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3. April 2009, 11:34 Uhr

Gericht schmettert Adoptionsantrag ab

Da half auch kein Promibonus: Ein Gericht in Malawi hat den Antrag von US-Popdiva Madonna zur Adoption eines kleinen Mädchens abgelehnt. Hauptgrund: Madonna, die sich vor einem halben Jahr von Ehemann Guy Ritchie scheiden ließ, ist alleinerziehende Mutter.

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Auf Adoptionstour: Gemeinsam mit ihrem ersten Adoptivsohn David besuchte Madonna dessen leiblichen Vater Yohane Banda in Malawi© Tom Munro/Reuters

Damit hatte Pop-Diva Madonna wohl kaum gerechnet: Ihr Adoptionsversuch für ein weiteres Kind aus dem afrikanischen Kleinstaat Malawi endete mit einem Fehlschlag. Knapp ein Jahr nachdem die Adoption des kleinen David Banda endgültig bestätigt worden war, lehnte Richter Esimy Chombo jetzt den Adoptionsantrag für die vierjährige Halbwaise Chifundo "Mercy" James ab. Begründung des Oberlandesgerichts der Hauptstadt Lilongwe: Die "Queen of Pop" genüge als außerhalb des Landes lebende alleinerziehende Mutter nicht Malawis Gesetzen. In Malawi sprachen Menschenrechtsgruppen am Freitag vom Erfolg der Rechtsstaatlichkeit - sie hoffen nun auf die Ausarbeitung verbindlicherer Gesetze.

Unklar war zunächst, ob Madonna das Urteil anfechten wird oder nicht. Vor weniger als einem Jahr war sie von eben diesem Gericht nach 18-monatiger Probezeit formell zu Davids Adoptivmutter erklärt worden. Doch da war ihr das Sorgerecht gemeinsam mit ihrem damaligen Partner Guy Ritchie übertragen worden - von dem sie nun geschieden ist.

Die Sängerin war am Sonntag per Privatjet mit dem inzwischen dreijährigen Jungen sowie ihren leiblichen Kindern Lourdes (12) und Rocco (8) in dem bitterarmen Land im Südosten Afrikas eingetroffen. Sie hatte nicht nur ihre 2006 gegründete Stiftung "Raising Malawi" besucht - die mittlerweile rund 8000 Waisen unterstützt - sondern dabei auch schon Kontakt zu Mercy James aufgenommen.

Deren 18 Jahre alte ledige Mutter war nach der Geburt gestorben, der Vater hat kaum noch Kontakt zum Kind. Die Großmutter hatte das Mädchen ins Waisenhaus gegeben - ein fast schon klassischer Fall in dem von der Aids-Epidemie besonders geplagten Land am Malawi-See.

Rund eine Millionen Aids-Waisen leben in Malawi

Hier sind nach Schätzungen rund eine Million Kinder durch Aids bereits zu Waisen geworden. Wie in vielen anderen Teilen des Kontinents sind es oft die Großmütter, die nach dem Tod der eigenen Kinder elterliche Pflichten für die Enkel übernehmen. Viele sind schlicht überfordert.

Über das Einzelschicksal hinaus wirft Madonnas Adoptionsversuch daher die Frage auf, was im Interesse des Kindes die bessere Alternative wäre: ein Leben ohne echte Perspektiven im heimischen Umfeld oder eines in einer fremden Welt bei reichen Adoptiveltern, die neue Chancen bieten könnten.

In Südafrika gab es wenige Stunden vor dem Urteil eine öffentliche Radio-Debatte, an der auch die Pflegemutter des kleinen Nkosi Johnson, Gail Johnson, teilnahm. Der HIV-infizierte Junge hatte einst weltweit bei einem Aids-Gipfel in Durban Schlagzeilen gemacht, als er vor den Kameras der Weltpresse eine bewegende Rede hielt.

Einhelliger Tenor: Eine Adoption sei besser als ein Leben im Waisenhaus. Dennoch blieb Unbehagen spürbar. In Malawi hatte es sich vor allem an dem Vorwurf entzündet, Madonna nutze ihren Star-Status, um die Adoptionsgesetze des Landes zu umgehen. Diese seien schwach und sähen die Adoption durch Ausländer eigentlich gar nicht vor. Madonna hat nach Ansicht ihrer Kritiker für ihren Vorstoß zudem eine Zeit gewählt, in der das Parlament nicht reagieren konnte: Es hat sich mit Blick auf die im Mai anstehenden Wahl bereits aufgelöst.

Für Madonna ergibt sich nun ein Dilemma. Die Pop-Ikone hatte selbst in einem Interview erklärt, sie wolle nur mit Unterstützung der Malawier und der Regierung handeln. Eine Berufung wäre daher eine klare Abkehr von dieser Haltung, die die reichste Frau der Popwelt vorgegeben hat.

Sie hatte sich gegen Kritik bisher öffentlich stets mit dem Hinweis auf die Not in Afrika verteidigt: Der Kontinent sei ein einziger Notstand und brauche Menschen, die sich der jüngsten Generation annehmen. Menschenrechtler dagegen sprechen sogar von einem "Madonna-Effekt", durch den andere Prominente zur Adoption von Kindern aus armen Ländern inspiriert würden.

Ralf E. Krüger, DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
Vincent_Vega (03.04.2009, 23:04 Uhr)
@msjones777
Liebe(r) msjones777,
Ihre Sorge um das Eine Kind ist natürlich auch berechtigt; ABER: es gibt tausende solcher kleinen Babys; whätte ich soviel Geld wie Madonna, würde ich nicht eines adoptieren, sondern einen Teil dieses Geldes dafür einsetzen, dass zehn, hundert, oder noch mehr Kinder die Chance erhalten, bei Adopivteltern im Lande unterzukommen. Es ist ja nicht so dass die Leute aus Malawi ihre Kinder nicht lieben würden und sie nicht aufziehen würden, so sie denn die finanziellen Mittel hätten.
Aber bei Madonna und Co. sieht es nun mal so aus, als ob sie es aus erster Linie aus egoistischen Gründen tut.
Ich bin selbst Witwer von 39 Jahren und alleinerziehnder Vater meiner Tochter (fast 4 J.)
Lägen die Dinge anders, sprich: verheiratet und noch Kinderwunsch vorhanden, hätte ich nichts dagegen, selbst ein Kind zu adoptieren. Aus guten Gründen sind die Meßlatten hoch (siehe Artikel).
Waisenhäuser haben hier in Deutschland zwar nicht unbedingt den besten Ruf. Aber solange eine Institution, sei es Kirche oder Staat dafür sorgt, dass die Kinder regelmäßig versorgt werden, könnte es ihnen u.U. besser gehen, als Kindern, deren Eltern oder sonstige Verwandten dazu nicht in der Lage oder gar willens sind.
Wiebitte20081 (03.04.2009, 20:22 Uhr)
???
Malawi.13 Mio. Einwohner,30 % Analphabeten,13,5 % Aidskranke,Stand 2006/08.Wenn diese Selbstdarsteller wirklich Gutes tun wollen sollen sie das Geld das allein ihre eigenen Blagen für Klamotten auf den Kopf hauen in die Schulbildung dieser Kinder in Afrika investieren und nicht ein einziges in ihren Streichelzoo holen.
MRP66 (03.04.2009, 18:50 Uhr)
Sehr gut!
Respekt vor der Entscheidung des Gerichts. Pech gehabt Madonna. Jetzt muss sie Ihre Jünger für Ihre Scientology ähnliche Kabbala Sekte woanders rektrutieren. Ihre anderen Kinder hat sie ja schon reingezwungen. Gott sei Dank hat die reale Welt der "Erleuchteten" in Ihre Schranken verwiesen.
msjones777 (03.04.2009, 17:11 Uhr)
Madonna tut Gutes und sie hat recht
Soll die Welt eigentlich zuschauen, wie die ganzen Aids-Waisen und sonstigen vernachlässigten Kinder in Afrika in irgendwelchen sogeannten Waisenhäusern verkommen??? Ich bin 60, aber ich würde gern ein oder zwei afrikanische Kinder adoptieren und ihnen ein Leben - Schule, Studium, Beruf - ermöglichen. Das ist mir leider nicht möglich, weil ich zu alt bin. Ich bin ja nicht Herr Gerhard Schroeder, für den alle Regeln ausser Kraft gesetzt wurden.
msjones777 (03.04.2009, 16:57 Uhr)
Für das Wohl des Kindes
Darüber sollten wir doch mal wirklich nachdenken. Was für ein "Wohl" hat dieses Kind in einem Waisenhaus in Malawi zu erwarten, Die Grossmutter, die Einspruch erhebt, warum kümmert sie sich nicht um das Kind und nimmt es zu sich?? Ist es besser für ein Kind in einem Waisenhaus - wo ich nicht weiss, welche Qualitätsnasprüche erfüllt werden aufzuwachsen - oder bei einer- zugegebnenrmassen eigenwilligen Frau. Mir ist aber klar, dass diese eigenwillige Frau, für alle ihre Kinder immer das "Beste" tun wird, .d.h. die Kinder haben die beste Ernähurng, beste Erziehung. Liebe bekommen sie in diesem bescheidenem Heim in Malawi sicherlich nicht - von den materiellen Punkten abgesehen. Wö
MarthaMuse (03.04.2009, 16:41 Uhr)
Volker_Mainhattan
Das tut richtig weh, wenn ich mich so fremd schämen muss. Wie peinlich ist das denn, hier auf die Patenschaften hinzuweisen, um sich als guter Mensch zu beweisen. Aber hätten Sie, Volker_Mainhattan, Patenschaften, dann wüssten Sie doch auch, dass man die Kinder, deren Patenschaft man übernommen hat, nicht außer Landes schafft, sondern in ihrem Heimatort unterstützt.
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Frau Ciccone (Madonna krieg ich für die Frau nicht geschrieben, tut mir leid) hat doch schon beim ersten Kind nicht die Wahrheit gesagt. Dummes Getöne hat sie von sich gegeben, sie wolle dem Kind immer die Verbindung zur Heimat ermöglichen und regelmäßig mit ihm nach Malawi reisen lassen. Es sollte auch den Kontakt zum Vater nicht verlieren. Und was ist daraus geworden? Erst zur Adoptionsverhandlung für das nächste Kind zwei Jahre später hat sie es geschafft, das erste Mal wieder nach Malawi zu reisen. Das Kind hat den Vater nicht wieder erkannt…
.
Man darf gespannt sein, ob sie, die ja angeblich eine mütterliche Zuneigung zu dem Mädchen entwickelt haben will ( weiß sie, was das ist?) das Kind nun weiter fördert, oder rasch wieder vergisst.
Vincent_Vega (03.04.2009, 16:38 Uhr)
@sininen
Richtig, völlig meine Meinung.
Vincent_Vega (03.04.2009, 16:36 Uhr)
Wichtig ist doch das Kind
das Kind braucht Leute, die sich um es kümmern und ihm Liebe geben. Madonnas Fürsorge in allen Ehren -so sie echt ist - aber es scheint mir doch zweifelhaft, dass eine berufsmäßige Popdiva, deren Leben ja auch mit Glamourauftritten, Konzerten oder sonstwas gespickt ist, in der Lage sein wird, sich um das Kind entsprechend zu kümmern.
Sonst könnte sie gut und gerne ein paar "Eltern" dafür bezahlen - mit Überprüfung verständlich.
Die Unterstützung der Waisenhäuser und Schulen kann sie sicher auch ohne zusätzliche Adoption leisten.
sininen (03.04.2009, 15:05 Uhr)
Gutmenschen?
Hier schmeissen die Kommentatoren einmal wieder alles bunt durcheinander. Eine Patenschaft für ein Kind zu übernehmen hat nichts damit zu tun, ob jemand ein Kind adoptiert (und das, ohne sich an die Gesetze des Landes dort zu halten). Es hat auch wenig mit Gutmenschelei zu tun, wenn man anzweifelt, dass Madonna aus purer Selbstlosigkeit handelt. Worum geht es hier eigentlich?
1. Madonna: Eine Frau möchte ein Kind am Gesetz vorbei adoptieren und meint das mit ihrem Namen rechtfertigen zu können. Das ist keine Selbstlosigkeit, das ist totale egozentrik.
2. Das Kind: Mit Sicherheit würde das Kind es materiell und im Hinblick auf Bildung bei Madonna oder einer weissen reichen Frau besser haben. Aber ein Kind (zumal schon vier Jahre alt) hat auch andere Bedürfnisse als Essen und Bildung. Besonders ein Kleinkind braucht Bindung an eine "Mutter". Eine zuverlässige Bindung, die langsam und ernsthaft aufgebaut werden muss (so verstehe ich auch das entsprechende Gesetz in dem Land). Madonna scheint nicht gerade viel Zeit zu haben.
3. Das Gesetz: Ich finde es völlig richtig von einem Land, die Adoption an Bedingungen (zum Wohl des Kindes) zu knüpfen und bei deren Nichtachtung die Adoption nicht zuzulassen. Wie würde hierzulande die Allgemeinheit aufschreien, wenn ein Star käme und einfach mal so hier das Gesetz missachtete.
Wohlgemerkt geht es hier nicht darum Eltern zu kritisieren, die ein Kind aus dem Ausland adoptieren! Aber dann muss man eben 18 Monate zB in Malawi verbringen. Gesetz ist Gesetz.
Dass viele Länder, besonders in Afrika Hilfe brauchen, ist nichts Neues. Mit Patenschaften und Spenden für Schulen etc kann man allerdings mehr erreichen, als wenn man aus Eitelkeit ein Kind zu adoptiert.
botoxia (03.04.2009, 15:00 Uhr)
Wieso Kind "kaufen"?
Madonna wollte sich glaube ich kein kind kaufen, sondern eines adoptieren. Ich bin so frei zu behaupten, dass sie das Kind schon hätte, wäre sie bereit (jemanden dort) dafür ordentlich zu bezahlen.
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