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Die Prinzessin trägt selbst auf

Zu schlank! Zu bieder! Diese Schuhe! Britanniens Boulevard ätzt kräftig gegen Stil und Erscheinung von Kate Middleton. Und nun will die sich auch noch allein schminken. Shocking, isn't it?

Von Cornelia Fuchs, London

Es ist ein unscheinbarer Laden fast direkt an der Themse im feinen Viertel Chelsea, die Boutique der Designerin Katherine Hooker. In der Straße gibt es außer einem Pub nur wenige Attraktionen, auch wenn die King's Road, Einkaufsstraße der Reichen und Schönen, nicht weit weg ist. Wer hierher kommt, nimmt sich Zeit für die Anprobe mit.

"Kate Middleton hat mich vor wenigen Wochen wieder angerufen. Sie wollte sicher gehen, dass sie meine Sommerkollektion als eine der ersten anschauen kann", sagt Hooker. Die zukünftige Prinzessin kauft schon seit Jahren bei Hooker ein. Das Londoner Appartement der Middletons liegt nicht weit entfernt im gleichen Viertel. Kate muss die intime Atmosphäre im Laden gefallen. Im Untergeschoss stehen Büglerinnen und Schneiderinnen an langen Tischen. Unter den Tischen liegen in großen Kisten Rollen mit den Tweedstoffen, für die Hooker bekannt ist.

Der Mantel? Vier Jahre alt

Jeder Hooker-Mantel, jedes Kleid und Jackett der Kollektion werden individuell angepasst. Die Kundinnen können alles mitbestimmen, von der Auswahl des Stoffes bis zur Passform. Hooker ist nicht Teil der Londoner Modeelite rund um Vivienne Westwood, das Atelier von Alexander McQueen oder Stella McCartney. Die ehemalige Set-Designerin entwirft Mode für Frauen, die Wert auf Nachhaltigkeit legen. Ihre Stücke sollen keine Saisonware sein. Und so trug Catherine Middleton beim ersten offiziellen Auftritt an der Seite ihres Verlobten Prinz William in Anglesey einen vier Jahre alten braunen Tweed-Mantel von Katherine Hooker. Sie hatte ihn zuvor bis kurz übers Knie kürzen lassen.

Kate scheint sich bei der Kleiderauswahl wenig beeinflussen zu lassen von den bissigen Kommentaren britischer Kolumnistinnen, die sie gerne zu einer Stilikone und Botschafterin der Londoner Modeszene bekehren wollen. Ihr Markenzeichen - die schwarz umrandeten Augen - hat sie noch stets selbst aufgetragen, Stylistinnen scheint sie nicht in ihre Nähe lassen zu wollen. Das Frauenmagazin Grazia tönte entsetzt in dieser Woche, dass Kate vorhabe, sich sogar zur Hochzeit selber zu schminken. Das hatte sie bereits an ihrem Verlobungstag getan, an dem sie in das bisher größte Blitzlichtgewitter ihres Lebens schauen musste.

Böse Kommentare zu ihrer Kleidung? Von Kate ignoriert

Die Auftritte Kates ernten stets bissige Kommentare auf den einschlägigen Mode-Seiten der Zeitungen. Liz Jones, bekannt als bärbeißige Mode-Matronin der "Daily Mail", urteilte über Middletons "traditionelle Oma-Gaderobe", "fürchterliche Schuhe", "billige Jeans" und "hässliche Reißverschlussjacken". Jones' Empfehlung: Kate solle alles wegschmeißen, was sie besitze. Und dann Trenchcoat mit nackten Beinen sowie gold-lamierte Stilettos mit kleinen weißen Kleidchen kombinieren.

Kate hat diese und andere Tipps bisher getrost ignoriert. Stattdessen sucht sie für wind- und regenumtoste Ausflüge zu Lebensrettungsstationen am Meer und Hundert-Meter-Rennen in Sportarenen einigermaßen bequeme Schuhe mit ordentlich dicken Absätzen und Kleider, in denen sie sich ohne Angst vor Entblößungen zu kleinen Kindern herunterbeugen kann.

Eitel scheint sie nur bei ihren braunen Locken zu sein. Angeblich sollen sechs Friseure Kates Haar am Hochzeitstag betreuen. Der Palast hüllt sich zu diesen Gerüchten in Schweigen - wie bei allen Geschichten rund um Kates Kleid und Aussehen. Das einzige, was des Prinzen Pressesprecher dazu verlauten lässt: "Wie alle Bräute möchte auch Catherine ihren baldigen Ehemann vor dem Altar überraschen."

"Das typische weibliche Medienopfer"

Zu Kates Vorbereitung gehört auch eine strenge Diät, sollte man denselben Kolumnistinnen glauben, die Kate gerne für ihre "superlangweiligen" Klamotten rügen. Neueste Geschichten behaupten, Kate müsse sich in Dianas Verlobungsring eine Extra-Schicht Platinum einziehen lassen. Er drohe sonst, von ihrem Finger zu rutschen. Bei jedem von Kates Auftritten werden anschließend die Dicke von Beinen und Backen abgeglichen - damit ihre Kritikerinnen in einer patriotischen Aufwallung Frau Middleton davor warnen können, sich dem Diätwahn hinzugeben. Sie solle bedenken, wohin dies bei Diana geführt habe.

Die war, kaum verlobt, an Bulimie erkrankt und hatte bis zum Gang vor den Altar so sehr abgenommen, dass ihr Kleid wie ein Zelt wirkte. Seltsam ist jedoch, dass sich die geballte Vor-Hochzeits-Aufmerksamkeit ausschließlich auf Kate Middletons Körper konzentriert, wie die Kolumnistin Harriet Walker in der Tageszeitung "Independent" feststellt. Über Prinz Williams körperlichen Zustand, seinen Haarwuchs oder seine Essgewohnheiten wird sich vornehm ausgeschwiegen: "Sie ist das typische weibliche Medienopfer. Und sie wird erst in Ruhe gelassen werden, wenn unser aller Appetit gesättigt sein wird."

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