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"Jolie verdient Respekt"

Angelina Jolie hat mit ihrer Entscheidung, sich die Brüste entfernen zu lassen und offen darüber zu sprechen, Mut bewiesen, meinen einige Kommentatoren. Andere äußern sich kritisch. Eine Presseschau.

  Angelina Jolie polarisiert mit ihrer Entscheidung zur Brust-Amputation

Angelina Jolie polarisiert mit ihrer Entscheidung zur Brust-Amputation

Angelina Jolie polarisiert mit ihrer Entscheidung, sich die Brüste entfernen zu lassen. Einerseits erntet sie Lob und Zustimmung, Kommentatoren bewundern ihren Mut. Anders ihre Kritiker: Wie weit dürfen, sollten Menschen gehen in ihrer Angst vor dem Krebs? Schließlich war Jolie gesund, es bestand allein das Risiko einer Brustkrebserkrankung. Hier ein Blick in die Kommentarspalten verschiedener Zeitungen.

"NRC Handelsblad" (Niederlande)

"In der amerikanischen Unterhaltungsindustrie, wo schon eine Falte als Ausdruck von schlechtem Stil gilt, hat ein Star mit Krebs und ohne Brüste ein großes Handicap. Eine kosmetische Brustvergrößerung ist eine gute Nachricht, "rekonstruierte" Brüste hingegen sind eine sehr schlechte. Filmstudios gehen auf Nummer sicher. Sie konfrontieren ihr Publikum lieber nicht mit dem Film einer populären Schauspielerin, die Assoziationen mit einer gefürchteten Krankheit weckt und darüber hinaus gar mit der schlimmsten Entstellung, die einer Frau aus der Perspektive Hollywoods widerfahren kann. Es bleibt abzuwarten, ob Jolie schnell ein Angebot für einen großen Film bekommt. Angelina Jolie hätte ihre Krankheit geheim halten können. Dass sie ihre 'medizinische Entscheidung' offenbarte, ist mutig."

"Mittelbayerische Zeitung" (Regensburg)

"Bissige Internet-Kommentare, die Angelina Jolie nun unterstellen, sie nutze ihre Geschichte lediglich für Publicity, sind unqualifiziert. Die Schauspielerin bedient sich ihres Promi-Status - aber diesmal für die gute Sache. Ihre Geschichte erreicht Frauen weltweit. Sie zeigt uns: Schönheit ist viel mehr als eine gute Oberweite."

"Schwarzwälder Bote" (Oberndorf)

"Soll man jetzt empört sein? Kann man Angelina Jolie für mutig halten? Muss man ihren Schritt nachvollziehen können? Eines kann man jedenfalls nicht: über sie richten. Dass sich Jolie zur Amputation beider Brüste entschieden hat, ist ein folgenreicher Schritt. Er soll nicht Vorbild sein. Doch er verdient allemal Respekt: allein durch die Demonstration, dass man solch schwierige Entscheidungen durchstehen kann."

"Freie Presse" (Chemnitz)

"Das Leben ist endlich. Das gilt es anzunehmen. Und wer es annimmt, wird es mit allen Risiken annehmen - statt seine Zeit permanent in Angst vor einer Krankheit zu verbringen und sich gesunde Organe amputieren zu lassen. Jolie hat in ihrer konkreten Lebensphase eine Entscheidung getroffen, die für sie selbst richtig sein mag. Sie sendet aber Signale, will gar Mut machen für eine Sache, die nicht für alle Fälle, nicht für Otto-Normalbürgerin richtig sein kann."

"Donaukurier" (Ingolstadt)

"Angelina Jolie eine ganz normale Frau. Das ist eigentlich eine banale Erkenntnis. Aber man vergisst manchmal, dass ihr Leben doch auf demselben Planeten spielt wie unseres. Die Menschen sehen eine Kunstfigur, eine Illusion - an der die Prominenten mit ihrer Selbstdarstellung kräftig mitbauen.Die Operation zerstört den Nimbus ihrer Unerreichbarkeit - und kostet sie vielleicht die eine oder andere Rolle. Aber gerade dadurch gewinnt Jolie dazu. Sie hat Brad Pitt? Sie hat einen Oscar? Sie hat viel Geld? Ja, das mag beeindruckend sein. Ihre Offenheit ist es noch mehr."

"Stuttgarter Nachrichten"

"Dieser Eingriff birgt andere Risiken - die von Jolie verschwiegen werden. So warnen Experten unter anderem vor psychischen Belastungen: Frauen empfinden den Verlust der Brust als Verlust ihrer Weiblichkeit. Jolie taugt deshalb kaum zum Aushängeschild der Krebsvorsorge. Auf die Alternativen zu einer Brustentfernung weist sie nicht hin: Inzwischen ist die Medizin so weit, dass Brustkrebs - wenn er frühzeitig erkannt wird - zu 90 Prozent heilbar ist. Zusätzlich zu ihrem Selbsterfahrungsbericht in einer amerikanischen Zeitung wären Aufrufe wichtig gewesen, regelmäßig zur Krebsvorsorge zu gehen. Ein Hollywoodstar, der alle sechs Monate medienwirksam verkündet, er gehe zur Früherkennung - das überzeugt!"

"Neue Osnabrücker Zeitung"

"Keine Krankheit wird von so vielen Frauen gefürchtet wie Brustkrebs. In Deutschland zählt Brustkrebs neben Herzkreislauferkrankungen zu den häufigsten Todesursachen. Besonders schlimm ist für viele betroffene Frauen, dass sie oft durch die Erkrankung einen Körperteil verlieren, der für sie das Symbol ihrer Weiblichkeit ist: die Brust.

Es verdient Respekt, dass sich Hollywoodschauspielerin Angelina Jolie entschlossen hat, das Risiko einer Erkrankung zu minimieren. Es ist auch gut und wichtig, dass sie an die Öffentlichkeit gegangen ist. Dennoch taugt sie nicht als universales Vorbild. Betroffene Frauen sollten sich nicht durch den 'Promi-Faktor' in ihrer Entscheidung unter Druck setzen lassen, sondern sie nur nach einer ausführlichen Beratung treffen."

"Cellesche Zeitung"

"Angelina Jolies mutiger Schritt an die Öffentlichkeit kann zweierlei bewirken: Noch mehr Menschen als bisher werden erkennen, wie wichtig Krebsvorsorge-Untersuchungen sind. Und die Schauspielerin, die - ihren eigenen Worten zufolge - nach der letzten Operation "ganz normal weiterarbeiten" konnte, hat bewiesen, dass das Leben auch nach einem schweren chirurgischen Eingriff noch lebenswert sein kann."

"Nordsee-Zeitung" (Bremerhaven)

"Die Frage, die wir uns als Gesellschaft stellen müssen, ist aber, wo wir die Grenzen medizinischer Vorsorge setzen. Die Genforschung bietet immer mehr Möglichkeiten, unsere Körper vor Anfälligkeiten, Krankheiten und Missbildungen zu schützen. Welche dieser Möglichkeiten wir am Ende ausschöpfen, bleibt uns überlassen."

"Die Welt" (Berlin)

"Es gibt Frauen, die scheinen die Rolle der 'perfekten Frau' zu verkörpern. Angelina Jolie ist so eine Frau. Sie entschied sich zur beidseitigen Brustamputation. Ein unvorstellbar schwerer Schritt für jede Frau - auch wenn es Möglichkeiten gibt, die Brust mithilfe von Implantaten zu rekonstruieren, was Jolie tat.

Angelina Jolie bricht gleich mehrere Tabus: Derart offen über Amputation und Rekonstruktion der Brust hat noch kein Star je gesprochen. Aber auch ethisch wirft sie damit die Frage auf, wie sehr sollten Gentests, die Auskunft über mögliche Erkrankungen geben, unser Leben bestimmen? Angelina Jolie ist nicht perfekt. Sie hat eine sehr persönliche, eine sehr radikale Entscheidung getroffen. Sie wird die Diskussion über Krebs vorantreiben. Es ist ihre mutigste Rolle."

brü/DPA/DPA

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