Erst fürchtete ganz Spanien, sie würde niemals schwanger. Dann war sie es und kämpfte mit gesundheitlichen Problemen. Nun hat Kronprinzessin Letizia Tochter Leonor geboren. Ende gut, alles gut?

Stolz präsentieren die frischgebackenen Eltern Prinzessin Leonor© REUTERS/Borja/Casa de Su Majested el Rey
Da stand sie nun mit ihrem dicken Bauch, es ist noch keinen Monat her, und quälte sich am Nationalfeiertag zwei lange Stunden durch die Militärparade. Sie versuchte ihr typisches Lächeln von damals, als Ihre Hoheit noch die Hauptnachrichten des spanischen Fernsehens moderierte: selbstbewusst, leicht unterkühlt, betont forsch.
Doch seit ihrer Hochzeit mit dem spanischen Thronfolger Felipe de Bourbon, 37, ist das Lächeln der einstigen "TV-Königin" Letizia Ortiz zur Maske gefroren. Denn wo immer sie an der Seite des Zwei-Meter-Gatten ihre Dienstpflichten als Mitglied der "Casa Real" erfüllte, vollzog sich das gleiche, unbarmherzige Spektakel: Dutzendweise hielten Kameraleute und Fotografen auf das Gesicht ihrer Ex-Kollegin mit der scharfen Nasolabialfalte, die man früher "Kummerfalte" nannte. Sie nahmen erst gnadenlos ihre knochigen Schultern und ausgemergelten Ärmchen ins Visier, zoomten dann dreist auf die Stelle, wo der durchlauchte Leib endlich die erwünschten Konturen zeigte.

Stillgestanden: Hochschhwanger verfolgt die Prinzessin eine Militärparade© Martin Oeser/DDP
Neun Kilo habe sie während der Schwangerschaft zugenommen, konnte man in "Hola" nachlesen. Die standen ihr zweifellos gut, ein wenig weicher sah sie aus, aber glücklicher? Sie litt unter Übelkeit und Hitzewallungen, vor zwei Wochen verbrachte sie drei Stunden im Krankenhaus, Verdacht auf Frühwehen. In der Nacht von Sonntag auf Montag nun kam das Königskind per Kaiserschnitt zur Welt: Leonor, ein Mädchen. Der Palast hatte vor der Klinik ein Cateringzelt aufbauen lassen, um die wartenden Journalisten mit Bocadillos zu versorgen. Gab es doch gute Nachrichten zu verkünden! Denn Letizia und der Nachwuchs - das war eine schwere Geburt.
Mit Hilfe von Spaniens Medien waren weite Teile des Volkes zu Ernährungsberatern und Gynäkologen mutiert. Warfen die Untertanen der frischgebackenen Prinzessin von Asturien anfangs noch lautstark Komplimente zu, so war bald eher wohlwollender Rat auszumachen - "Su Alteza, Sie sollten mehr essen!" - oder schnöde Anspruchshaltung: "Wann schenken Sie uns endlich einen Thronfolger?"

Seit ihrer Hochzeit ist das Lächeln der einstigen "TV-Königin" Letizia Ortiz zur Maske gefroren© Carlos Alvarez/Getty Images
Unter fachkundiger Anleitung der Herzblatt-Gilde wurde in Tapas-Bars wie Online-Chats das Befinden von Doña Letizia diskutiert und so vehement über Essstörungen der 33-Jährigen spekuliert, dass sich der Palast zu einem scharfen Dementi veranlasst sah: Mitnichten leide die Prinzessin an Magersucht. Ein einmaliger Vorgang im Hause der Bourbonen, deren gepflegte Skandallosigkeit sich bisher so wohltuend von den Wirren der Windsors abhob. Doch auf dem Boulevard wurde weitergemunkelt, etwa über das Gerücht, die Thronanwärterin habe sich einst sterilisieren lassen und sich nun einer aufwendigen Behandlung in einer Klinik für Fertilisationsprobleme unterziehen müssen. Jedes Reproduktionsrisiko wurde messerscharf unter die Lupe genommen: "Sind ihre Stöckelschuhe schuld, dass sie kein Baby bekommt?".
Autor der bestürzenden These ist Königshausexperte Jaime Peñafiel, der sich schon früh um das dynastisch korrekte Fortkommen der Bourbonen sorgte, wo doch heute "jede nächstbeste Muchacha" zur Königin aufsteigen könne. Seine ätzende Kolumnensammlung "Los Tacones de Letizia" ("Die Stilettos von Letizia") landete oben auf Spaniens Bestsellerlisten - wie jede Publikation über die Prinzessin reißenden Absatz findet: "Letizia auf dem Titel", sagt "Gala"-Chefredakteurin Milagros Valdés, "schlägt jeden Popstar."
Im vorvergangenen Frühjahr wurde die bürgerlich-adlige Hochzeit als ultimative Vereinigung der Medien mit der Monarchie gewürdigt. Ein neues Frauenbild sollte mit der toughen TV-Dame im angestaubten Hofe Einzug halten, das, hoffte etwa Pilar Urbano, die Biografin von Königin Sofía, "auf die spanische Monarchie wie eine Frischzellenkur wirken könnte". Reina Sofía hat sich persönlich des Trainee-Programms ihrer Schwiegertochter angenommen. "Ihr letzter Dienst für die Krone", wie Biografin Urbano vermutet, der die Monarchin vor Jahren in dunkler Vorahnung anvertraute: "Wenn du ein Kind hast, das eine ungeeignete Person heiraten will, kannst du nur eins tun: Du musst den beiden helfen, dass die Ehe funktioniert."
Sofías Schule ist hart, die Frau gilt als absoluter Profi: eine, die selbst bei größter Hitze vor öffentlichen Auftritten niemals trinkt, weil sie dem Volk den Anblick einer transpirierenden Monarchin ersparen will. Letizia, ehemals flotte Karrieristin mit dem Spitznamen "la Trepa", "Emporkömmling", war nach dem ersten Lehrjahr bei Schwiegermuttern jedenfalls kaum wiederzuerkennen. Unter den Kollegen beim spanischen Sender TVE galt die Journalistin als "biegsam bei den Chefs und despotisch bei den Technikern", wie sich der Fernsehmann und Buchautor José Infante erinnert, "rasend ehrgeizig, angeberisch und vorlaut".
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 45/2005