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19. Februar 2008, 11:39 Uhr

Hollywood geht auf Beutezug

Wofür bezahlen, wenn's alles auch umsonst gibt? Kleider von Chanel, Diamanten von Tiffany oder Uhren von Gucci - das alles stauben Hollywoodschauspieler vor der Oscar-Verleihung ganz umsonst ab. Die Steuerbehörde macht den Stars in Nehmer-Laune jetzt allerdings einen Strich durch die Rechnung. Von Frank Siering, L.A.

Dieses traumhafte Kleid von Penelope Cruz bei der Oscar-Verleihung 2007 haben wir der edlen Spende von Versace zu verdanken© Kevork Djansezian/AP

"Swag" nennen die Amerikaner die heiße Phase vor der Oscar-Verleihung. Das kann man mit "Beutezug" übersetzen und bezieht sich auf die Hollywoodstars, die am Sonntag auf dem Roten Teppich erscheinen. Wen sie ausbeuten? Die Hersteller von Luxuskleidern, Accessoires und Kosmetikprodukten. Chanel, Prada, Gucci und Co. werfen nämlich in der heißen Phase vor den Academy Awards mit wertvollen Geschenken nur so um sich. Grund dafür ist nicht die selbstlose Güte der Firmen, sondern die Absicht, Kleider und Accessoires auf dem Roten Teppich werbewirksam in Szene zu setzen.

Offiziell sprechen die Veranstalter lieber von "Red Carpet Suites". Hört sich ja auch ein bisschen seriöser an als "Beutezug". Da bucht ein französisches Kosmetikunternehmen mal eben ein ganzes Stockwerk für die Woche vor der Oscar-Verleihung, damit sich Celebrities der in "aller Ruhe" auf die Oscars vorbereiten können.

Auch B- und C-Promis laben sich

Das bedeutet: Gesichtsbehandlungen, Mani- und Pediküre, Massage mit heißen Steinen, Dampfbäder bei glucksender Walmusik oder einfach nur einen Gemüsecocktail im Bademantel, während sich die Füße im blubbernden Vanille-Bad für den Auftritt auf dem Roten Teppich weichspülen lassen. Natürlich sind der "Marie Claire Fashion Closet" im Hotel Four Seasons oder "Melanie Segal's Platinum Hollywood Oscar Gift Suite" im Hyatt-Hotel immer ganz exklusiv und der Eintritt der allgemeinen Öffentlichkeit ebenso verwehrt wie das goldene Eintrittsticket für die Oscar-Show am Sonntag. Wohl auch, weil es in diesen "Red Carpet Suites" immer ein klein bisschen was zum Mitnehmen gibt. Kostenlos, versteht sich. Warum sollte ein Promi mit Millioneneinkommen auch Geld für ein Fläschchen Parfüm ausgeben?

Peinlich allerdings wird es dann, wenn statt der A-Liste nur die B- oder - noch schlimmer - die C-Liste zum fröhlichen Geschenke einsammeln kommt. Ian Ziering zum Beispiel. Ian wer? Genau, das ist der Typ, der nach dem Serienerfolg von Beverly Hills 90210 keinen Fuß mehr in die Studio-Türen Hollywoods bekommen hat. Oder auch Kristin Bell, Jill Hennessy oder wie wär's mit Jerry Ferrara? Nie gehört? Die Manager von Casio, Vavoom Hair Care oder Revlon wahrscheinlich auch nicht. Mit solchen "Uberbleibseln" allerdings müssen sich viele Marketing-Bosse in ihren Red Carpet Suites zufrieden geben.

Die A-Liste kommt nur noch dann, wenn es wirklich was abzustauben gibt. Einen Geschenkekorb, der 15.000 Dollar wert ist, zum Beispiel. Da werd dann auch Javier Bardem oder Casey Affleck plötzlich hellwach. Diesen Korb - es handelt sich wohlgemerkt um einen "Pre-Oscar"-Korb, nach der Show gibt's dann noch einmal zweiten - erhalten nur einige wenige Auserwählte. Und was ist drin? Unter anderem Schuhe von Stuart Weitzman, Kwiat-Diamanten, Schmuck von Maggie Ferarri, Feriengutscheine für Italien und Jamaica und weitere wertvolle Goodies.

Edward Norton findet Geschenke-Körbe "abscheulich"

Seitdem Schauspieler Edward Norton einige Empfänger der wertvollen Fracht im letzten Jahr bei der Presse angeschwärzt hat, sind die Film-Millionäre vorsichtiger geworden. Norton nannte die wertvollen Geschenke "krank und abscheulich" und machte mit seinen abfälligen Bemerkungen die Steuerbehörde hellhörig. Die verlangten von jedem Promi mit Geschenkkorb, die Inhalte bei der Steuerbehörde als Einnahmen anzumelden.

Gift-Bags und Steuern? Das hat den launigen Filmstars offenbar schnell die Lust auf Geschenke versaut. Die Academy erklärte kurzerhand, dieses Jahr ganz auf Goodie-Bags verzichten zu wollen. Bei der Verleihung der Golden Globes ging man bereits mit gutem Beispiel voran und die Stars ohne Tüte nach Hause. Angesichts von Millionen-Gagen werden sie's wohl verkraften.

Von Frank Siering, L.A.
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
bR4iNST0RM (19.02.2008, 18:18 Uhr)
Verwunderung?
Nein. Was die Stars angeht. Allerdings bei der Wirtschaft wundert mich das Ganze besonders, das den Leuten, die sehr gut zahlende Kunden sein könnten, immer wieder sauteure Sachen einfach geschenkt werden. Schizophren!
Baut die Industrie denn wirklich immer noch darauf auf, dass wenn „Stars“ die Sachen der einzelnen Firmen „bewerben“ (auch wenn sie sie eigentlich nicht gekauft haben oder gar bräuchten), dann das „Fanvolk“ dieser Promis dem ultimativen Kaufrausch unterliegen und sich sagen: „Das hat jetzt die und die, dass muss ich auch haben!“ Und nach kurzem Preischeck wieder brutal auf den Boden der Tatsachen zurückgefeuert werden, da das Objekt der Begierde deutlich die Liquidität des betreffenden Fanatikers übertrifft?!
Vielleicht haben die Public Relation Büros echt zu viel Geld zum „Werben“. Frei nach dem Motto: schmal denken, breit fahren…
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