1. Juli 2009, 19:09 Uhr

Eine traurige Beziehung

Wenn er nicht spurte, kriegte er eins mit dem Gürtel übergezogen: Ohne Liebe, dafür mit beispiellosem Ehrgeiz prügelte Michael Jacksons Vater Joe seine neun Kinder zu Höchstleistungen. "Er hat mir die Kindheit gestohlen", klagte Jackson - und fand erst im Tod eine späte Rache

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Prügelte seinen Sohn Michael zu Höchstleistungen: Michaels Vater Joe Jackson, der laut einem jetzt aufgetauchten Testament offenbar leer ausgehen soll©

Es wird vielleicht noch Wochen dauern, bis die Welt weiß, was Michael Jackson umgebracht hat. Aber eines ist schon wenige Tage nach dem unerwarteten Tod des legendären Sängers klarer geworden als je zuvor: Der selbst ernannte "King of Pop" war in Wirklichkeit ein Ritter von der traurigen Gestalt, ein zutiefst verunsichertes, einsames, nie erwachsen gewordenes Kind.

Schlüsselfigur für das unglückliche Leben ist Jacksons Vater Joe (79), der durch den Rummel um seinen Sohn unverhofft wieder ins Rampenlicht gelangt. "Mein Vater hat sich über mich lustig gemacht, und ich habe das gehasst. Ich habe jeden Tag geweint", erzählte der Megastar 1993 der US-Talkqueen Oprah Winfrey über seine Jugend. "Er war sehr streng, sehr hart, sehr strikt. ... Es gab Zeiten, da ist mir schlecht geworden, wenn er zu mir kam, ich musste mich übergeben."

Schon von früh an führte der Vater sein eisernes Regiment. Eigentlich Kranfahrer, hatte er sich zwischenzeitlich selbst in einer Band versucht. Die Sache ging schief, und so konzentrierte er seinen gesamten Ehrgeiz auf die insgesamt neun Kinder. Im Schwarzen-Ghetto von Gary im US-Bundesstaat Indiana geboren, sollte aus den musikalisch begabten Kids etwas ganz Großes werden. Die "Jackson Five", wie die kometenhaft aufsteigende Geschwistergruppe hieß, wurde gnadenlos und ohne einen Anflug von Liebe zu Höchstleistungen angetrieben.

Später bestritt Joe Jackson ("Bad Daddy") mit einer recht eigentümlichen Erklärung, den Superstar der Familie auch geschlagen zu haben. "Ich habe ihm mit einer Gerte oder einem Gürtel eine übergezogen. Ich habe ihn nie geschlagen. Schlagen tut man mit einem Stock." Auch die Brüder, teils eifersüchtig auf den Überflieger, hielten sich mit Sticheleien nicht zurück. Sie hänselten Jackson wegen seiner Akne und seiner breiten Afro-Nase, die er sich später in mehreren Anläufen zu einem missglückten Stupshaufen ummodeln ließ.

"Ich schämte mich so, dass ich mein Gesicht im Dunkeln gewaschen habe", berichtete Jackson von damals und klagte, ihm sei die Kindheit "gestohlen" worden. Seine Biografen sehen darin den Schlüssel für viele bizarre Aktionen, mit denen "Whacko Jacko" (der verrückte Jacko) später für Aufsehen sorgte. "Statt ein starkes Selbst und einen realistischen Blick auf die Welt zu entwickeln, ziehen sich Menschen wie Jackson in ein Phantasiereich zurück, in dem sie ihren Träumen frönen können, ohne die Realitäten zu sehen", schrieb die "Los Angeles Times" diese Woche.

Mit dem Kauf der Neverland Ranch in den späten 80er Jahren schenkte der Sänger sich selbst das vielleicht teuerste Spielzeug aller Zeiten. Bezeichnend: Er nannte das riesige Anwesen in der Nähe von Santa Barbara nach dem mythischen Land von Peter Pan, in dem Jungen nie groß werden. Mit Kindern aus sozial schwachen Familien, später mit seinen eigenen Kindern, holte der Star hier zwischen Karussells, Spielplätzen und Tiergehegen einiges nach, was er einst so schmerzlich vermisst hatte.

"Die Kinder waren Michaels Leben", sagte sein langjähriger Vertrauter und Sicherheitschef Mike La Perruque am Mittwoch in einem Interview. "Wenn man eines über Michael sagen kann, dann dass er ein wirklich guter Vater war." Besondere Ironie des Schicksals sind jetzt die Zweifel, die an der biologischen Vaterschaft Jacksons für seine drei Kinder Prince, Paris und Blanket, heute zwölf, elf und sieben Jahre alt, angemeldet werden.

Trotz aller Eskapaden arbeitete Jackson zumindest anfangs mit einem solch eisernen Willen an seiner Solokarriere, als ginge es darum, die Liebe des Vaters nachträglich durch Ruhm zu erkaufen. In seinen schweren Zeiten, als er 1993 und dann noch einmal zehn Jahre später spektakulär des Kindesmissbrauchs beschuldigt wurde, bekam er von der Familie einiges zurück. Der Clan schloss hinter ihm die Reihen. Zu seinem wohl düstersten Moment vor Gericht erschien er 2005 gemeinsam mit seinem Vater - der Alte hielt seinem Sohn die Hand.

Sollte der "King of Pop" nun in seinem Testament, wie spekuliert wird, wirklich den fast 80-jährigen Familienpatriarchen nicht bedacht haben, wäre dies eine späte Rache. Sicher ist aber wohl, dass sich "Jacko" seine Mutter Katherine (79), eine musikalische und tiefreligiöse Frau, als künftige Ziehmutter seiner drei Kinder gewünscht hat. Aber das ist noch nicht ausgemacht - auch Ex-Frau Debbie Rowe könnte Ansprüche erheben.

Von Nada Weigelt, DPA
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Xennia (03.07.2009, 23:39 Uhr)
ein Mann, der sich Vater nennt
Es macht mich wütend, dass dieser Mann, der sich als Vater von Michael Jackson bezeichnet, aber niemals seinen Vaterpflichten erfüllt hat, mit fast 80 Jahren putzmunter ist, während sein Sohn kurz vor seinem Tod wie ein wandelndes Skelett aussah. Klar ist, dass dieser Mann seinen Sohn missbraucht hat und klar ist auch, dass er der Schuldige ist an Michaels lebenslangen psychischen Problemen. Zudem verwundert es mich, dass Michael nie gesehen hat, dass
seine Mutter versäumte, ihn vor dem
Vater zu schützen.
sotospeak (02.07.2009, 00:29 Uhr)
@hq79: Bleichmittel
Ein Mittel zum permanenten Bleichen der Haut ist z. B. Monobenzone (deutschen Namen kenne ich nicht; siehe hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Monobenzone). Es zerstört die Pigmente irreversibel. Diese Chemikalie wird z. B. eingesetzt bei Vitiligo um ein gleichmäßigen Hautton zu erhalten, wenn das Tönen nicht mehr geht (siehe z. B. hier: http://atozbeauty.files.wordpress.com/2009/06/vitigilo22.jpg). Ob MJ tatsächlich Vitiligo hatte oder aus anderen Gründen gebleicht hat, kann man natürlich nicht sagen. Ich gebe Ihnen aber absolut Recht: solche Hintergrundinformation bekommt man nie. Muss man immer alles selber recherchieren. Wozu dann noch Journalisten?
Licorice (01.07.2009, 23:41 Uhr)
Schmierenjournalismus
Schließe mich den Kommentaren an:
Michael Jackson war kein "selbsternannter" King of Pop, sondern wurde von Liz Taylor dazu ernannt. Die Schreiberin des Artikels hat schlichtweg keine Ahnung, was sie schreibt.
Außerdem war in Magazinen wie dem Stern die letzten Jahre doch nur zynischer Dreck über MJ zu lesen, von wegen Wrack und Freak.
Die Stilisierung vom kaputten Monster zum Heiligen ist beschämend.
nordleuchter (01.07.2009, 23:19 Uhr)
wo war das Verständnis die letzten Jahre?!
Sie schrieben: "aber eines ist schon wenige Tage nach dem unerwarteten Tod des legendären Sängers klarer geworden als je zuvor: ... ein zutiefst verunsichertes, einsames, nie erwachsen gewordenes Kind."
Das klingt ganz anders als zu Lebzeiten, als nur noch vom "Wrack" die Rede war, oder? Schade, dass erst nach seinem Tod seine Seele besser verstanden wurde und wird. Ihm hilft das nicht mehr, aber vielleicht denken wir alle, besonders die Journalisten, in Zukunft ein bisschen nach, bevor vorschnelle Urteile gefällt werden.
Machs gut Michael. Ruh in Frieden - mögest du ihn jetzt haben.
hq79 (01.07.2009, 21:23 Uhr)
selbsternannt?
Wieso eigentlich immer selbst ernannter King of Pop? Hat nicht Liz Taylor ihn mit diesen Namen bedacht? Schreiben Sie doch bitte dazu wo Sie es herhaben, lieber Stern. In gefühlten 1 Million Artikel zu Michael Jackson kriegt man ständig irgendwas vorgesetzt und soll das dann einfach so glauben. Wie kommt es eigentlich im Zusammenhang mit diesem Sänger immer zu solchen Pauschalaussagen, falschen Fotos, Gerüchten und den aufgewärmten Schauerstories? Letzthin hat die FAZ die Story von der Hautbleichung wieder hervorgekramt. Natürlich auch ohne Quellenangabe, weiß ja anscheinend schon jeder wie das geht. Dabei würde ich gern aufgeklärt werden. Kennt jemand ein Mittel mit dem man sich ernsthaft von schwarz zu geist-weiß bleichen kann?
Julian2225 (01.07.2009, 20:06 Uhr)
Soso,
Die Mutter kommt gut weg, die ja NUR zugeschaut hat als ihre Kinder offensichtlich ZUMINDEST misshandelt wurden, und der "bad Daddy" ist der alleinSchuldige. Bitte den Artikel zu loeschen, denn als Fazit hinzustellen das die Grossmutter nun hoechstwahrscheinlich die Enkel erhalten soll ist einfach nur ein Joke!
Aber vielleicht moechte der Schreiber ja in 2-3Jahren die "Jackson Three" auf ner Buehne sehen...
hamburg123 (01.07.2009, 20:05 Uhr)
Meine Güte....
Der Vater scheint ja ein richtiges Monster zu sein. Ich fand es zudem richtig schlimm, als er da vor dem Krankenhaus schön rumgelacht und sein neues Album vorgestellt hat....geldgieriger Sack!
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