó von Kürthy

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