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Heino lässt den Enzian verblühen

Mehr als 50 Jahre hat er auf der Bühne gestanden, jetzt ist Schluss: Volksmusikstar Heino will sich nach einer Abschiedstournee ins Privatleben zurückziehen - und um seine Frau kümmern.

Markenzeichen Sonnenbrille, Genre Volksmusik: Heino (66) beendet nach über 50 Jahren auf der Bühne seine Karriere. "Ich bin sehr traurig. Aber man soll aufhören, wenn es am schönsten ist», sagte der Schlagerbarde der "Bild"-Zeitung. "Ich habe in meinem Beruf alles erreicht, was man erreichen kann. Jetzt ist es an der Zeit, mich zurückzuziehen."

Grund für das Karriereende nach über 1000 aufgenommenen Liedern und mehr als 50 Millionen verkaufter Platten sei seine Frau Hannelore, die letztes Jahr einen Herzinfarkt erlitt. "Hannelore braucht mich heute mehr denn je."

Vom 22. Oktober an geht der Sänger dem Bericht zufolge zum letzten Mal auf große Deutschlandtournee. "Ich werde die Bühne vermissen", sagte Heino. Die dunkle Brille bleibt jedoch sein Markenzeichen: "Die Menschen sollen mich so in Erinnerung behalten."

"Blau, blau, blau blüht der Enzian", "Schwarz braun ist die Haselnuss": Schon zu seinem 60. Geburtstag hatte Heinz-Georg Kramm alias Heino angekündigt, kürzer treten zu wollen. Ein Ende seiner Karriere im Rampenlicht hatte der gebürtige Düsseldorfer und gelernte Bäcker, der sich selbst "Ehrenkonditormeister der Nation" nennen darf, jedoch nicht. Noch fünf Jahre später und nach dem Selbstmord seiner Tochter sagte Deutschlands bekanntester Volksmusiker über einen Abschied von der Bühne: "Um Gottes Willen, nein."

Erste Erfahrungen im Trio "Sokrahe"

Als 15 Jahre alter Lehrling sang Heino, dessen Vater an der Ostfront fiel und dessen Mutter den Unterhalt als Putzfrau verdiente, bereits mit Backstuben-Kollegen in dem Trio "Sokrahe" den Hit "Heimat" von Freddy Quinn. 1964 wurde er schließlich entdeckt und machte fortan eine steile Karriere. Anfang der 80er Jahre brachen die Plattenumsätze dann drastisch ein, doch meldete Heino sich wenige Jahre später mit Rap-Versionen seiner Lieder an der Spitze der deutschen Hitparade zurück.

Vorwürfe der "Deutschtümelei"

Nicht immer blieb der Sänger mit dem blonden Haar von Kritikern verschont. So wurde dem Interpreten "Deutschtümelei" und "blank geputztes, völkisches Image" vorgeworfen. 1977 sorgte Heino für Aufruhr, als er auf seiner Platte "Lieder aller Deutschen" das Deutschlandlied in allen drei Strophen aufnahm. In Interviews sagte er einmal: "Ich zeichne die heile Welt in meinen Liedern, weil ich eine heile Welt haben will." Und zum Niveau der Texte: "Es war aber klar, dass ich für meine Texte nie den Nobelpreis kriegen würde."

Der Volksmusiker, ausgezeichnet unter anderem mit Goldenen und Platin-Schallplatten und mit dem Fernsehpreis "Bambi", heiratete 1979 in zweiter Ehe seine jetzige Frau Hannelore. Für sie will er das Leben auf der Bühne und im Rampenlicht nun auch beenden. Der "Bild" sagte Heino: "Hannelore hat mir in den letzten 27 Jahren immer den Rücken gestärkt. An unserem Lebensabend will ich auch etwas zurückgeben und jeden Tag für sie da sein."

Oliver Pietschmann/DPA/DPA

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