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Warum William auf verlorenem Posten kämpft

Prinz William will ein Exempel statuieren: Die Klage gegen die Oben-ohne-Fotos von Kate sollen ihn und seine Frau vor weiteren Paparazzi-Übergriffen schützen. Der Erfolg ist zweifelhaft.

Von Jens Maier

  Auf Händen getragen: Tuvalu ist die letzte Station der Pazifik-Rundreise von William und Kate

Auf Händen getragen: Tuvalu ist die letzte Station der Pazifik-Rundreise von William und Kate

Es ist ein Ort wie aus dem Bilderbuch. Als "tropisches Paradies" wird die Insel in Reisekatalogen angepriesen. Und es scheint, als sei kein Wort davon gelogen. Ein von Palmen gesäumter Strand, türkisblaues Wasser und ein fantastischer Blick auf das Panorama der Südsee sind die Markenzeichen des kleinen Pazifik-Eilands, das wie geschaffen für ein verliebtes Paar ist: Prinz William und seine Frau Kate haben den vorletzten Abend ihrer Auslandsreise auf der Privatinsel Tavanipupu verbracht. Der Herzog und die Herzogin von Cambridge schnorchelten bei tropischem Regen in der kleinen Lagune und zogen sich anschließend zu einem romantischen Abendessen in ihre Lodge zurück. Es war für das Paar der letzte Abend fernab von den Problemen zu Hause.

In Europa erwartet sie ein juristisches Tauziehen um Kates Busen-Fotos. Die französische Justiz hat im Fall Windsor gegen unbekannt Vorermittlungen für ein Strafverfahren aufgenommen. William und Kate hatten am Montag Anzeige wegen Verletzung ihrer Privatsphäre eingereicht, nachdem das französische Klatschblatt "Closer" in der vergangenen Woche Oben-ohne-Fotos von Catherine veröffentlicht hatte. Mit der Einleitung juristischer Schritte wollen William und Kate sowohl die weitere Verbreitung verhindern, als auch Schadensersatz erstreiten. Dabei zielt das Paar offenbar nicht nur auf den Verlag, sondern auch auf den Fotografen ab, der die Fotos geschossen hat.

Prinzessin Caroline erstritt Grundsatzurteil

"Ich will den Fotografen hinter Gittern sehen", soll William getobt haben, als er die Fotos zum ersten Mal gesehen hat. Eine verständliche Reaktion. Doch die juristische Auseinandersetzung ist ein langwieriges und fragwürdiges Unterfangen. Auch wenn das Gericht in Nanterre am Dienstag einem Eilantrag stattgegeben hat und eine Weiterverbreitung der Fotos per einstweiliger Verfügung untersagt hat, aus der Welt - das weiß auch Prinz William - sind die Bilder damit nicht. Die Skandal-Aufnahmen, auf denen die barbusige Kate auf der Terrasse eines Chalets in Südfrankreich zu sehen ist, sind längst illegal auf unzähligen Seiten im Internet verbreitet worden. Wer "Kate oben ohne" bei der Suchmaschine Google eingibt, erhält mehr als sechs Millionen Treffer. Daran ändert auch der Etappensieg vor Gericht nichts.

Worum geht es dem Prinzen bei seinem Rechtsstreit also? Um Genugtuung gegen einen Paparazzo? Dann wäre er von seinen Hausjuristen schlecht beraten, schnell könnte ihm dies als privater Rachefeldzug ausgelegt werden. Um ein Grundsatzurteil, das sein Privatleben schützt? Das gibt es bereits. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat 2004 in letzter Instanz entschieden, dass auch Personen des öffentlichen Lebens ein Recht auf Privatsphäre haben. Geklagt hatte seinerzeit Prinzessin Caroline von Monaco, die sich damit gegen von ihr heimlich aufgenommene Fotos zur Wehr setzte, die von den Zeitschriften "Bunte" und "Freizeit Revue" veröffentlicht worden waren. Ein ähnlicher Fall wie der von Kate und William, mit dem Unterschied, dass es Caroline damals gelungen ist, ein Exempel zu statuieren.

Streit um Schadensersatz in Millionenhöhe

Ähnliches dürfte William jetzt schwerer fallen. Es sei denn, er erstreitet vor Gericht Schadensersatz in Millionenhöhe. Ein Urteil müsste Signalwirkung an alle Paparazzi und Verlagshäuser dieser Welt haben: Seht her, heimlich Fotos der Windsors zu schießen oder solche zu veröffentlichen, lohnt sich nicht. An den Skandalfotos aber scheint "Closer" kräftig zu verdienen. In Kiosken in Frankreich ist das Magazin ausverkauft, nur eine beträchtliche Geldstrafe würde dem Verlag einen Strich durch die Rechnung machen. Doch von europäischen Gerichten sind solche Beträge nicht zu erwarten, wie das aktuelle Urteil von Nanterre zeigt. 100.000 Euro muss "Closer" zahlen, wenn die Fotos weiterverkauft werden. Ein Witz, denn die Bildrechte dürften inzwischen das zig-fache wert sein.

Auf juristischem Weg gibt es für die Windsors wohl nur wenig zu gewinnen. Das scheint auch Aurelien Hammelle, der französische Anwalt der königlichen Familie, erkannt zu haben. Der Fall von Kates Oben-ohne-Fotos wecke Erinnerungen an die Verfolgung von Prinzessin Diana durch aufsässige Fotografen, sagte er am Dienstag vor Gericht. Kate sei eine "junge Frau, kein Objekt". Die Fotos von der Herzogin seien nur "sechs Tage nach dem 15. Jahrestag der unnötigen, zynischen und makabren Hetzjagd, die zum Tod von Williams Mutter geführt habe, entstanden". Damit setzt Hammelle statt auf juristische Winkelzüge auf die Moralkeule. Eine Methode, die William und Kate in Großbritannien bislang vor der Veröffentlichung der Skandalfotos bewahrt hat.

Wenn William und Kate am Mittwoch von ihrer neuntägigen Südseerundreise zurückkehren, steht ihnen ein langer und harter Kampf bevor. Sie werden womöglich sogar persönlich vor Gericht aussagen müssen, um ihre Klage voranzutreiben. William will sich und seine Frau vor weiteren Eingriffen in seine Privatsphäre schützen. Es sei ihm bewusst, dass ein Prozess sich womöglich über Jahre hinziehen könne, heißt es aus dem St.-James-Palast. Ob all die Mühen sich am Ende lohnen werden, ist momentan aber fraglich.

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